Platz der Biologischen Vielfalt

Lebensraum Wilhelm-Leuschner-Platz ist in Gefahr

Die Leipziger kennen ihn als „Wilhelm-Leuschner-Platz“, seit einiger Zeit ist auch vom „Platz der Friedlichen Revolution“ die Rede, für den NABU Leipzig steht aber fest: Es ist der „Platz der Biologischen Vielfalt“.

 

Der Wilhelm-Leuschner-Platz ist Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Menschen, ein Platz der Biologischen Vielfalt. Fotos: Beatrice Jeschke

 

In ehrenamtlicher Freizeitarbeit hat der NABU Leipzig den Platz und seine Wildnis intensiv unter die Lupe genommen. Dabei wurde festgestellt, dass die Artenvielfalt bei den Brutvögeln auf diesem Areal in der Innenstadt größer ist als auf vergleichbaren Flächen. Auf einer Untersuchungsfläche von 3 Hektar fand der NABU 16 Brutvogelarten. Im Clara-Zetkin-Park hat der NABU Leipzig aktuell 40 Hektar untersucht. Auf diesem Areal gibt es jedoch keine 3 Hektar große Fläche mit der gleichen Brutvogelvielfalt. 

 

Foto: Karsten Peterlein
Foto: Karsten Peterlein
Foto: Beatrice Jeschke
Foto: Beatrice Jeschke

Der Wilhelm-Leuschner-Platz ist Heimat zahlreicher Brutvogelarten, die hier einen Lebensraum finden. Dorngrasmücke (links) und Nachtigall (rechts) sind auf Sträucher angewiesen. Der Leuschnerplatz ist einer der wenigen Orte in der Innenstadt, wo sie noch wachsen, an vielen anderen Stellen wurden sie leider radikal beseitigt, wodurch die Brutvogelpopulation erlischt. Infolgedessen sind immer weniger Nachtigallen zu hören, auch Amseln und Haussperlinge verschwinden mehr und mehr.

 

Die Biodiversität beschränkt sich aber nicht nur auf die Brutvögel, der Wildwuchs auf dem Gelände ist auch Heimat für andere Tierarten, die hier einen Rückzugsort in der Stadt finden, Versteck- und Nistmöglichkeiten oder auch Nahrung. Das ist umso wichtiger, je mehr die umliegenden Lebensräume verloren gehen. So wurde beispielsweise die Grünfläche vor dem Europahaus umgestaltet, sämtliche Sträucher wurden gerodet, obwohl gerade sie besonders wertvolle Lebensstätten waren, zum Beispiel für Haussperling und Amsel. Der Bestand dieser Vögel sinkt im gesamten Stadtgebiet, wo sie noch vor kurzem allgegenwärtig waren, sucht man sie schon heute oft vergebens. Der NABU sieht eine Ursache für den Negativtrend in rücksichtslosen Baumaßnahmen, denen mehr und mehr Stadtnatur geopfert, ohne dass ausreichend Ersatz geschaffen wird, was aber eigentlich gesetzlich vorgeschrieben ist. Nach Einschätzung des NABU handelt es sich um einen Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz und gegen die Vogelschutzrichtlinie der EU. Außerdem geht damit auch für die Menschen mehr und mehr Lebensqualität und gesunde Umwelt verloren, auch für das Stadtklima ist diese Beton-und-Asphalt-Politik verheerend.

 

Auch Insekten finden auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz Nahrung und Unterschlupf, darunter Bienen, Hummeln, Käfer, Schmetterlinge und sogar Libellen. Viele Insekten sind selbst wiederum Nahrung für andere Tiere, weshalb der Erhalt der Insektenlebensräume in der Stadt unverzichtbar ist. Das muss auch beachtet werden, wenn Bauprojekte realisiert werden. Fotos: Beatrice Jeschke

 

Angesichts der aktuell stattfindenden Umgestaltung rund um den Schwanenteich, ist gegenwärtig ein weiterer Lebensraumverlust zu beklagen: Leipzig schrumpft! Den fortschreitenden Lebensraumverlust dokumentiert der NABU Leipzig seit 2016 auf einer Karte im Internet.

