Enten in der Stadt

Die größte Gefahr ist der Straßenverkehr

Eigentlich brüten Stockenten am Boden geschützt unter Büschen oder im Schilf in der Nähe von Gewässern. Aber in Großstädten suchen sie zunehmend ungewöhnliche Brutplätze auf. So brüten in den letzten Jahren Enten auch in Leipzig häufiger auf Flachdächern, in Blumenkübeln auf Innenhöfen und in Balkonkästen, vermutlich in der Annahme, dass diese Brutplätze sicherer vor Bodenfeinden wie Fuchs, Waschbär oder freilaufenden Hunden sind. Nicht bedacht haben sie offenbar die große Entfernung zum nächsten Gewässer mit allen Gefahren auf dem Weg dorthin. Den Sprung aus dem Nest in den oberen Etagen können die Enten unbeschadet überleben, doch viele der Küken schaffen danach den Weg zum Gewässer nicht und werden Opfer unserer stark befahrenen Straßen.



Der Straßenverkehr ist für Entenfamilien in der Großstadt ein tödliches Risiko. Fotos: Karsten Peterlein

 

Der NABU-Regionalverband Leipzig wird in der Brutsaison immer wieder von besorgten Vogelfreunden gebeten, die Tiere sicher zum nächsten Teich zu transportieren. In Absprache mit den zuständigen Behörden ist es den ehrenamtlich arbeitenden Naturschützern in vielen Fällen möglich, zu helfen. Keinesfalls sollten man ohne ausreichend Erfahrung selbst versuchen, die Tiere vom Balkon oder vom Hinterhof einzufangen. Wenn einmal die Mutter davonfliegt und wegen der Störung nicht zu ihren Jungen zurückkehrt, sind diese verloren. Die Küken dürfen auch nicht allein zum Wasser gebracht werden; die kleinen Nestflüchter können in den ersten Tagen noch nicht richtig schwimmen und sind ohne ihre Mutter nicht überlebensfähig weil sie in den ersten Lebenstagen noch unter dem Gefieder der Mutter gewärmt werden.


Der NABU bittet die Stadt Leipzig, bei der Grünflächenpflege auch Rückzugsorte für natürliche Bruten zu belassen. Alle Hundehalter werden gebeten, zur Brutzeit von März bis Juli die Hunde angeleint zu lassen.

 

Diese fünf Entenküken wurden aus einem Nest auf einem Balkon geholt und zusammen mit ihrer Mutter sicher zu einem geeigneten Gewässer gebracht. Foto: Karsten Peterlein
Diese fünf Entenküken wurden aus einem Nest auf einem Balkon geholt und zusammen mit ihrer Mutter sicher zu einem geeigneten Gewässer gebracht. Foto: Karsten Peterlein

Ungewöhnliche Stockenten-Brutplätze bitte melden!

 

Jedes jahr werden dem NABU Leipzig rund 100 Stockentenbruten auf oder in Gebäuden im gesamten Leipziger Stadtegbiet bekannt. Um die Ursachen, Häufigkeit und Verbreitung dieser Brutplätze zu erforschen, möchte der NABU in den kommenden Jahren alle Hinweise auf Entenbruten sammeln. 

 

Wenn Sie eine ungewöhnliche Stockentenbrut auf Gebäuden oder in Hinterhöfen beobachtet haben, melden Sie den Standort bitte dem NABU Leipzig unter 0341 6884477 oder per E-Mail

 

Bitte nicht füttern!

Die Fütterung von Wasservögeln kann zu Verhaltensänderungen, Krankheiten und Gewässerverschmutzung führen. Foto: Urgixgax/pixelio.de
Die Fütterung von Wasservögeln kann zu Verhaltensänderungen, Krankheiten und Gewässerverschmutzung führen. Foto: Urgixgax/pixelio.de

Für viele ist es ein schönes Vergnügen, Vögel zu füttern, für manche ist es die seltene Gelegenheit, überhaupt mit der Natur in Kontakt zu kommen und Tierbeobachtungen zu machen.


Die Fütterung von Enten, Schwäne, Blessrallen oder Möwen an Seen und Teichen ist jedoch falsch verstandene Tierliebe, schädlich für die Vögel und für die Gewässer und in Leipzig verboten!

