Bäume, Wiesen und Eidechsen retten

Zerstörerische Baupläne für die „Parkstadt“ Dösen

Klimawandel und Artensterben sind die großen Themen dieser Tage. Bei Großdemonstrationen fordern die Menschen mehr Klimaschutz und eine Verkehrswende. Auch Leipzig bekennt sich als „Kommune der Biologischen Vielfalt“ zum Schutz der Artenvielfalt und der Stadtnatur, die Realität sieht leider anders aus. Seit 2016 hat der NABU Leipzig einen Verlust von rund 100 Hektar Lebensraum erfasst, praktisch ohne Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen gehen nicht nur die Lebensräume der Tiere verloren, sondern auch die Erholungsfunktion für die Menschen sowie die Funktionen zum Schutz des Stadtklimas. Angesichts verdorrender Bäume, austrocknender Gewässer und aufgeheizter Städte müsste Leipzig dringend jedes Stück Grün so gut wie möglich bewahren. Baumfällungen und Flächenversiegelung sind absolut kontraproduktiv. Seit Jahren sammelt der NABU zahllose Negativbeispiele, der Lebensraumverlust ist dramatisch. Vor kurzem hat der NABU erneut eine Reihe von Verfehlungen öffentlich gemacht. Außerdem fordert der NABU mit seiner Petition „Bauen und Natur erhalten!“ die bessere Berücksichtigung des Naturschutzes im Vorfeld von Baumaßnahmen in der Stadt.

  

Weiterer Naturfrevel steht jedoch unmittelbar bevor, dazu zählt als besonders negatives Beispiel das geplante Baugebiet „Parkstadt“ Dösen. In einer umfangreichen naturschutzfachlichen Stellungnahme hat sich der NABU zu der Planung geäußert, die unter anderem die Beseitigung von 300 Bäumen vorsieht, die Bebauung eines Teiles einer Streuobstwiese, die Zerstörung artenreicher Wiesen und die Versiegelung wertvoller Böden, die im Moment noch als Klimaregulator und Wasserspeicher dienen. Eigentlich sind Erhalt und Förderung dieser Funktionen auch im Flächennutzungsplan der Stadt für das Areal 

Auf dem Gelände des ehemaligen Parkkrankenhauses Dösen. Foto: Colomen (CC BY-SA 4.0)


vorgesehen – dessen ungeachtet sollen diese Ziele nun den Bauplänen geopfert werden. Der NABU hat daher in seiner Stellungnahme die Planungen abgelehnt. Außerdem hat der NABU beobachtet, dass bereits Tatsachen geschaffen werden. Dabei wurden wertvolle Lebensräume zerstört. Pressemitteilung

 

Kritik des NABU am Bebauungsplan

Auf dem Gelände des ehemaligen Parkkrankenhauses Dösen gibt es große parkartige Areale und naturnahe Bereiche, zum Teil mit ökologisch wertvollen Gehölzen. Foto: Colomen (CC BY-SA 4.0)

Die meisten der rund 300 Bäume, deren Beseitigung vorgesehen ist, sollen Neubauten und Autoparkplätzen weichen. Ist das mit „Parkstadt“ gemeint? Darunter sind auch zahlreiche Höhlenbäume, in denen Vögel, Insekten und Fledermäuse zuhause sind, weshalb es sich bei solchen Bäumen um gesetzlich geschützte Lebensstätten handelt. Auch eine nährstoffarme Frischwiese – heute eine Seltenheit und ökologisch wertvoll – soll Neubauten, Parkplätzen und einer Tiefgarage weichen. Der NABU fordert, für die Autoparkplätze eine andere bauliche Lösung zu suchen und zudem die Zahl der Stellplätze insgesamt zu reduzieren, denn die geplante Anzahl ist für das Gebiet 


überdimensioniert. Zudem muss auch die Zahl der Neubauten reduziert werden, um wertvolle Altbäume und Habitate zu erhalten, die das Wohnumfeld aufwerten und auch wichtige Klimaschutzfunktionen haben. Bei Baumaßnahmen muss der Erhalt vorhandener Stadtnatur Priorität haben vor kommerziellen Einzelinteressen.

