Storchennest Plaußig

Webcam schaut den Vögeln in die Kinderstube

Ein lang gehegter Wunsch ist in Erfüllung gegangen: Man kann den Weißstörchen in Plaußig-Portitz ins Nest schauen. Der Blick von unten hinauf zur hohen Esse war schon interessant, nur was da drin passierte, blieb bisher lange Zeit unerkannt. Erst wenn die ersten Köpfchen über den Nestrand schauten war gewiss, dass eine neue Brut heranwächst. Jetzt ist das komfortabler und in vielerlei Hinsicht vorteilhaft. Jetzt kann das gesamte Brutgeschehen von Anfang an in Echtzeit verfolgt werden. Dafür hat der NABU Leipzig in Kooperation mit Experten und Unterstützern im Januar 2022 mit viel Mühe eine Webcam am Storchennest installiert. Wer Lust und Muße hat, kann sich nun von zu Hause aus über das Internet einklinken und die Plaußiger Störche im Livestream beobachten.

 

Videobilder vom Storchennest Plaußig. Webcam: Sachsenstorch.de

 

Bruterfolg seit 2019

2004 wurde auf dem Schutzgitter des Essenkopfes ein geflochtenes Storchennest angebracht.
2004 wurde auf dem Schutzgitter des Essenkopfes ein geflochtenes Storchennest angebracht.

Ein außer Betrieb gesetzter Schornstein einer ehemaligen Gärtnerei mit Schutzgitter auf dem Essenkopf bot sich regelrecht für eine Storchenwohnung an. Das erkannte im Jahr 2004 der Storchenexperte Manfred Seifert und schritt zur Tat: Ein Nest wurde geflochten, aufgebracht und am Gitter befestigt. 2007 gab es einen ersten Brutversuch, allerdings ohne Erfolg. Dann passierte viele Jahre nichts. Erst seit 2019 brütet ein Paar erfolgreich. Der Storchen-Papa stammt aus Sermuth, die Storchen-Mama aus Burg. Im ersten Brutjahr flogen zwei Jungstörche aus, in den Folgejahren 2020 und 2021 waren es schon drei, die dann auch von Storchenbetreuer Dietmar Heyder beringt wurden. Damit kann man die Plaußiger Störche identifizieren und es ist interessant, wo und in welcher Region sich die Langstreckenflieger niederlassen und eine neue Familie gründen.

 

Den Vögeln ins Nest schauen

Das Plaußiger Storchenpaar. Foto: Steffen Ettrich
Das Plaußiger Storchenpaar. Foto: Steffen Ettrich

Um mehr über die Störche zu erfahren, entwickelte sich ein lang gehegter Wunsch, der jetzt in Erfüllung gegangen ist: Wir können den Plaußiger Störchen ins Nest schauen. Der Blick von unten hinauf zur hohen Esse war schon interessant, nur was da drin passierte, blieb bisher lange Zeit unerkannt. Erst wenn die ersten Köpfchen über den Nestrand schauten war gewiss, dass eine neue Brut heranwächst. Jetzt ist das komfortabler und in vielerlei Hinsicht vorteilhaft. Das gesamte Brutgeschehen kann von Anfang an in Echtzeit verfolgt werden, beginnend vom Weiterbau des Nestes über das Heiratsgeklapper der Altstörche, von der Eiablage, dem Ausschlüpfen der Jungen über die Fütterung und Aufzucht bis zum Ausflug der Jungstörche. Das wird insbesondere die Kinder der Johanniter-Kita „Die Strolche“ freuen, die sich unmittelbar am Nest befindet. Sie sind die Paten der Familie Adebar über ihnen. Ein weiterer wertvoller Aspekt ist auch die Kontrolle des Brutgeschehens für die NABU-Spezialisten der Bundesarbeitsgruppe Weißstorchschutz. Eventuelle Ungereimtheiten oder Krankheiten im Nest können rechtzeitig erkannt werden, und die Webcam speichert das Geschehen über 24 Stunden. Wer Lust und Muße hat, kann sich von zu Hause aus über das Internet einklinken und die Plaußiger Störche im Livestream beobachten

 

Wenn die erfolgreiche Aufzucht mit jeweils drei Jungen der letzten beiden Jahre fortgesetzt wird, können wir uns auf einen interessanten Storchensommer freuen.

 

Erfolgreicher Arbeitseinsatz in luftiger Höhe

Unterstützt von der Freiwilligen Feuerwehr Plaußig installierte Steffen Wagner vom NABU Leipzig die Webcam am Storchennest. Fotos: Steffen Ettrich


Zuvor war einige Mühe erforderlich: Mehrere Einsätze der Feuerwehr mit Hubleiter und Korb waren notwendig, in windiger Höhe bei frostigen Temperaturen ist die Montage des Kameraarmes ein Kraftakt genau wie das Aufsteigen und wieder Absteigen über die Kletterbügel an der Esse zur Kabelverlegung bis in den Betriebsraum. Recht kompliziert erwies sich das Ausrichten der Kamera. Mit einem möglichst großen Erfassungskreis sollte auch der Anflug der Störche schön zu beobachten sein, ohne das Umfeld, in dem die Menschen wohnen, zu detailliert darzustellen. Die Lösung ist gefunden und das Projekt ist zu einem guten Ende gebracht. In bewährter Teamarbeit vom Stahlbauer, Elektriker, IT-Spezialisten bis zum Höhenmonteur können solche Projekte zeitnah und unkompliziert realisiert werden. Besonderen Einsatz zeigte die Freiwillige Feuerwehr Plaußig mit Markus Heyne an der Spitze, Stahlbau Schallwig, der IT-Spezialist Klaus Döge, Dank auch Steffen Ettrich für die schönen Bilder, dem Ortschaftsrat Plaußig für die Brauchtumsmittel.

 

Aus luftiger Höhe mussten bis zum Internetanschluss viele Meter Kabel verlegt werden. Fotos: Steffen Ettrich

 

 

Wertvolle Hilfe kam von der Freiwilligen Feuerwehr. Fotos: Steffen Ettrich

 

Das Storchennest Plaußig

 

2004 wurde auf ein vorhandenes Gestell auf einer 30 Meter hohen Esse ein geflochtenes Nest aufgebracht.

 

2007 gab es einen ersten Brutversuch ohne Nachwuchs.

 

Seit 2019 brütet ein Paar mit Erfolg.

Das Weibchen HR 603 wurde 2015 in Burg beringt, das Männchen HP382 wurde 2016 in Sermuth beringt.

 

2019 wurden zwei Junge großgezogen, die ausgeflogen sind (nicht beringt).

 

2020 sind 3 Junge ausgeflogen, beringt von Dietmar Heyder am 29.06.20 als CY 24-26, HR 603 und HP 282.

 

2021 sind 3 Junge ausgeflogen, beringt von Dietmar Heyder am 08.07.21 als BA 42318 XZ378, BA 24319 XD379 und BA  42320.