 

Unsere Nahrungsabfälle – wie altes Brot und Kekse – sind kein geeignetes Futter für die Wasservögel. Durch Futterreste und Vogelfäkalien werden die Gewässer verschmutzt und ernsthaft belastet, Giftstoffe entstehen und Bakterien vermehren sich. Statt den Vögeln zu helfen, werden bei ihnen lebensgefährliche Krankheiten verursacht. Wenn ganze Taschen voll mit alten Backwaren einfach am Ufer ausgeschüttet werden, hat das mit Naturliebe nichts zu tun!


Das Füttern von Wasservögeln ist unnötig, da sie auf diese zusätzliche Nahrungsquelle nicht angewiesen sind. Vielmehr verlernen die Tiere durch die Bindung an die Futterplätze ihr natürliches Zugverhalten, denn bei geschlossener Eisdecke und knapper Nahrung würden sie normalerweise offene Gewässer aufsuchen, wo sie noch genug Nahrung finden. Enten, die ständig mit Brot gefüttert werden, leiden unter einer falschen Ernährung, zeigen Mangelerscheinungen und werden häufig krank.


In Leipzig ist zudem die Vogelfütterung an Stillgewässern im Stadtgebiet seit 2010 verboten. Für ein solches Fütterungsverbot hatte sich zuvor auch der Naturschutzbund Leipzig engagiert, denn die negativen Folgen der Vogelfütterung waren an verschiedenen Gewässern deutlich zu beobachten. Der NABU bittet alle Naturfreunde, das Verbot zu beachten und auch Mitbürger über die Hintergründe aufzuklären. Wer auf die Fütterung von Wasservögeln verzichtet, leistet einen Beitrag zum Naturschutz.

 

Fütterungsverbot für wildlebende Wasservögel

 

Vögel im Winter richtig füttern


Ungewöhnliche Entenbrut im Winter

Foto: NABU Leipzig
Foto: NABU Leipzig

Normalerweise legen Stockenten zwischen März und Juni Eier. Auf einer kleinen Insel im Pleißemühlgraben in der Leipziger Innenstadt sind aber am 29. Januar 2015 schon die ersten Küken des Jahres geschlüpft. Anwohner berichteten, dass es 9 Küken waren. Da es aber im Februar noch kalte Frostnächte gab, haben nicht alle überlebt.


Besorgte Enten-Mutter: Ihre Jungen können das Gewässer nicht verlassen.
Besorgte Enten-Mutter: Ihre Jungen können das Gewässer nicht verlassen.

Kletterhilfe für Mandarin-enten

Stadtgewässer sind häufig gefährliche Tierfallen

Der Pleißemühlgraben führt durch das Leipziger Zentrum durch ein hohes Betonbett. Enten, die ihre Küken vom Brutort zum Wasser führen wollen erkennen solche Fallen häufig nicht und sind in solchen Gewässern verloren. Je nach Strömung gehen immer wieder Küken verloren, häufig an Stellen, wo der Flusslauf unterirdisch im Nirgendwo endet. Junge Enten sind erst nach 6 bis 7 Wochen flugfähig. Fallen sie in einen solchen Kanal und haben keine Möglichkeit eine trockene Stelle zu finden, unterkühlen sie. Am Pleißemühlgraben hat der NABU Leipzig deshalb eine Austiegstelle gebaut. Mit einem Holzbrett, einem Bohrer, um die glatte Fläche rau zu kratzen, einen Betonstein um das Brett, gegen Auftrieb durch Wasser, zu befestigen und zwei Schrauben vor dem Stein, dass dieser nicht verrutscht. Nach 5 Minuten war das erledigt.  

