Bäume und Sträucher in der Stadt

Für Klima, Mensch und Tier

Foto: NABU Leipzig
Foto: NABU Leipzig

In der wachsenden Stadt gibt es viele Probleme. Leipzig hat immer mehr Einwohner, mehr Menschen, die in Leipzig leben wollen, brauchen mehr Wohnraum. Demnach werden neue Wohnungen, aber auch neue Einkaufsmärkte und Gewerbegebiete gebaut. Und während Leipzig wächst, haben andere Stadtbewohner immer weniger Platz: Wildtiere. Viele Brachflächen und Grünanlagen gibt es nicht mehr, Sträucher und Bäume wurden gerodet. Damit einher geht der Verlust von potenziellen Lebensräumen der Tiere. Immer mehr Menschen fällt auf, dass es beispielsweise weniger Sperlinge und Amseln gibt. Igel, Fledermaus, Schmetterling und Nachtigall, die zum lebendigen Stadtbild von Leipzig gehörten, werden immer seltener.

 

Oftmals werden die Lebensräume beseitigt, ohne dass es dafür einen Ausgleich gibt, obwohl das gesetzlich eigentlich vorgeschrieben ist. Wenn es Ersatzpfalnzugen gibt, handelt es sich oft um kleine junge Bäume; sie können den Verlust alter Bäume und ihre Habitatfunktionen nicht ausgleichen. Es dauer Jahrzehnte, bis ein Baum wieder Höhlen und Unterschlupfmöglichkeiten bietet wie ein alter Baum. Hinzu kommt, dass oft nur kleinwüchsige Bäume oder exotische Arten gepflanzt werden, die niemals den Verlust alter heimischer Stadtbäume ausgleichen können. Auch viele ökologisch wertvolle Sträucher vesrschwinden, solche Hecken und Gebüsche werden fast nie durch Neupflanzungen ersetzt - ein dramatischer ökologischer Verlust, der immer weiter fortschreitet. Leipzig schrumpft

 

Heimische Gehölze

In unseren Gärten und Parks werden leider zu oft exotische Ziergehölze gepflanzt; meist bieten sie Insekten oder Vögeln keine Nahrung und sind deshalb ökologisch wenig wertvoll. Die bessere Alternative sind heimische Gehölze, insbesondere beerentragende oder reich blühende. Beeren fremdländischer Sträucher werden meist nur

von wenigen Vögeln gefressen, dagegen ernähren die Früchte des heimischen Weißdorns 32 Vogelarten, der heimische Wachholder wird von 43 Vogelarten gefressen, Vogelbeere und Schwarzer Holunder ernähren sogar mehr als 60 Vogelarten. Auch Säugetiere wie Mäuse und sogar Fuchs oder Marder naschen gerne die vitaminreichen Früchte.

 

An exotischen Gehölzen findet man nur selten Fraßspuren von Insekten, heimische Pflanzen hingegen  werden von verschiedenen Insekten besiedelt und auch von ihren Fressfeinden. Ohne Insekten fehlt die Nahrungsgrundlage für Vögel, da nutzt ein aufgehängter Nistkasten wenig, und auch ein Insektenhotel ist wenig hilfreich, wenn es keine Blühflächen und Futterpflanzen in der Nähe gibt.

 

Die Eberesche ist eine wichtige Futterpflanze für Tiere, beispielsweise für 63 Vogel-, 31 Säugetier- und 72 Insektenarten. Die Früchte sind leuchtend rote, kugelige Apfelfrüchte, die sich auch für die menschliche Ernährung eignen, beispielsweise als Konfitüre. Foto: NABU/Helge May


Dichte Sträucher sind zudem ein wertvoller Nistplatz für verschiedene Vogelarten, wie Grasmücke, Amsel, Heckenbraunelle und Nachtigall. Bäume und Sträucher sorgen für Biodiversität und fördern auch Nützlinge, eine hohe Biodiversität ist die beste Schädlingsbekämpfung und Voraussetzung für ein biologisches Gleichgewicht.

Aber auch dem Menschen haben heimische Sträucher viel zu bieten. Sie locken nicht nur die Tierwelt an und beleben den Garten, sie sehen auch schön aus. Zudem sind die heimischen Arten oft relativ anspruchslos und widerstandsfähig. Passende Arten gibt es für nahezu jeden Standort – egal ob sonnig, habschattig oder schattig.