 

Der Grünspecht nutzt den Leuschnerplatz zur Nahrungssuche. Hier findet er geeignete Stellen für die Jagd nach Ameisen, die er besonders gerne verspeist. Der Grünspecht ist in der Bundesartenschutzverordnung als streng geschützte Art eingestuft und genießt damit den höchsten Naturschutzstatus. Foto: Beatrice Jeschke

Mit großer Sorge beobachten Naturschützer, dass die Oase Wilhelm-Leuschner-Platz in Kürze ebenfalls dem Bauboom geopfert werden soll. Man kann wertvolle Innenstadtflächen natürlich für Bauprojekte nutzen, man darf darüber aber nicht Lebensqualität, Stadtnatur, Klimaschutz sowie die Tier- und Pflanzenwelt vergessen – und vor allem darf man nicht vergessen, dass die Vernichtung von Singvogelpopulationen rechtswidrig ist.

  

Seit Beginn der Planungen für den Wilhelm-Leuschner-Platz hat der NABU Leipzig seine Zusammenarbeit angeboten, um eine möglichst naturverträgliche Nutzung zu erreichen. Hecken und Bäume sind zu schützen sowie offene Blühflächen und sandige Stellen für Insekten, Vögel und Co. Es deutet aber nichts darauf hin, dass der Naturschutz bei den Planungen tatsächlich berücksichtigt wird.

 

Der NABU hat nun erneut ein Positionspapier verfasst und umfangreiche Beobachtungsdaten zu geschützten Vogelarten an die Ämter der Stadt Leipzig übergeben.


Der NABU sieht sie in der Pflicht, die Stadtnatur zu schützen, nicht nur wie es das Naturschutzrecht verlangt, sondern auch, um nachhaltig eine lebenswerte Stadt zu gestalten.

 

Positionspapier 2016     Positionspapier 2019     Pressemitteilung     Petition

 

Wilde Orte in der Stadt: der Wilhelm-Leuschner-Platz. Foto: Karsten Peterlein
Wilde Orte in der Stadt: der Wilhelm-Leuschner-Platz. Foto: Karsten Peterlein

Die 59. Leipziger Naturschutzwoche hatte 2015 das Thema „Wilde Orte – Wildnis in der Stadt“. Seitdem sind hektarweise „wilde Orte“ zubetoniert worden, meist ohne erkennbare Ersatzmaßnahmen. Warum ist die „Wildnis in der Stadt“ nur während der Naturschutzwoche ein Thema? Sie ist die Grundlage für unsere gesunde Umwelt, die wiederum das wichtigste Kriterium für alle Stadtplanungen sein müsste. 

 

Leipzig ist Mitglied im Bündnis „Kommunen für biologischen Vielfalt“, warum wird dann Tag für Tag diese biologische Vielfalt für Beton geopfert?

 

Der NABU Leipzig hat auf die naturschutzrechtlichen Konflikte aufmerksam gemacht, die mit der Zerstörung von Lebensstätten geschützter Arten verbunden sind und hat dringend um Auskunft gebeten, wie der räumliche Zusammenhang der innerstädtischen Lebensräume geschützt werden soll, falls die Baupläne am Wilhelm-Leuschner-Platz realisiert werden. Zudem fordert der NABU erneut, bei der Stadtplanung den Erhalt der Stadtnatur grundsätzlich mehr zu berücksichtigen.

 

Leipzig braucht Platz für Biologische Vielfalt!

 

Bedrohte Biologische Vielfalt

Durch Ringablesung an Amseln ist belegt worden, dass die Vögel standorttreu sind. Brutplätze gibt es fast ausschließlich auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz, weil der gegenüberliegende Schillerpark nahezu flächendeckend von Menschen genutzt wird und durch intensive Gehölzpflege keine Rückzugsräume ermöglicht. Die Amsel ist laut Bundesnaturschutzgesetz eine besonders geschützte Art. Die Lebensbedingungen für die Population Innenstadt dürfen sich demzufolge nicht verschlechtern. Fotos: NABU Leipzig

 

Im Jahr 2018 wurden folgende 16 Brutvogelarten auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz festgestellt:

Amsel, Blaumeise, Dorngrasmücke, Gartenbaumläufer, Gelbspötter, Hausrotschwanz, Haussperling, Klappergrasmücke, Kleiber, Kohlmeise, Mönchsgrasmücke, Nachtigall, Rabenkrähe, Ringeltaube, Star, Stieglitz. 

