Vogel des Jahres 2022

Der Wiedehopf hat die Wahl gewonnen

Der Vogel des Jahres 2022 ist der zweite, der bei einer öffentlichen Wahl bestimmt wurde. Gewonnen hat der Wiedehopf (Upupa epops). Er benötigt halboffene bis offene insektenreiche Landschaften, und Insekten gibt es nur ohne Pestizideinsatz, deshalb war sein Wahlslogan „Gift ist keine Lösung“. Der NABU Leipzig wird im Verlauf des Jahres mit verschiedenen Aktionen über den Vogel des Jahres informieren und sein Wahlkampfmotto aufgreifen, um auch in Leipzig mehr Giftverzicht und mehr Insektenschutz zu erreichen.

 

Der Wiedehopf ist Vogel des Jahres 2022. Foto: M Schäf
Der Wiedehopf ist Vogel des Jahres 2022. Foto: M Schäf

Mit seinem orangeroten Gefieder und seiner markanten Federhaube ist der Wiedehopf einer der auffälligsten heimischen Vögel, dennoch werden die wenigsten diesen Vogel jemals selbst in der Natur gesehen haben, denn er kommt nur in wenigen Regionen Deutschlands vor. In der Region Leipzig wird immer wieder einmal ein Wiedehopf beobachtet, Ansiedlungsversuche sind aber bisher nicht erfolgreich. Bei den meisten Beobachtungen handelt es sich um Durchzügler.  Es gibt Hinweise, dass der Wiedehopf in der Region Leipzig früher einmal zuhause war, heute ist er in Sachsen fast nur noch im Nordosten nachgewiesen, wo es nur bis zu 100 Brutpaare gibt.

 

Der Wiedehopf liebt warme, offene Lebensräume in denen er Höhlen oder Halbhöhlen zum Brüten findet sowie Großinsekten, von denen er sich ernährt. Da er am Boden jagt, darf die Bodenvegetation nicht zu dicht sein. Aufgrund von Flächenversiegelungen und intensiver Landwirtschaft fehlen ihm geignete Nahrungshabitate, aber auch Nistmöglichkeiten. Eigentlich nistet der Wiedehopf vorwiegend in alten Baumhöhlen, da diese heute weitgehend fehlen, nimmt er aber auch gerne Nisthilfen an. Offene, strukturreiche Landschaft hingegen ist rar. Zudem macht sich das Insektensterben negativ bemerkbar – wie auch vielen anderen Tieren fehlt dem Wiedehopf dadurch die Nahrungsgrundlage. Weiterlesen


Teilerfolg für den Vogelschutz

Gläserne Fahrstuhlschächte wurden umgestaltet

Foto: NABU Leipzig
Foto: NABU Leipzig

In Paunsdorf wurden Fahrstuhlscheiben wirksam gegen Vogelschlag beklebt, nachdem der NABU Leipzig 16 Monate lang für diese Lösung eingetreten ist. In dieser Zeit mussten leider 18 tote Vögel dokumentiert werden. Die tatsächliche Zahl der Toten und Verletzten ist sicher noch größer, denn nicht alle werden aufgefunden.

 

Leider ist das Erreichte auch in diesem Fall nur ein Teilerfolg, denn es wurden nur jene Glasschächte vogelsicher umgestaltet, an denen die Todesopfer dokumentiert wurden. Die übrigen Schächte sind nach wie vor potenzielle Todesfallen für die Vögel. Der ehrenamtliche Kampf für die Vogelwelt muss darum weitergehen, der NABU wird die Situation weiter beobachten. Zudem sind diese Glasflächen nur ein weiterer Einzelfall. Mit Beharrlichkeit und großem Zeitaufwand waren hier NABU-Mitglieder im Einsatz, an vielen anderen Glasflächen ist die Lage ähnlich dramatisch, doch dort sterben die Tiere oft unbemerkt. Darum bittet der NABU um Unterstützung: Wer helfen möchte oder Kollisionsopfer findet, kann sich per E-Mail melden.

