Leipziger Insektenvielfalt

Die verborgene Welt der Sechsbeiner ist bedroht

Sie krabbeln, summen, flattern, hüpfen, sie sind wunderschön oder auch erschreckend, sehr nützlich oder auch gefährlich, sehr widerstandsfähig, aber auch zerbrechlich, sie sind Verwandlungskünstler und Rekordhalter und es sind vor allem sehr, sehr viele verschiedene Arten: Rund zwei Drittel der weltweit bekannten Tierarten sind Insekten. Ihre unterschiedliche Lebensweise, Formenvielfalt und auch Schönheit ist beeindruckend.

 

Dramatischer Insektenschwund

Insekten sind ein wichtiger Teil des Ökosystems, zum Beispiel als Blütenbestäuber oder bei der Bodenbildung, sie sind auch unverzichtbar als Nahrung für viele andere Tierarten. Wissenschaftler haben festgestellt, dass in Deutschland die Zahl der Insekten dramatisch abgenommen hat, viele Arten sind davon betroffen, insbesondere Bienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen sowie Ameisen. Das ist ein Alarmsignal für den Zustand der Natur. Intensive Landwirtschaft, Flächenversiegelung und der Einsatz von Insektengiften haben vielen Tieren die natürliche Lebensgrundlage entzogen. Das bleibt auch für die Menschen nicht ohne Folgen. Vor allem aber macht es sich bereits bei Vögeln und Fledermäusen bemerkbar. Sie verlieren selbst immer mehr Unterschlupfmöglichkeiten und leiden durch das Insektensterben zudem auch noch unter Nahrungsmangel.

Hosenbiene. Foto:  NABU/Hans-Jürgen Sessner
Hosenbiene. Foto: NABU/Hans-Jürgen Sessner
Die Goldene Acht ist Schmetterling des Jahres 2017. Foto:  NABU/Erich Hans-Dieter Knopf
Die Goldene Acht ist Schmetterling des Jahres 2017. Foto: NABU/Erich Hans-Dieter Knopf

In Deutschland gibt es mehr als 500 Wildbienenarten. Sie sind vom Insektenschwund besonders stark betroffen. Ihr Aussterben wäre ein Drama, weil sie als Bestäuber für viele Pflanzenarten eine wichtige Rolle spielen, letzlich auch bei der Bestäubung vieler Nutzpflanzen des Menschen.

Schmetterlingsarten sind ebenfalls besonders bedroht. Auch sie sind auf Blütenpflanzen angewiesen, die in der Agrarlandschaft immer seltener werden. Selbst in vielen Gärten wachsen nur exotische Zuchtformen, die ihnen keinen Nektar als Nahrung bieten. Daneben benötigen die Schmetterlinge Futterpflanzen für die Larven. Allerdings wachsen auch diese Futterpflanzen immer seltener, fallen der Lebensraumvernichtung, einer veränderten Bewirtschaftung oder auch der „Unkrautbekämpfung“ zum Opfer.

 


Lebensraum zum Summen, Flattern, Zirpen

Der Schutz der Insekten ist ein wichtiges Anliegen des NABU. Entscheidend dabei ist der Erhalt geeigneter Lebensräume – und dabei kann jeder helfen. Blühende Wiesen statt kurzgemähter Rasen, wilde Ecken statt aufgeräumte Gärten, Verzicht auf Insektengifte – es gibt viele Möglichkeiten, wie jeder einen kleinen Beitrag zum Lebensraum- und Insektenschutz leisten kann. Auch bei der Pflege von Parkflächen und Grünanlagen in Leipzig könnte noch sehr viel mehr dafür getan werden, sie als Lebensräume in der Stadt zu erhalten: Das Laub liegen lassen, hohe Stauden und Blütenpflanzen stehen lassen, anstatt sie ständig kurz zu mähen, heimische Sträucher mit Blüten und Früchten anpflanzen, anstatt Gebüsch einem verfehlten Ordnungssinn oder dem Bauboom zu opfern und vieles mehr. Das wichtigste ist jedoch ein Umdenken in der Landwirtschaft, wofür sich der NABU bundesweit und auf EU-Ebene einsetzt. Die intensive Landwirtschaft mit monotoner Flächenbewirtschaftung, Bodenzerstörung und Gifteinsatz gefährdet die Artenvielfalt und die gesunde Umwelt.