 

Folgende 29 Vogelarten nutzen den Wilhelm-Leuschner-Platz als Lebensraum und wurden zwischen Januar 2018 und Dezember 2018 beobachtet:

Amsel, Blaumeise, Buchfink, Dorngrasmücke, Eichelhäher, Elster, Gartenbaumläufer, Gelbspötter, Grünfink, Grünspecht, Hausrotschwanz, Haussperling, Klappergrasmücke, Kleiber, Kohlmeise, Mauersegler, Mönchsgrasmücke, Nachtigall, Rabenkrähe, Ringeltaube, Rotkehlchen, Saatkrähe, Straßentaube, Star, Stieglitz, Stockente, Turmfalke, Zaunkönig, Zilpzalp. 

 

Nachgewiesen wurden sowohl ortstreue als auch wiederkehrende Vogelarten, deren Lebensstätten gesetzlich geschützt sind.

 

Haussperling, Gelbspötter, Klappergrasmücke und Dorngrasmücke stehen bereits auf der Vorwarnstufe in der Roten Liste Sachsen (2015). Aus guten Gründen: Den Haussperlingen werden Brutnischen wegsaniert und Sträucher, die als Ruhestätten dienen in der Umgebung rücksichtslos entfernt. Die anderen drei Arten brüten in niedriger Vegetation in Höhe bis zu 4 Meter. Dort nutzen sie die Deckung ebenfalls als Singwarte und zur Nahrungssuche. Sträucher sind nach der Baumschutzsatzung der Stadt Leipzig aber erst ab einer Höhe über 4 Meter geschützt.

 

Da der Gehölzschutz in Sachsen durch das „Baumabgesetz“ von 2010 weitgehend abgeschafft wurde, werden Bäume und Sträucher gedankenlos beseitigt, falls dafür überhaupt noch eine Genehmigung erforderlich ist, wird sie von den Behörden meist leichtfertig erteilt. Nach Einschätzung des NABU Leipzig wird dabei fast immer das Bundesnaturschutzgesetz ignoriert. Die Gehölze genießen zwar in Sachsen praktisch keinen gesetzlichen Schutz, aber sie sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützte Lebensstätten. Weil das nicht beachtet wird, gehen die Lebensstätten mehr und mehr verloren – zum Nachteil der Vogelarten, deren Bestände sich ohnehin schon im Sinkflug befinden.

 

Die folgenden Gehölze wurden auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz erfasst:

Holunder, Roter Hartriegel, Schneebeere, Kornelkirsche, Liguster, Feuerdorn, Heckenkirsche, Hagebutte, Mirabelle, Berberitze, Haselnuss, Weißdorn, Vogelbeere 

 

Leipzigs Stadtgrün in Gefahr

85 Hektar Lebensraum vernichtet

Wenn grüne Brachen verschwinden


Demo für Artenvielfalt

Grün statt Beton

Foto: Ludo Van den Bogaert
Foto: Ludo Van den Bogaert

Der Platz der Biologischen Vielfalt muss erhalten werden! Jahrelang hat die Stadtverwaltung den gesetzlich gebotenen Schutz von Singvogellebensräumen im Stadtgebiet vernachlässigt. Stück für Stück wurden Grünflächen und Brachen bebaut, Sträucher und Bäume gerodet, Boden versiegelt – in den meisten Fällen ohne jeden Ausgleich. Der NABU hat immer wieder auf den Flächenschwund hingewiesen, hat innerhalb weniger Jahre einen Lebensraumverlust von 85 Hektar erfasst: Leipzig schrumpft! 