 

Der NABU kritisiert vor allem auch die Missachtung des gesetzlichen Artenschutzes. Beispielsweise wurde der auf dem Gelände lebende Neuntöter bei den Planungen nicht beachtet. Der Schutz seiner Lebensräume ist aber eine gesetzliche Forderung des EU-Vogelschutzes. Auch die Lebensräume der streng geschützten Zauneidechsen wurden bei den Planungen ignoriert und zum Teil bereits zerstört, weshalb der NABU Leipzig bereits Anzeige erstattet hat. 

 

Der NABU fordert die Schaffung von Ersatzlebensstätten für diese geschützten Arten, zudem ist eine fachgerechte Umsiedlung der Zauneidechsen notwendig, um die gesetzeswidrige Tötung dieser Tiere zu verhindern.

 

Wertvolle Wiesenflächen wurden von den Planern als weitgehend naturfern eingestuft und ihre Zerstörung damit in Kauf genommen. Ein ökologisch gleichwertiger Ausgleich ist bisher nicht vorgesehen, obwohl gerade solche Wiesen schützenswert sind. Auch eine Streuobstwiese – ein gesetzlich geschützter Biotoptyp – soll zum Teil zerstört werden. Es ist nicht erkennbar, wie der Ausgleich realisiert werden soll. Durch die bloße Pflanzung einzelner Obstbäume ist der Verlust eines solchen Biotops jedenfalls nicht auszugleichen.

 

Lebensraum von Zauneidechsen auf dem Gelände der künftigen "Parkstadt". Foto: NABU Leipzig
Lebensraum von Zauneidechsen auf dem Gelände der künftigen "Parkstadt". Foto: NABU Leipzig
Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz: Durch Erdarbeiten zerstörter Eidechsenlebensraum. Foto: NABU Leipzig
Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz: Durch Erdarbeiten zerstörter Eidechsenlebensraum. Foto: NABU Leipzig

 

Grundsätzlich ist die Prioritätensetzung unverständlich, weil Arten-, Biotop- und Klimaschutz wider besseres Wissen ignoriert werden. Es werden nach Auffassung des NABU nicht nur fachliche Kriterien und gesetzliche Vorgaben missachtet, die Planungen widersprechen auch den ursprünglichen Vorgaben des Leipziger Flächennutzungsplans, der deshalb kurzerhand geändert wurde. Festgeschrieben war ursprünglich eine „Erhöhung des Grünanteiles zur Verbesserung der Situation für die umliegenden Wohnstandorte und das Landschaftsbild“, warum dieses Ziel nicht mehr verfolgt wird, ist unverständlich. Im Südlichen Teil des Baugebietes sind besonders wertvolle Böden zu finden, die laut Landschaftsplan hohe klimatisch-lufthygienische Ausgleichsfunktionen haben. Ursprünglich waren hier im Flächennutzungsplan deshalb Grünflächen vorgesehen, weshalb nun stattdessen auf diesen Flächen Neubauten geplant sind, ist ebenfalls unverständlich und rücksichtslos. Obwohl die Böden von der Stadt selbst als wertvoll und schutzwürdig eingestuft wurden, sollen sie teilweise bebaut und versiegelt werden. Pressemitteilung

 

Bauen und Natur erhalten!

Leider beobachtet der NABU auch bei anderen Bauplanungen ähnliche Entwicklungen, was besorgniserregend ist. Das gesellschaftliche Interesse eines gesunden Wohnumfelds wird immer wieder kommerziellen Interessen der Investoren untergeordnet. Warum die Leipziger Behörden das fördern, ist unverständlich. Die boomende Stadt hätte die Möglichkeit einer naturverträglichen Entwicklung, wenn man von den Bauherren entsprechende Maßnahmen fordern würde. Entgegen allen Lippenbekenntnissen fehlt offensichtlich der Wille für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Der NABU Leipzig hat gemeinsam mit anderen Naturschutzvereinen eine Petition gestartet, die bei Bauprojekten mehr Rücksicht auf die Natur fordert. Mehr als 4.000 Menschen haben sie bisher schon unterzeichnet.

 

Stellungnahme     Pressemitteilung     Petition