 


Wer Wildtiere in Not beobachtet, kann den NABU Leipzig benachrichtigen. Kontakt

Bau der Ausstiegshilfe für Enten am Pleißemühlgraben. Fotos: NABU Leipzig

 

Eine Rettungsinsel für Wasservögel

Foto: René Bauer
Foto: René Bauer

Wasservögel brüten an allen möglichen und ungünstigen Orten in unserer Stadt. Oft wissen sie nicht, dass sie ihren Nachwuchs damit in Gefahr bringen, viele Gewässer sind zudem naturfern gestaltet und für die Jungvögel eine gefährliche Falle. Seit mehreren Jahren ist der NABU Leipzig immer wieder am Pleißemühlgraben im Einsatz, um Küken von Rallen und Enten vor der Strömung zu retten, die sie abtreibt. Schon mehrfach gab es mit einigem Aufwand Umsiedlungen der kompletten Brut an sichere Gewässer. Anwohner bitten Jahr für Jahr um Hilfe für die Küken, die immer wieder in Lebensgefahr geraten. Es wurde klar, dass es eine langfristige Lösung geben muss. Deshalb hat der NABU beantragt, mehrere Rettungsinseln aus Holz zu installieren. Die erste wurde am 9. Juli 2020 mit schweren Betonplatten im Gewässer verankert. Weiterlesen


Stockenten als Gebäudebrüter

Die Entenmutter erkennt die oftmals ungeeigneten Nistplätze nicht als Gefahr für den Nachwuchs. Fotos: NABU Leipzig
Die Entenmutter erkennt die oftmals ungeeigneten Nistplätze nicht als Gefahr für den Nachwuchs. Fotos: NABU Leipzig

Rund 100 Entenmütter, die auf Gebäuden in Leipzig brüten, werden dem NABU jedes Jahr bekannt. Bis April 2021 waren es bereits 13. Die Zerstörung der Natur an den Gewässern lässt kaum Versteckmöglichkeiten und durch Freizeitnutzung und Hunde kommt es immer wieder zu Störungen, aufgrund dessen sind auch viele Bruten nicht erfolgreich, weil „Nesträuber“ leichtes Spiel haben. Weil sie deshalb zu wenig natürliche Nistplätze finden, nutzen die Enten ungeigneten Nistplätze, beispielsweise auf Gebäudedächern oder Balkonen. Sobald die Jungen schlüpfen, stecken die Enten aber in der Klemme. Ohne menschliche Hilfe sind die Entenfamilien meist nicht in der Lage, sicher ein Gewässer zu erreichen. Abgeschlossene Innenhöfe, vielbefahrene Straßen und andere Fallen sind lebensgefährlich für die Tiere.

 

Entenküken sind auf einem Balkon unter den Holzboden geraten. Die Mutter suchte verzweifelt ihre Jungen, die sich nicht selbst befreien konnten. Die Mieterin der Wohnung war einige Tage nicht zu Hause und hat die Enten zu spät bemerkt, vier Küken waren bereits verhungert. Mit Hilfe einer Endoskopkamera kann man zwar in jede Spalte schauen, aber nicht immer kann man alle Bauteile an Gebäuden auseinander nehmen. Die Zeit läuft davon.

Nachdem sie befreit wurden, konnten die Entenküken mit ihrer Mutter zu einem geeigneten Gewässer gebracht werden.


Entenfamilie auf dem Weg in die Freiheit.

 

Für die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Wildvogelhilfe Leipzig ist es oftmals schwierig, rechtzeitig zu den hilfsbedürftigen Enten zu gelangen. Die Jungtiere sind gefangen in Kellerschächten, Regenrinnen mit unbekanntem Ende oder in verschlossenen Räumen, zu denen sich die NABU-Mitglieder nur mit großem Aufwand den Zugang erfragen oder verschaffen können. Die Küken können aber nicht lange ohne Nahrung und Wärmer der Mutter überleben. In den meisten Fällen gelingt es, die Entenfamilien zu fangen und zum Wasser zu bringen, doch es wäre wichtig, Tierleid und die zeitaufwändigen Rettungsmissionen zu vermeiden. Deshalb bittet der NABU Leipzig darum, Blumenkästen, Balkone und Dachterrassen zu kontrollieren, und den NABU zu benachrichtigen, falls dort ein Entennest zu sehen ist. Nur so kann die Wildvogelhilfe frühzeitig beraten und helfen. 

 

Entenbruten auf Gebäuden in Leipzig bitte per E-Mail melden

 

Der NABU Leipzig versucht, so oft wie möglich zu helfen und berät gerne, damit die Enten sicher zum Wasser kommen.