Die Stadtverwaltung argumentierte, dass „Allerweltsvögel“ auf benachbarte Lebensräume ausweichen können, doch inzwischen sind diese ebenfalls zerstört und verschwunden oder schon längst von anderen Bewohnern genutzt. Wohin sollen also die gesetzlich geschützten Bewohner des Wilhelm-Leuschner-Platzes? Warum wurde jahrelang versäumt, Ausgleich für die geplante Bebauung zu schaffen? Ganz im Gegenteil: Auch auf umliegenden Flächen wurde Lebensraum vernichtet. Um dem Anliegen des Naturschutzes endlich Gehör zu verschaffen, ist der NABU Leipzig am 12. Februar 2019 spontan auf die Straße gegangen. Naturschützer versammelten sich zu einer Kundgebung am Wilhelm-Leuschner-Platz. Passanten wurden auf das Problem der Lebensraumzerstörung hingewiesen, und auch im gegenüberliegenden Rathaus sollte man den Protest wahrnehmen.


Kundgebung vor dem Neuen Rathaus

Am 19. Februar 2019 wurden die Gewinner des Architekturwettbewerbs im Neuen Rathaus vorgestellt. Dass bei diesen Bauplanungen der Artenschutz berücksichtigt wurde, ist nicht zu erkennen. Deshalb hatte der NABU Leipzig am 19. Februar erneut zur Demonstration aufgerufen – direkt vor dem Neuen Rathaus fand eine Kundgebung statt, an der sich auch der BUND Leipzig und die Leipziger Grünen beteiligten.

 

Foto: René Sievert
Foto: René Sievert

 

Rund 30 Naturfreunde demonstrierten gegen die Zerstörung geschützter Lebensstätten heimischer Vogelarten. Der Wilhelm-Leuschner-Platz ist dabei nur ein Beispiel, um zu zeigen, welche rücksichtslosen Baupläne in Leipzig vollzogen werden, ohne das Bundesnaturschutzgesetz zu beachten. Auch für uns Menschen gehen damit mehr und mehr Stadtnatur, gesunde Umwelt und Lebensqualität verloren, denn auch für das Stadtklima ist die Beton-und-Versiegelungs-Politik fatal. Die Menschen in der Stadt haben immer weniger Naturerfahrung, bald wird es unmöglich sein, mitten in der Stadt eine Nachtigall zu hören, bis vor kurzem hatte sie hier hingegen noch zahlreiche Nistplätze.

 

Fotos: Karsten Peterlein

 

Der NABU kam am Rande der Kundgebung mit Bürgern ins Gespräch, die das beklagen. Viele Bürger wenden sich gerade verzweifelt an den NABU, denn Im Januar und Februar kreischen die Motorsägen besonders heftig. Kurz vor dem Beginn der Brutzeit wird an vielen Stellen in der Stadt „Baufreiheit“ geschaffen, hektarweise werden ökologisch wertvolle und zum Teil auch gesetzlich geschützte Gehölze radikal beseitigt. Viele haben vor der Haustür keine Bäume und Sträucher mehr, Wohnquartiere mit Grün verschwinden mehr und mehr und mit ihnen Insekten, Vögel, Fledermäuse.

  

Auch der BUND Leipzig und Bündnis 90 / Die Grünen haben sich an der Demo beteiligt. Foto: Karsten Peterlein
Auch der BUND Leipzig und Bündnis 90 / Die Grünen haben sich an der Demo beteiligt. Foto: Karsten Peterlein

Im Anschluss an die Kundgebung besuchten auch die NABU-Mitstreiter die Ausstellung der Architekturentwürfe im Foyer des Rathauses, auch dabei gab es Gespräche mit Besuchern. Erste Reaktionen der Stadtverwaltung zeigen leider, dass dort das Anliegen des NABU nicht verstanden wird. Eine naturnahe Pflege von städtischen Grünflächen sowie eine naturverträgliche Stadtentwicklung sind im Interesse der Bürger und der Tierwelt dringend geboten, ebenso wäre es geboten, sich an die Naturschutzgesetze zu halten. Der NABU wird sich weiter dafür einsetzen.