 

Bäume – ganz groß für die Natur

Foto: NABU/Michael Groß
Foto: NABU/Michael Groß

Auch Bäume sind im Garten ökologisch wertvoll und für einen ästhetisch schönen Garten nahezu unverzichtbar. Viele Vogelarten siedeln sich erst dann an, wenn einige größere Bäume vorhanden sind. Wenn man darauf achtet, dass Exemplare derselben Art in der Nachbarschaft wachsen, sichert man die Bestäubung durch Wind oder Insekten. Das gilt insbesondere für Obstbäume, die reiche Früchte tragen sollen.

Wenn die Größe des Gartens das Pflanzen großer Bäume nicht erlaubt, kann man auf halbstämmige Formen zurückgreifen (stattdesen entscheiden sich leider Viele für viertelstämmige Bäume, an die man nicht einmal einen Nistkasten hängen könnte). Man kann einige Laubbaumarten auch als Kopfbaum pflegen, sodass sich im knorrigen Stamm viele Spalten und Höhlen entwickeln, wobei der Baum gleichzeitig in der Wuchshöhe beschränkt bleibt. Die Höhlen bieten Unterschlupf für Insekten, Vögel, Fledermäuse oder andere kleine Säugetiere.

 

Gerade Kleingärten können Naturoasen sein, wertvoller Lebensraum in der Stadt. Häufig werden die Vorschriften zur kleingärtnerischen Nutzung jedoch als Hindernis gesehen. Im Rahmen der Gesetze gibt es aber durchaus viele Möglichkeiten, einen Naturgarten zu gestalten. Der NABU Leipzig berät Kleingärtner gerne bei einem Vororttermin. Terminabsprache am besten per E-Mail

 

Tipps und Tricks für naturnahes Gärtnern gibt der NABU auch in einem Faltblatt, das im NABU-Naturschutzbüro in Gohlis und beim Stadtverband der Kleingärtner in Plagwitz erhältlich ist.

 

Wildsträucher für naturnahe Gärten

Art Herausragende Bedeutung als
Berberitze Vogelschutzgehölz  
Besenginster    
Brombeere Vogelschutzgehölz Nahrungspflanze für Vögel und Insekten
Faulbaum   Nahrungspflanze für Vögel und Insekten
Feldahorn    
Hainbuche    
Hartriegel    
Hasel   Nahrungspflanze für Insekten und Säugetiere
Heckenkirsche    
Himbeere Vogelschutzgehölz Nahrungspflanze für Vögel und Säugetiere
Holunder   Nahrungspflanze für Vögel
Johannisbeere   Nahrungspflanze für Vögel
Kornelkirsche    
Kreuzdorn Vogelschutzgehölz Nahrungspflanze für Insekten
Liguster    
Pfaffenhütchen    
Salweide    
Sanddorn Vogelschutzgehölz  
Schlehe Vogelschutzgehölz Nahrungspflanze für Insekten und Säugetiere
Schneeball    
Traubenkirsche    
Vogelbeere   Nahrungspflanze für Vögel
Weißdorn Vogelschutzgehölz Nahrungspflanze für Vögel, Insekten und Säugetiere
Wildapfel   Nahrungspflanze für Säugetiere
Wildbirne   Nahrungspflanze für Säugetiere
Wildrosen Vogelschutzgehölz Nahrungspflanze für Insekten

Das sächsische „Baum-ab-Gesetz“

Foto: Karsten Peterlein
Foto: Karsten Peterlein

In Sachsens Kommunen war viele Jahre der Schutz von Gehölzen in Baumschutzsatzungen verankert, sodass es nicht ohne Genehmigung möglich war, Bäume zu fällen. 2010 jedoch hat die damalige schwarz-gelbe Staatsregierung, maßgeblich auf Initiative der FDP, unter dem Etikett des angeblichen „Bürokratieabbaus“ den Baumschutz weitgehend abgeschafft. Eine Vielzahl von Gehölzen ist nun nicht mehr durch kommunale Baumschutzsatzungen geschützt, sie können willkürlich, ohne Ausgleich und ohne Erfassung entfernt werden. Es folgte ein dramatischer Kahlschlag in den Städten und Gemeinden. Wie viele Gehölze dem „Bürokratie­abbau“ zum Opfer gefallen sind, ist nirgendwo erfasst. Nach Ermittlungen des BUND Sachsen gehen seitdem jährlich rund 4.500 Bäume in Sachsen ersatzlos verloren.

