Lebensraum in der Innenstadt muss erhalten bleiben

Positionspapier zur Bebauung des Wilhelm-Leuschner-Platzes

Als letzte große Freifläche im Innenstadtgebiet bietet der Wilhelm-Leuschner-Platz ein großes Entwicklungspotenzial. Die Planungen und Entwicklungsperspektiven sind in Leipzig ein langjährig und vielfach diskutiertes Thema, mit dem sich Stadtverwaltung, Ratsversammlung, Bürgerschaft und Verbände seit mehreren Jahren intensiv auseinandersetzen. Da die Pläne für eine Bebauung dieses Platzes immer konkreter werden, möchte sich auch der NABU-Regionalverband Leipzig zu Wort melden und hat gemeinsam mit der BUND Regionalgruppe Leipzig ein Positionspapier an das Amt für Umweltschutz sowie an das Stadtplanungsamt geschickt. Ziel ist es, in einen konstruktiven Dialog zu treten und im Sinne des Natur- und Artenschutzes einen Ausgleich zwischen den Interessen der Stadtentwicklung und den Belangen des Naturschutzes zu finden.

 

Die Beobachtungsergebnisse des NABU weisen nach, dass der bisher unbebaute Wilhelm-Leuschner-Platz mit seinen Hecken und Bäumen eine wichtige Funktion als Lebensraum hat und eine größere Bedeutung besitzt als andere Grünflächen in der Innenstadt, wie der Park an der Moritzbastei oder der Schillerpark, die viel zu stark von Fußgängern frequentiert werden. Bedeutsam sind vor allem die Hecken, die zugleich Nistplatz und Nahrungsquelle sind, aber auch für das Stadtklima eine Bedeutung haben.

 

Foto: NABU/Kerstin Kleinke
Foto: NABU/Kerstin Kleinke
Foto: NABU/Ursula Doll
Foto: NABU/Ursula Doll
Foto: NABU/Kerstin Kleinke
Foto: NABU/Kerstin Kleinke

Geschützte Vogelarten wie Mönchsgrasmücke, Nachtigall und Rotkehlchen (v.l.n.r.) sind in den Hecken auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz zuhause.

 

Um die Wichtigkeit des Platzes als Lebensraum für die Tierwelt zu betonen, stellen BUND und NABU den Ämtern Informationen zu Flora und Fauna zur Verfügung. So konnte der NABU beispielsweise die folgenden Vogelarten nachweisen: Gelbspötter, Ringeltaube, Amsel, Mönchsgrasmücke, Aaskrähe, Elster, Stieglitz, Nachtigall, Zaunkönig, Blaumeise, Kohlmeise, Rotkehlchen, Kernbeißer und Grünfink.

 

Es ist davon auszugehen, dass durch eine Bebauung der Ostseite des Wilhelm-Leuschner-Platzes der Lebensraum großflächig beschnitten wird. Der Wegfall der Hecken des Wilhelm-Leuschner-Platzes kann nicht durch benachbarte Parkanlagen kompensiert werden. Der drohende Wegfall des Lebensraums erscheint umso gravierender, wenn man bedenkt, dass in vergangenen Jahren bereits andere innenstadtnahe Frei- und Grünflächen bebaut wurden. Allein im Jahr 2015 sind die Lebensräume städtischer Amselpopulationen an ehemals freien Flächen in der Dresdner Straße / Inselstraße, Käthe-Kollwitz-Straße / Thomasiusstraße sowie Karl-Tauchnitz-Straße / Telemannstraße neuen Bebauungen gewichen. Der Lebensraum der Amsel auf der Fläche Willy-Brandt-Platz / Richard-Wagner-Straße ist durch die Neugestaltung der Grünfläche ebenfalls verschwunden.

 


Dass der Wilhelm-Leuschner-Platz für die lokalen Populationen geschützer Vogelarten bedeutsam ist, konnte beispielhaft durch Beobachtungen beringter Amseln nachgewiesen werden. Fotos: NABU Leipzig

 

BUND und NABU beobachten einen besorgniserregenden Rückgang von geeignetem Lebensraum für geschützte Vogelarten, halten den Erhalt der Hecken, Sträucher und Nahrungsflächen für dringend erforderlich und haben entsprechende Maßnahmen vorgeschlagen. Alternativ zum Erhalt der Bepflanzung könnte durch eine gezielte Neupflanzung von gleichartigen Hecken und Sträuchern für Ausgleich gesorgt werden. Dabei müsste jedoch streng darauf geachtet werden, dass die neugepflanzten Hecken eine vergleichbare Größe und Dichte erreichen (etwa Feuerdorn, Liguster, Roter Hartriegel, Weißdorn, Hagebutte, Holunder oder Berberitze), um den Verlust an Lebensraum auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz auszugleichen, und zwar bevor die Rodung der Pflanzen auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz vollzogen wird. |||

Positionspapier

 

Suchen

EU-Abstimmung

Bild der Woche

von Beatrice Jeschke
von Beatrice Jeschke

Unterschriften-sammlungen

Für Mensch und Natur

Foto: NABU/Marcus Gloger
Foto: NABU/S. Zibolsky
Foto: NABU/F. Fender

Naturschutz online


Foto: NABU/Rolf Jürgens

Newsletter

Gemeinsam aktiv

Logo von www.tierische-logos.de

Für Biotop- und Artenschutz

Foto: Karsten Peterlein
Lustige Stofftiere, waschbar bis 40°C. Die Einnahmen werden für den Arbeitskreis Vogelschutz verwendet. Jedes Kuscheltier ist ein handgefertigtes Unikat aus Stoffresten und für 3 Euro erhältlich im NABU-Naturschutzbüro.
0,7 l  Bio-zertifizierter Apfelsaft von Streuobstwiesen • Direktsaft ohne Zuckerzusatz • 100 % Fruchtgehalt • 1,10 € + 0,25 € Pfand

Zur Jahreszeit