 

 

 


Jetzt Petition unterzeichnen für Mensch und Natur!


BUND Regionalgruppe Leipzig e.V., NABU-Regionalverband Leipzig e.V., Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e.V. und Ornithologischer Verein zu Leipzig e.V. haben eine Petition gestartet. Sie richtet sich gegen die in Leipzig seit Jahren anhaltende Vernichtung von Grünflächen, die für Mensch und Natur wertvoll sind. Seit 2016 wurden im Stadtgebiet mindestens 250 solche wertvollen Grünflächen mit zusammen rund 100 Hektar durch Gehölzrodung und Bauarbeiten bereits ersatzlos beseitigt. Am schlimmsten trifft es Vögel, Eidechsen, Amphibien, Igel, Fledermäuse und verschiedene Insekten, die keine entsprechenden Ausweichflächen finden. Sogar gesetzlich geschützte Tierarten sind betroffen. Dieser Tatbestand ist laut Bundesnaturschutzgesetz rechtswidrig, das wird jedoch in Leipzig vielfach ignoriert. Die Initiatoren der Petition bitten nun die Bevölkerung um ihre Stimme – der öffentliche Druck wächst, bei der Schließung von Baulücken darf die Stadtverwaltung die Natur und das grüne, lebendige Wohnumfeld nicht vergessen!

 

Petition     Pressemitteilung


UNTERSTÜTZENSWERT

 

Mehr Grün für Leipzig!

Petition

Flächenfraß in Sachsen stoppen!

Petition

Rettet die Bienen in Sachsen

Petition

Artenschutz ins Grund­gesetz – Biodiversität und Ökosystem­leistungen erhalten!

Petition



Stadtgrün ist kein Müllplatz

Foto: NABU Leipzig
Foto: NABU Leipzig

Wilde Ecken in der Stadt sind wertvolle Lebensräume, wichtig für Mensch und Natur. Wilde Ecken sollen aber keine Müllecken sein, der Platz der Biologischen Vielfalt ist kein Müllplatz! Deshalb fand am 8. März 2019 auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz eine Müllsammelaktion statt. 

 

Fotos: NABU Leipzig

 

Der NABU Leipzig hatte zu der Aktion eingeladen, 15 Naturfreunde kamen und haben fleißig Unrat eingesammelt: Etwa 200 Glasflaschen und viele Scherben, ca. 30 Coffee-to-go-Einwegbecher, Zigarettenschachteln, Lebensmittelverpackungen, Plastiktüten, einen Drucker, einen Stuhl, Fahrradteile, Radkappen, Spraydosen und anderen Abfall. Alles wurde sortiert und dann haben NABU-Mitstreiter den gesammelten Müll in Glascontainern und auf einem Wertstoffhof entsorgt. Dort gehört der Müll hin! Warum Menschen immer wieder den Unrat achtlos in die Umwelt werfen, bleibt unklar. Es stehen Abfallbehälter und Sammelstellen dafür zur Verfügung!

Der NABU bedankt sich bei allen fleißigen Helfern!

 

Fotos: NABU Leipzig


Lebensraum in der Innenstadt muss erhalten bleiben

Positionspapier zur Bebauung des Wilhelm-Leuschner-Platzes

Als letzte große Freifläche im Innenstadtgebiet bietet der Wilhelm-Leuschner-Platz ein großes Entwicklungspotenzial. Die Planungen und Entwicklungsperspektiven sind in Leipzig ein langjährig und vielfach diskutiertes Thema, mit dem sich Stadtverwaltung, Ratsversammlung, Bürgerschaft und Verbände seit mehreren Jahren intensiv auseinandersetzen. Da die Pläne für eine Bebauung dieses Platzes immer konkreter werden, möchte sich auch der NABU-Regionalverband Leipzig zu Wort melden und hat gemeinsam mit der BUND Regionalgruppe Leipzig ein Positionspapier an das Amt für Umweltschutz sowie an das Stadtplanungsamt geschickt. Ziel ist es, in einen konstruktiven Dialog zu treten und im Sinne des Natur- und Artenschutzes einen Ausgleich zwischen den Interessen der Stadtentwicklung und den Belangen des Naturschutzes zu finden.