 

Vögel können verglaste Flächen nicht als Hindernis wahrnehmen, die Kollision endet meist tödlich für die Tiere. Durch vogelsicher gestaltetes Glas kann man das leicht vermeiden, leider wird das bei Baumaßnahmen fast nie berücksichtigt, obwohl es gesetzlich verboten ist, geschützte Tiere zu töten oder zu verletzen. Weitere Informationen


Nistkastenreinigung im Winterhalbjahr

Freiwillige Helfer im Einsatz für die Vogelwelt

Nistkastenwartung im Stötteritzer Wäldchen und im Urbanen  Wald Grünau. Fotos: Beatrice Jeschke, Tony Kremser, Anja Szilard

 

Zwischen Oktober und Februar organisiert der NABU Leipzig Arbeitseinsätze zur Reparatur und Reinigung von Vogelnistkästen. Für die Teilnehmer gibt es interessante Informationen, unter anderem kann man anhand von Spuren und Nestern feststellen, welche Vögel gebrütet haben. Mithelfende und Gäste sind herzlich willkommen! Mitmachen beim Vogelschutz

 

Rund 800 Nisthilfen kontrolliert der NABU Leipzig in Parkanlagen und auf Friedhöfen, beispielsweise auf dem Südfriedhof, auf dem rund 60 Nisthilfen betreut werden. 2021 fand hier am 13. November ein Arbeitseinsatz statt, an dem sich sieben ehrenamtlich Aktive beteiligten. Bei prächtigem Herbstwetter dauerte die Aktion drei Stunden. Anhand der Nester konnte man feststellen, dass in den meisten Kästen Meisen gebrütet hatten, aber auch zwei Kleiber- und zwei Gartenrotschwanznester wurden erfasst. Anders als im vergangenen Jahr wurden kaum tote Nestlinge entdeckt. Das könnte darauf hindeuten, dass die Nahrungsgrundlagen in diesem Jahr besser waren, weil es weniger trocken war.

 

Beim Arbeitseinsatz konnte man auch die Vogelwelt auf dem Südfriedhof beobachten. Beispielsweise waren Wintergoldhähnchen zu hören.

Arbeitseinsatz zur Nistkastenreinigung und -reparatur auf dem Südfriedhof. Fotos: Beatrice Jeschke


Meisennest.
Meisennest.
Sperlingsnest. Fotos: Beatrice Jeschke
Sperlingsnest. Fotos: Beatrice Jeschke


EuroBirdWatch 2021

Zugvogelbeobachtung am Kiessandtagebau Rehbach

Fotos: René Sievert, Christina Gauglitz

 

Jedes Jahr zum Höhepunkt des Vogelzugs finden in ganz Europa Veranstaltungen zur Vogelbeobachtung statt, in Deutschland ruft der NABU jedes Jahr dazu auf. Auch 2021 hat sich der NABU Leipzig wieder am „EuroBirdWatch“ beteiligt. Vogelfreunde waren eingeladen zur Vogelbeobachtung am Kiessandtagebau Rehbach. Hier konnten vor allem verschiedene Wasservögel ausgiebig beobachtet werden, darunter mehrere Gänsearten. Weiterlesen


„mein Biotop“

NABU Leipzig startet Mitmachprojekt gegen Lebensraumverlust

Ein Nistkasten allein rettet noch nicht die Vogelwelt – Lebensräume sind erforderlich. „mein Biotop“ möchte Lebensräume schaffen und jeder kann mitmachen! Auf den beiden Pilotflächen in Leipziger Kleingartenanlagen wurden solche Staren-Nistkästen aufgehängt. In beiden gab es jeweils zwei erfolgreiche Starenbruten. Foto: NABU Leipzig

„mein Biotop“ heißt eine neue Initiative, die der NABU Leipzig gestartet hat. Mit dem Projekt soll gezeigt werden, wie bereits mit einfachen Mitteln in Kleingärten, Hinterhöfen und auf Balkonen wichtige Biotope entstehen können. Jeder kann mitmachen und so können sich an vielen Stellen in Leipzig Lebensräume und ein Biotopverbund entwickeln. Dies schützt Pflanzen und Tiere und macht Natur für die Menschen erlebbar. „mein Biotop“ soll dem Verlust natürlicher Lebensräume etwas entgegensetzen, jeder kann einen praktischen Beitrag für den Erhalt der Biodiversität leisten.

Sachsenlotto ist Partner dieses Projekts und unterstützt den NABU Leipzig. Am 14. Juli 2021 fand der feierliche Projektstart statt. Mit dabei waren unter anderen Sachsens Umweltminister Wolfram Günther sowie Peter Wasem, Leiter des Amtes für Umweltschutz, und Rüdiger Dittmar, Leiter des Amtes für Stadtgrün und Gewässer. Weiterlesen



Hungersnot

Junge Turmfalken leiden unter Lebensraumzerstörung in Leipzig

Rettungseinsatz an der Thomaskirche: NABU Leipzig füttert jungen Turmfalken mit Mäusen. Anschließend wurde der Jungvogel auf einen ungenutzten Balkon der Kirche gesetzt, wo er – ohne Störung durch Passanten – wieder von seinen Eltern versorgt werden konnte. Fotos: NABU Leipzig

 

