Rettungsinseln für Wasservögel im Pleißemühlgraben

Wasservögel brüten an allen möglichen und ungünstigen Orten in unserer Stadt. Oft wissen sie nicht, dass sie ihren Nachwuchs damit in Gefahr bringen. Aus Innenhöfen und von Dächern können die Küken nicht zum nächsten Gewässer, viele Gewässer sind zudem naturfern gestaltet und für die Jungvögel eine gefährliche Falle. Auch alle anderen Wildtiere, die solche Stellen zum Trinken nutzen, können in Gefahr geraten.

 

Teichrallennest im Pleißemühlgraben vor dem Bundesverwaltungsgericht. Foto: Holger Baumgärtner
Teichrallennest im Pleißemühlgraben vor dem Bundesverwaltungsgericht. Foto: Holger Baumgärtner

Seit mehreren Jahren ist der NABU Leipzig immer wieder am Pleißemühlgraben im Einsatz, um Küken von Teichrallen, Blässrallen, Stockenten und Mandarinenten vor der Strömung zu retten, die sie abtreibt. Schon mehrfach gab es mit einigem Aufwand Umsiedlungen der kompletten Brut (Mutter mit Küken) an sichere Gewässer. Anwohner bitten Jahr für Jahr um Hilfe für die Küken, die immer wieder in Lebensgefahr geraten. Es wurde klar, dass es eine langfristige Lösung geben muss.

 

Im Abschnitt vor dem Bundesverwaltungsgericht hatte der NABU Leipzig bereits 2017 zwei temporäre kleine Rettungsinseln gebaut, die in den letzten Jahren die Küken der Teichralle nutzten. An der Wundtstraße kam im letzten Jahr eine Ausstiegshilfe für die Mandarinenten hinzu.

Doch der Bedarf ist noch größer. In weiteren Abschnitten des Grabens sind die Küken in Not. So auch im Gewässerabschnitt zwischen Otto-Schill-Straße und Gottschedstraße. In allen Abschnitten fließt das Wasser nach den offengelegten Bereichen wieder unterirdisch weiter. Für die Küken ist das lebensgefährlich, wenn sie bei starker Strömung keine Möglichkeiten für einen Landgang haben und in den Untergrund abtreiben. Ihre Mutter folgt ihnen nicht durch dunkle Rohre, und die Kleinen sind ohne Mutter verloren. Ihr Gefieder ist in den ersten Lebenstagen noch nicht für längeren Wasseraufenthalt geeignet. Sie müssen regelmäßig an Land rasten und von der Mutter gewärmt werden.

Um eine langfristige Lösung für die Gefahrenstellen zu finden wandte sich der NABU Leipzig an die Stadtverwaltung (Veterinäramt und Amt für Stadtgrün und Gewässer). Eine Antwort kam schnell, und danach gab es ein Treffen mit dem Amt für Stadtgrün und Gewässer, der Firma ST Grünbau, die für die Wartung der Anlagen beauftragt ist, dem ehrenamtlichen Entenretter Stephan Lademann und mit Karsten Peterlein von der Wildvogelhilfe Leipzig. Dabei wurdeüber die Entschärfung der Gefahrenstellen gesprochen. Das Amt hat zugesagt, die provisorischen Ausstiegshilfen zu optimieren und weitere über die Wehre zu montieren. Der NABU haben angeboten, sich um neue Rettungsinseln zu kümmern. Den ersten Prototypen der neuen Schwimminseln hat Stephan Lademann gebaut. Vielen Dank dafür! Fünf weitere sind geplant.

 

Fotos: René Bauer

 

Am 9. Juli 2020 wurde gegenüber der Thomaskirche die erste Rettungsinsel aus Holz mit schweren Betonplatten verankert. Der NABU hofft, dass es eine Genehmigung für weitere solche Retungsinseln geben wird.

Der NABU Leipzig bittet die Stadtverwaltung, bei allen weiteren geplanten Offenlegungen von Wassergräben in Leipzig die Ausstiegshilfen für Wasservögel gleich mit zu planen. Für eine Beratung steht der NABU gerne zur Verfügung.

Um das Baumaterial, das für die Rettungsinseln verwendet wurde, zu finanzieren, würde sich der NABU Leipzig sehr über Spenden freuen – Vielen Dank!

 

Rettungsinsel im Pleißemühlgraben. Foto: René Bauer
Rettungsinsel im Pleißemühlgraben. Foto: René Bauer