Mit verschiedenen Aktionen versucht der NABU Leipzig auch praktisch etwas für den Insektenschutz und gegen den Lebensraumverlust zu tun. So hat der NABU Leipzig ein Faltblatt mit Tipps für naturnahes Gärtnern veröffentlicht, außerdem setzt sich der NABU gegen den Verlust von Brach- und Grünflächen in der Stadt ein. Sachsenweit wirbt der NABU auch für eine Insektenfreundliche Wiesenpflege mit dem Projekt „Puppenstuben gesucht“, woran sich der NABU Leipzig unter anderem mit der Streuobstwiese in Knauthain beteiligt.

 

Ratgeber

Offener Brief zum Insektensterben

Forscher und Naturschützer haben den Landtag und die sächsische Staatsregierung aufgefordert, gegen das Artensterben aktiv zu werden. Im November 2017 schrieben mehr als 100 sächsische Forscher, Wissenschaftler und ehrenamtliche Naturschützer gemeinsam mit dem NABU Sachsen an das Umweltministerium und an die Mitglieder des Sächsischen Landtags einen offenen Brief, mit dem sie sich auch an die Öffentlichkeit wandten. Die Unterzeichner sind überzeugt, dass die herkömmlichen Bemühungen um den Erhalt der Biologischen Vielfalt nicht ausreichen, diese nachhaltig zu bewahren. Deshalb wollen die Wissenschaftler und der NABU für einige der bekannten Ursachen Handlungsoptionen aufzeigen, die unterschiedliche Akteure umsetzen können. Eindringlich appellierten die Autoren und Unterzeichner an die politisch Verantwortlichen im Land, ihre Verantwortung wahrzunehmen und etwas gegen den Rückgang der Insekten zu unternehmen.

Offener Brief zum Insektensterben

 

Insekten Sachsen - Eine Mitmachaktion für alle

Scheinbienen-Keilfleckschwebfliege (Eristalis tenax). Foto: Petra Radtke
Scheinbienen-Keilfleckschwebfliege (Eristalis tenax). Foto: Petra Radtke

„Insekten Sachsen“ möchte Wissen über die einheimischen Insekten vermitteln und einladen, gemeinsam Wissenslücken zu schließen.
Das Projekt startete 2010 und widmet sich der Erforschung der einheimischen Insekten, die mit schätzungsweise 25.000 Arten den größten Teil der sächsischen Artenvielfalt ausmachen.
An der Mitmachaktion kann jeder Interessierte, ob Laie oder Spezialist, ganz nach seinen Fähigkeiten, mitwirken.

Experten stellen Informationen über die Arten, ihre Bestimmungsmerkmale, Lebensweise und Vorkommen, zur Verfügung. Außerdem prüfen sie eingehende Meldungen auf ihre Richtigkeit, bevor diese für die öffentliche Seite freigegeben werden.

Insektenfunde kann man bei „Insekten Sachsen“ mitteilen.

 

Exkursion in die Welt der Sechsbeiner

Einen kleinen Einblick in die oft verborgene Welt der Krabbeltiere gab der NABU Leipzig am 23. Juli 2017 bei der Exkursion „Leipziger Insektenvielfalt“. Der Leipziger Insektenkundler Marcus Held hat die kleinen oder großen Sechsbeiner vorgestellt, die am Plagwitzer Bahnhof zuhause sind.
Es gab großes Interesse bei den Naturfreunden, rund 40 Teilnehmer kamen zu dem Ausflug in die Insektenwelt, bei dem besonders die Heuschrecken im Mittelpunkt standen. Ödlandschrecke, Büffelzikade und Grünes Heupferd gehörten zu den „Sehenswürdigkeiten“.

Überraschend ist die farbliche Vielfalt, mit welcher die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) auftritt und bei der  Exkursion zu sehen war. Schwer zu fotografieren war die Büffelzikade (Stictocephala bisoni). Zu den Langfühlerschrecken, die bei der Exkursion zu sehen waren gehören das Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima) und die Westliche Beißschrecke (Platycleis albopunctata), die farblich sehr gut an die Umgebung angepasst ist. Fotos: Detlef Bischoff

 

Weitere interessante Informationen zur Welt der Insekten gab es von Markus Held auch am 6. September 2017 bei seinem Vortrag im Naturkundemuseum.