 

Die Beobachtungsergebnisse des NABU weisen nach, dass der bisher unbebaute Wilhelm-Leuschner-Platz mit seinen Hecken und Bäumen eine wichtige Funktion als Lebensraum hat und eine größere Bedeutung besitzt als andere Grünflächen in der Innenstadt, wie der Park an der Moritzbastei oder der Schillerpark, die viel zu stark von Fußgängern frequentiert werden. Bedeutsam sind vor allem die Hecken, die zugleich Nistplatz und Nahrungsquelle sind, aber auch für das Stadtklima eine Bedeutung haben.

 

Foto: NABU/Kerstin Kleinke
Foto: NABU/Kerstin Kleinke
Foto: NABU/Ursula Doll
Foto: NABU/Ursula Doll
Foto: NABU/Kerstin Kleinke
Foto: NABU/Kerstin Kleinke

Geschützte Vogelarten wie Mönchsgrasmücke, Nachtigall und Rotkehlchen (v.l.n.r.) sind in den Hecken auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz zuhause.

 

Um die Wichtigkeit des Platzes als Lebensraum für die Tierwelt zu betonen, stellen BUND und NABU den Ämtern Informationen zu Flora und Fauna zur Verfügung. So konnte der NABU beispielsweise die folgenden Vogelarten nachweisen: Gelbspötter, Ringeltaube, Amsel, Mönchsgrasmücke, Aaskrähe, Elster, Stieglitz, Nachtigall, Zaunkönig, Blaumeise, Kohlmeise, Rotkehlchen, Kernbeißer und Grünfink.

 

Es ist davon auszugehen, dass durch eine Bebauung der Ostseite des Wilhelm-Leuschner-Platzes der Lebensraum großflächig beschnitten wird. Der Wegfall der Hecken des Wilhelm-Leuschner-Platzes kann nicht durch benachbarte Parkanlagen kompensiert werden. Der drohende Wegfall des Lebensraums erscheint umso gravierender, wenn man bedenkt, dass in vergangenen Jahren bereits andere innenstadtnahe Frei- und Grünflächen bebaut wurden. Allein im Jahr 2015 sind die Lebensräume städtischer Amselpopulationen an ehemals freien Flächen in der Dresdner Straße / Inselstraße, Käthe-Kollwitz-Straße / Thomasiusstraße sowie Karl-Tauchnitz-Straße / Telemannstraße neuen Bebauungen gewichen. Der Lebensraum der Amsel auf der Fläche Willy-Brandt-Platz / Richard-Wagner-Straße ist durch die Neugestaltung der Grünfläche ebenfalls verschwunden.

 


Dass der Wilhelm-Leuschner-Platz für die lokalen Populationen geschützer Vogelarten bedeutsam ist, konnte beispielhaft durch Beobachtungen beringter Amseln nachgewiesen werden. Fotos: NABU Leipzig

 

BUND und NABU beobachten einen besorgniserregenden Rückgang von geeignetem Lebensraum für geschützte Vogelarten, halten den Erhalt der Hecken, Sträucher und Nahrungsflächen für dringend erforderlich und haben entsprechende Maßnahmen vorgeschlagen. Alternativ zum Erhalt der Bepflanzung könnte durch eine gezielte Neupflanzung von gleichartigen Hecken und Sträuchern für Ausgleich gesorgt werden. Dabei müsste jedoch streng darauf geachtet werden, dass die neugepflanzten Hecken eine vergleichbare Größe und Dichte erreichen (etwa Feuerdorn, Liguster, Roter Hartriegel, Weißdorn, Hagebutte, Holunder oder Berberitze), um den Verlust an Lebensraum auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz auszugleichen, und zwar bevor die Rodung der Pflanzen auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz vollzogen wird. |||

Positionspapier