Biodiversität in der Rietzschke-Aue

Grünfläche mit Unterstützung des NABU Leipzig gestaltet

In Leipzig verschwinden viele Grünflächen, Stadtnatur fällt der Flächenversiegelung zum Opfer. Eine erfreuliche Ausnahme ist die sogenannte Rietzschke-Aue Sellerhausen. Nach anderthalb Jahren Bauzeit ist hier auf rund 18.000 Quadratmetern eine neue öffentliche Grünfläche entstanden, die wichtige Funktionen für Stadtklima, Biodiversität und Hochwasserschutz erfüllt. Der NABU Leipzig hat bei der Ausgestaltung beraten und konnte Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität einbringen.

 

Durch die Wiese mit Steinen, Sandlinsen und Artenschutzturm kann die Östliche Rietzschke wieder unverbaut fließen. Foto: Beatrice Jeschke
Durch die Wiese mit Steinen, Sandlinsen und Artenschutzturm kann die Östliche Rietzschke wieder unverbaut fließen. Foto: Beatrice Jeschke

Im Rahmen des Projektes wurde der Gewässerverlauf der Östlichen Rietzschke offengelegt und als natürlich erlebbarer Bachlauf und Naturerfahrungsraum gestaltet. Die Grünfläche ist so angelegt, dass anfallendes Regenwasser lokal aufgenommen und gespeichert werden kann. Zeitverzögert und reguliert wird es über ein Ablassbauwerk in den Wölbkanal der Östlichen Rietzschke geleitet. Damit soll ein ausreichender Abfluss bei Starkregenereignissen und gleichzeitig ein möglichst naturnaher Wasserhaushalt in der Rietzschke-Aue Sellerhausen sichergestellt werden. Der Östlichen Rietzschke wird damit ein Teil ihres natürlichen Überschwemmungsgebietes zurückgegeben.

Insektenvielfalt auf der neuen Biotopfläche. Fotos: Beatrice Jeschke

 

Ein vorhandenes geschütztes Biotop wurde in die Flächengestaltung integriert und während der Bauphase geschützt. Weitere besondere Elemente der Fläche sind eine Blühwiese aus regionalen Saatgutmischungen zur Förderung der Insekten- und Artenvielfalt, Sandlinsen mit Totholz als ergänzendes Angebot für sandliebende Insekten. Zusätzlich wurde ein künstlerisches Objekt als „Artenschutz-Turm“ auf der Fläche errichtet. Er entstand in Kooperation mit dem NABU Leipzig und der GeoWerkstatt und bietet Quartiere und Nischen als Nist- und Lebensstätte für verschiedene Tierarten. Auch bei der Pflanzung der Gehölze, bei Anlage von Sandlinsen und Steinhaufen sowie zur Pflege der Wiese und der Gehölze hat der NABU Leipzig fachlich beraten.

 

Sandlinsen bieten erdnistenden Wildbienen ein Zuhause. Fotos und Video: Beatrice Jeschke

 

Anlass zur Gestaltung der Fläche waren häufige Überflutungen der angrenzenden Kleingärten durch den ehemaligen Bachlauf der Östlichen Rietzschke. Dieser verlief zu großen Teilen verrohrt oder überbaut als Entwässerungsgraben Sellerhausen und konnte anfallendes Wasser bei Starkregen nur bedingt ableiten.

 

Fotos: NABU Leipzig

 

Die Rietzschke darf wieder fließen

Bereits 2019 hatte das Amt für Stadtgrün und Gewässer zum Vorhaben Grünflächengestaltung Rietzschke-Aue zur Bürgerbeteiligung eingeladen. Dabei hatte sich auch der NABU Leipzig mit Ideen zur Biodiversitätsförderung eingebracht und konnte auch während der Bauphase aktiv beraten. Der Vorgang ist in Leipzig nicht alltäglich, denn bei den meisten Baumaßnahmen werden Flächen ohne Rücksicht versiegelt. Durch die Umbaumaßnahmen wird die Rietzschke nun an dieser Stelle wieder offen fließen, bei Starkregen kann das Wasser in der neu gestalteten Grünfläche versickern. Das ist eine Verbesserung der ökologischen Situation, dient aber auch dem Hochwasserschutz und müsste Vorbild sein für die Gestaltung anderer Flächen im Umfeld von Baumaßnahmen!