 

Insektensterben – Was können wir tun?

Nicht nur die Zahl der Insektenarten, sondern auch die der Individuen befindet sich in einem dramatischen Sinkflug. Nach Untersuchungen in Nordrhein-Westfalen ist die Biomasse der Fluginsekten seit 1989 mancherorts um bis zu 80 Prozent zurückgegangen. Wenn der Trend beim Insektenschwund sich fortsetzt, sterben viele Arten in weniger als zehn Jahren aus. Die Folgen wären eine ökologische Katastrophe, die nicht zuletzt massive wirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe für die Landwirtschaft und die Nahrungsmittelproduktion mit sich bringen würde.  

Der Rückgang blütenbestäubender Insekten, wie Wildbienen, Fliegen und Schmetterlinge, beeinflusst die Vielfalt von Wild- und Nutzpflanzen ebenso wie die Nahrungsmittelproduktion. Auch insektenfressende Vogelarten, die ohnehin schon unter der Zerstörung ihrer Lebensräume zu leiden haben, bekommen bei einem weiteren Rückgang ihrer wichtigsten Nahrung Probleme, genügend Nachwuchs aufzuziehen.
Gegenmaßnahmen sind dringend erforderlich. Der NABU fordert eine bundesweite Untersuchung und Überwachung der Insektenbestände sowie einen weitgehenden Verzicht auf Insektizide. Ebenso wichtig ist es, den ökologischen Landbau weiter auszubauen.

Welche praktischen Maßnahmen können umgesetzt werden, was kann jeder einzelne tun und was weiß man über die Ursachen des Artenschwunds? Darüber wollte der NABU informieren und mit Bürgern sowie mit Fachleuten ins Gespräch kommen. Die NABU-Ortsgruppe Plaußig-Portitz hatte am 14. März 2018 zum Gesprächsabend eingeladen.

 

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Blühende Wiesen für Sachsens Schmetterlinge

Die Schmetterlinge brauchen Nahrungspflanzen für die Larven, Plätze für Puppen und Blüten als Nahrungsquelle der erwachsenen Falter. Im Landesweiten Projekt "Puppenstuben gesucht" sollen schmetterlingsgerechte Wiesen entstehen, die solche Lebensräume bieten. Der NABU Leipzig pflegt im Rahmen des Projekts unter anderem eine Streuobstwiese in Knauthain.


Foto: Hans-Joachim Kietz
Foto: Hans-Joachim Kietz

Buntes Grün

Während Leipzig wächst, schrumpft der Lebensraum in der Stadt für Tiere und Pflanzen. Die Stadtnatur wird dem Bauboom geopfert – das hat auch negative Folgen für das Stadtklima und das Wohlbefinden der Menschen. Zum Ausgleich für verlorenes Grün, können Blühflächen und neue Gehölzgruppen angelegt werden. Der NABU bietet dabei seine Beratung an. Machen Sie mit: Schaffen Sie Lebensräume in der Stadt!


Foto: NABU/Reinhard Plath
Foto: NABU/Reinhard Plath

Münsteraner Appell

Auf der Tagung „Insektenrückgang“ im Februar 2018 in Münster wurde der „Münsteraner Appell zum Insektenschutz und Erhalt der Biodiversität“ vorgestellt. Der Appell beinhaltet von der EU-Ebene bis zum eigenen Garten eine Vielzahl von Forderungen und Anregungen, wie der Insektenschutz und damit die gesamte Biodiversität verbessert werden kann.


Bild der Woche

von Detlef Nowarre
von Detlef Nowarre

Für Mensch und Natur

Foto: NABU/Marcus Gloger
Foto: NABU/S. Zibolsky
Foto: NABU/F. Fender

Naturschutz online


Foto: NABU/Rolf Jürgens

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Für Biotop- und Artenschutz

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Lustige Stofftiere, waschbar bis 40°C. Die Einnahmen werden für den Arbeitskreis Vogelschutz verwendet. Jedes Kuscheltier ist ein handgefertigtes Unikat aus Stoffresten und für 3 Euro erhältlich im NABU-Naturschutzbüro.
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