In Baumhöhlen lebende Tiere werden leider oft übersehen, in den meisten Fällen wird vor Baumfällungen nicht einmal nach ihnen gesucht. Foto: Michael Kulick
In Baumhöhlen lebende Tiere werden leider oft übersehen, in den meisten Fällen wird vor Baumfällungen nicht einmal nach ihnen gesucht. Foto: Michael Kulick

Hinzu kommt, dass seit Inkrafttreten des „Baum-ab-Gesetzes“ auch viele Gehölze beseitigt werden, die nach wie vor unter Schutz stehen. Missachtet wird zudem in vielen Fällen das übergeordnete Bundesnaturschutzgesetz. Es verbietet die Baumfällung ohne Ausnahmegenehmigung im Zeitraum 1. März bis 30. September. Außerdem sind Baumfällungen verboten, wenn dadurch Lebensstätten gesetzlich geschützter Arten beeinträchtigt werden. Das können zum Beispiel Vogelnester, Fledermaushöhlen oder Totholz sein. Der NABU Leipzig kritisiert das immer wieder und fordert die Einhaltung des gesetzlichen Biotop- und Artenschutzes. Vielfach reagiert die zuständige Naturschutzbehörde aber nicht oder nicht konsequent. Die Stadt der toten Tiere

Das „Baum-ab-Gesetz“ wurde gegen den Widerstand von Kommunen und Naturschutzverbänden verabschiedet. Seitdem gab es mehrere Versuche, mithilfe von Unterschriftensammlungen, Petitionen und Gesprächen wieder einen besseren Baumschutz zu erreichen. Leider waren bisher alle diese Bemühungen erfolglos, auch aufgrund mangelnder Beteiligung der Bürger, obwohl gleichzeitig viele Menschen den Verlust der Artenvielfalt beklagen und vom NABU fordern, aktiv zu werden. Ohne breite gesellschaftliche Unterstützung wird es kaum gelingen, die Landespolitik zum Umdenken im Sinne des Naturschutzes zu bewegen. Hier haben vor allem die Wähler Einflussmöglichkeiten auf ihre Abgeordneten. Naturwähler

Initiative zum Schutz von Bäumen und Sträuchern

NABU Leipzig bittet Vermieter um sensible Gehölzpflege

Immer wieder wenden sich besorgte Naturfreunde an den NABU-Regionalverband Leipzig und weisen darauf hin, dass Bäume auf Wohngrundstücken oder an Straßen rücksichtslos gefällt oder Sträucher einfach entfernt werden. Rechtlich ist dagegen in vielen Fällen nichts einzuwenden. Genehmigungen werden oft problemlos erteilt und der kommunale Baumschutz hat in Sachsen auch keinen großen gesetzlichen Stellenwert.

 

Deshalb sah der Naturschutzbund Leipzig die beste Möglichkeit in einem Appell an die Verantwortlichen. Der NABU hat Bauherren und Vermieter kontaktiert und auf die Problematik hingewiesen. Dabei haben die Naturschützer um mehr Rücksicht gebeten, denn Bäume und Sträucher werten nicht nur das Wohnumfeld auf, sie sind auch in der Stadt ein wichtiges Stück grüner Lebensraum, Versteck oder Nahrung für verschiedene Tierarten.
Einige der angesprochenen haben sich freundlich zurückgemeldet und dem NABU Ansprechpartner genannt, die in Konfliktfällen von den besorgten Anwohnern oder vom Naturschutzbund kontaktiert werden können. Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Hoffentlich wird es am Ende gelingen, tatsächlich soviel Gehölze wie möglich vor der Kettensäge zu retten.


Denn die Begründungen für Baumfällarbeiten sind oftmals aus der Sicht eines Naturfreundes erschreckend. Da wird eine Kastanie gefällt, weil ein Mieter sich über zuviel Schatten beklagt hat, da werden Birnenbäume entfernt, weil sich Passanten über die umherliegenden Früchte beschwert haben, und die meist gebrauchte Begründung lautet: Verkehrssicherheit – angeblich war der gefällte Baum krank und eine Gefahr; in vielen Fällen ist das jedoch zweifelhaft. Baumschutzsatzung der Stadt Leipzig

Bunte Sträucher als Nahrungsquelle

Foto: Karsten Peterlein
Foto: Karsten Peterlein

Im Garten der Wildvogelhilfe Leipzig werden Sträucher durch Stecklingvermehrung produziert. Wer Flächen kennt, wo neue Sträucher und Vogelschutzhecken Platz finden können und wo der Eigentümer dem Pflanzen zustimmt, kann die Standorte melden. Der NABU verschenkt die Sträucher (so lange der Vorrat reicht). Im Angebot sind Liguster, Roter Hartriegel, Feuerdorn, Hasel, Holunder, Hagebutte, Berberitze, Rote Johannisbeere, Weißdorn, Wildrose, Apfelbeere und Wildapfel.