 

Einbau der Nisthilfen im Artenschutz-Turm. Fotos: NABU Leipzig

 

Der neue Flussverlauf wurde wie vom NABU empfohlen mäandrierend und mit temporär geflutetem Seitenarm über die gesamte Freifläche geplant und mit ökologisch wertgebenden Strukturelementen wie Steinen und Totholzstämmen angereichert. Die Feuchtwiese soll nach insektenfreundlichen Grundsätzen gepflegt werden, und zu den geplanten Strauchpflanzungen hat der NABU Leipzig angeregt, sie so zu pflanzen, dass sie als Brutgehölze für heimischen Vogelarten geeignet sind. Auf der Grünfläche wurden außerdem zwei Sandlinsen angelegt, nachdem der NABU zur Förderung erdnistender Wildbienen beraten hatte. Zusätzliche Steine, ein Steinhaufen und Wurzelstücke auf dem gesamten Gelände bieten Unterschlupf und Lebensraum für zahlreiche Tierarten.

 

Artenschutz durch Kunstobjekt

Im Zentrum der Fläche steht der „Artenschutz-Turm“. Foto: Julia Zimmerhäkel
Im Zentrum der Fläche steht der „Artenschutz-Turm“. Foto: Julia Zimmerhäkel

Im Zentrum der Grünfläche steht ein „Artenschutz-Turm“. Dort wurden Quartiere für Fledermäuse, hohlraumbesiedelnde Wildbienen und für höhlenbrütende Vogelarten angebracht. Der Turm selbst wurde vom Künstler Christoph Roßner erbaut. Fachliche Hinweise zur Förderung der einzelnen Tierarten erfolgten durch das Planungsbüro hensen (Fledermäuse) und den NABU Leipzig (Wildbienen, Vögel). Gestaltet wurden die Lebensräume für Wildbienen von der GeoWerkstatt, die Nistkästen wurden vom NABU Leipzig gebaut und montiert. Zusätzlich wurde der Turm marder- und waschbärsicher gestaltet.

 

NABU Leipzig informiert über Biodiversität

Am 12. Mai 2022 wurde die fertig gestellte Grünfläche von Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal und allen am Bau beteiligten Ämtern und Institutionen feierlich eröffnet. Den Rundgang mit Landschaftsarchitekt Robert Storch begleiteten auch Sabrina Rötsch und Karsten Peterlein vom NABU Leipzig, die die biodiversitätsfördernden Bereiche vorgestellt und die Funktion verschiedener Biotopbausteine erläutert haben.

 

Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal eröffnete die neugestaltete Biotopfläche am 12. Mai 2022.
Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal eröffnete die neugestaltete Biotopfläche am 12. Mai 2022.
Sabrina Rötsch vom NABU Leipzig informierte bei der Eröffnung über die biodiversitätsfördernden Maßnahmen. Fotos: NABU Leipzig
Sabrina Rötsch vom NABU Leipzig informierte bei der Eröffnung über die biodiversitätsfördernden Maßnahmen. Fotos: NABU Leipzig

 

Im Rahmen der Naturschutzwoche 2022 hat der NABU am 19. Mai 2022 eine Exkursion angeboten. Schwerpunktmäßig ging es dabei um den Gebäudebrüterschutz, Startpunkt war der neue Artenschutz-Turm.

 

Start der NABU-Exkursion am neuen Artenschutz-Turm. Hier erläuterte Karsten Peterlein vom NABU Leipzig die verschiedenen Nistkastentypen für Gebäudebrüter. Fotos: Julia Zimmerhäkel

 

Entlang der Wurzener Straße sind Mauersegler und Haussperlinge in den letzen zwei Jahrzehnten massiv zurück gegangen. Die meisten Gebäude wurden saniert ohne den gesetzlichen Artenschutz zu berücksichtigen. Dieses unsanierte Haus bieten in den teils zerbrochenen Stuckelementen direkt unterm Dach noch Brutplätze für Vögel. Foto: Julia Zimmerhäkel

 

Im Dachboden der Adolph-Diesterweg Schule wurden Nistkästen für Mauersegler, Haussperlinge und Dohlen eingebaut. Während der NABU-Exkursion ließ sich allerdings nur ein Turmfalke beim Abflug vom Dach sehen. Foto: Julia Zimmerhäkel