Zunehmend erreichen den NABU Leipzig Anrufe zu jungen Turmfalken, die im Stadtgebiet hilfebedürftig am Boden sitzen. Diese Jungvögel sind dem Hungertod nah, denn in Leipzig fehlen immer öfter geeignete Lebensräume für die Falken. Jahr für Jahr gehen Nahrungsflächen verloren, die dichter werdende Bebauung verursacht Unfälle: Die Vögel prallen gegen Glasscheiben oder Autos. In Einzelfällen kann die Wildvogelhilfe zufüttern oder Pflegevögel stationär aufnehmen, doch das wichtigste Anliegen muss der Schutz der Lebensräume sein. Der NABU Leipzig fordert die Stadtverwaltung auf, den Schutz der streng geschützten Turmfalken zu gewährleisten und ihre Nahrungsflächen zu erhalten! Weiterlesen


Leimringe sind gefährlich für Vögel

In einer Leipziger Kleingartenanlage wurden an einem Leimring zwei Blaumeisen und eine Kohlmeise verklebt gefunden und in die Wildvogelhilfe des NABU Leipzig gebracht. Leider kommt das immer wieder vor, denn solche

Verklebte Meisen am Leimring. Fotos: NABU Leipzig
Verklebte Meisen am Leimring. Fotos: NABU Leipzig

und ähnliche Leimfallen sind gefährlich für Vögel und andere Tiere, wie beispielsweise Fledermäuse. Dennoch werden Leimringe in Bau- und Gartenmärk­ten als umweltfreundliche Methode zur Schädlingsbe­kämpfung an Obstbäumen verkauft. Wenn diese Art der „Schädlingsbekämpfung“ unvermeidlich ist, können die Klebefallen aber mit einer Drahtman­schette ummantelt werden, damit sich Vögel nicht an dem harzartigen Kleber verfangen. Weiterlesen

Leimring mit schützender Drahtmanschette.
Leimring mit schützender Drahtmanschette.


Bauprojekt bedroht Lebensräume

NABU Leipzig kartiert die Vogelwelt der Kiebitzmark

Die Kiebitzmark ist ein Areal am Leipziger Stadtrand. Hier befinden sich wertvolle Offenlebensräume, beispielsweise von Braunkehlchen und Feldlerche, doch sie sind durch Neubauvorhaben bedroht. Von März bis Juni wird hier der Arbeitskreis Ornithologie und Vogelschutz deshalb die Brutvögel kartieren und die Ergebnisse an die Naturschutzbehörde melden. Der NABU Leipzig fordert den Schutz der Vögel und der Lebensräume. Bei der ersten Begehung am 28. März 2021 wurden 15 Vogelarten beobachtet, darunter drei Feldlerchen.

Foto: NABU Leipzig
Foto: NABU Leipzig


Gärten für Gartenvögel

Fotos: NABU Leipzig

 

In Lindenau entsteht auf einer Gemeinschaftsfläche im Kleingartenverein Phönix  1894 e.V. ein Vogelgarten. Naturfreunde des Vereins pflanzen mit Unterstützung des NABU Leipzig heimische Stauden und Sträucher, säen eine insektenfreundliche Blumenwiese und bieten verschiedene Nisthilfen an. Neu dazu gekommen sind 2 Sperlingskolonie-Kästen. In einem Nachbargarten brüten bereits die Spatzen unterm Dach.


Brutplätze gerettet

Bei der Sanierung eines ehemaligen Kindergartens in Leipzig-Lössnig hat der NABU Leipzig erreicht, dass die Tiere ihre Wohnungen nicht verlieren. NABU-Mitglieder haben dort einen Haussperling in einem Spalt einfliegen sehen.  Aufgrund der Plattenbauweise sind Nischen in der Gebäudefassade ein beliebter Unterschlupf und Brutstätte zugleich für Haussperlinge und Fledermäuse. Der NABU hat die Naturschutzbehörde informiert und um ein Artenschutzgutachten gebeten, bei dem alle Nischen auf Lebensstätten untersucht werden müssen. Dabei wurden noch weitere Nistplätze entdeckt, die ersetzt werden müssen. Weil die Fassade gedämmt wurde, konten sie nicht erhalten werden. Nach erfolgter Sanierung wurden nun 4 Haussperling-Koloniekästen, 1 Hausrotschwanz und 5 Fledermauskästen angebaut.

Im Zuge von Bau- und Sanierungsarbeiten verlieren immer mehr Stadttiere ihr zu Hause. Diese Gebäudesanierung ist ein weiteres Beispiel, wie das Zusammenleben mit unseren heimischen Wildtieren gelingen kann.
Weitere Informationen

VOGELSCHUTZ