Bäume und Sträucher im Jahresverlauf

Knospen, Blüten, Blätter und Früchte

 

Sträucher werden oft als „Gestrüpp“ verkannt und radikal beseitigt. Damit verlieren viele Vögel und andere Tiere ihre Nistplätze, Unterschlupfmöglichkeit und Nahrung. An einigen Stellen jedoch kann man die Vielfalt der Baum- und Straucharten noch vorfinden. 2018 hat der NABU Leipzig mit Exkursionen zu verschiedenen Jahreszeiten diese Vielfalt näher vorgestellt. Im ausgehenden Winter konnte man die unterschiedlichen Knospen kennenlernen, im Mai konnte man sich über die Vielfalt der Blüten freuen, und im Herbst wurden die Früchte der heimischen Gehölze vorgestellt. An Knospen, Blättern, Blüten und Früchten kann man die verschiedenen Baum- und Straucharten unterscheiden. Baumexperte Markus Drappatz hat bei den Exkursionen zu den verschiedenen Jahreszeiten die Merkmale der Gehölze vorgestellt. Weiterlesen

Mehr Grün am Wegesrand

Pflanzaktionen in Plaußig-Portitz

Ein Zeichen gegen Artenschwund und Flächenverbrauch

Baumpflanzaktion 2013

 

Für Artenschutz und gegen Straßenbau

Pflanzaktion 2014

 

Kulturlandschaft ökologisch bereichert

Pflanzaktion 2015

 

Wertvoller Gehölzstreifen

Pflanzaktion 2016

 

Für Biotop- und Artenvielfalt

Pflanzaktion 2017

 

Lotto-Glück und Feuerwehr-Einsatz

Pflanzaktion 2018


Herbstlaub einfach liegen lassen

Auf Laubbläser und Laubsauger sollte man verzichten!

Foto: Hans Braxmeier / Public Domain

Im Herbst erfreut uns die Natur mit bunten Blättern. Sie sind aber nicht nur schön anzusehen, das fallende Laub ist auch ein wichtiger Teil des natürlichen Nährstoffkreislaufs. Die Laubschicht ist Lebensraum, Winterquartier und Nährstoffspender für den Boden. Auf Beeten sowie unter Sträuchern und Hecken kann es ruhig liegenbleiben. Es besteht kein Grund, es aus Parkanlagen und Gärten restlos zu beseitigen. Dieser falsch verstandene Ordnungssinn ist für Tiere, die in der Laubschicht Nahrung oder Unterschlupf suchen verheerend. Besonders schädlich ist der Einsatz von Laubbläsern und Laubsaugern, die nicht nur das Laub restlos beseitigen, sondern auch alle Lebewesen darin. Hinzu kommt der für Mensch und Tier belastende Lärm, darüber hinaus stoßen die Verbrennungsmotoren der Geräte gesundheitsschädliche Abgase aus.

 

Der NABU bittet alle, auf Laubbläser und Laubsauger gänzlich zu verzichten! Auf Rasenflächen und Gehwegen kann man Besen und Rechen einsetzen und im Übrigen das Laub einfach liegen lassen.

 

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Leipzig schrumpft

Während Leipzig für die Menschen wächst, schrumpft die Stadt für die Tier- und Pflanzenwelt. Lebensräume gehen tagtäglich verloren, oftmals ohne jeden Ausgleich, obwohl er gesetzlich vorgeschrieben ist. Damit verliert Leipzig auch mehr und mehr Lebensqualität. Außerdem haben die Ökosysteme wichtige Funktionen, zum Beispiel für das Stadtklima. mehr



Foto: Hans-Joachim Kietz

Buntes Grün

Zum Ausgleich für verlorenes Grün, können Blühflächen angelegt und Sträucher gepflanzt werden. Der NABU bietet dabei seine Beratung an. Machen Sie mit: Schaffen Sie Lebensräume in der Stadt! mehr

 

 

 



Foto: NABU/Sebastian Hennigs
Foto: NABU/Sebastian Hennigs

Beratung für naturnahe Kleingärten

Kleingärten können Naturoasen sein, wertvoller Lebensraum in der Stadt. Häufig werden die Vorschriften zur kleingärtnerischen Nutzung jedoch als Hindernis gesehen. Im Rahmen der Gesetze gibt es aber durchaus viele Möglichkeiten, einen Naturgarten zu gestalten. Der NABU Leipzig berät Kleingärtner gerne bei einem Vororttermin im Winterhalbjahr. Terminabsprache am besten per E-Mail

 



Natur im Kleingarten

Kleingärten sind ein wichtiger Teil der Stadtnatur und können Lebensraum für viele Tiere sein. Tipps und Tricks für naturnahes Gärtnern gibt der NABU in einem Faltblatt, das im NABU-Naturschutzbüro in Gohlis und beim Stadtverband der Kleingärtner in Plagwitz erhältlich ist.