
Am 20. März ist Weltspatzentag. Er will auf diesen gefiederten Mitbürger aufmerksam machen, der in unserer unmittelbaren Nachbarschaft lebt und für Lebensfreude sorgen kann. Wie alle europäischen Vogelarten ist er nach EU-Recht geschützt, weshalb seine Lebensstätten ebenfalls zu schützen sind, was aber vielfach unterlassen wird. Es geht um Nischen, Ritzen und Höhlen in unseren Gebäuden sowie Nahrungs- und Ruheplätze in unmittelbarer Nähe. Das sind vorwiegend Sträucher und Hecken. Der Haussperling hat unter dem Klimawandel zu leiden und unter dem ebenfalls vom Menschen verursachten Insektensterben, aber mehr noch unter rücksichtslosen Baumaßnahmen. Nistplätze werden zugemauert, Sträucher und Hecken beseitigt, Freiflächen versiegelt. Pressemitteilung
Leider gibt es viele Negativbeispiele im Umgang mit den interessanten kleinen Vögeln. Oft werden ihre Nistplätze einfach beseitigt – teilweise absichtlich, häufig sind Fassaden-Modernisierungen die Ursache für Nistplatzschwund. Vor den Arbeiten werden meist keine Nistplätze gesucht und selbst wenn es Untersuchungen gibt, werden sie oft übersehen, sodass mehr und mehr Nistplätze verloren gehen, obwohl sie gesetzlich geschützt sind. Zudem wird oft der ökologische Zusammenhang zu Nahrungs- und Ruheplätzen ignoriert, die ebenfalls nicht ausreichend geschützt oder wiederhergestellt werden. Von diesen Missständen sind nicht nur Haussperlinge bedroht, sondern auch viele andere gebäudebewohnende Tierarten, beispielsweise Mauersegler und Fledermäuse.

Um auf diese Probleme aufmerksam zu machen und Lösungsmöglichkeiten aufzuzeigen, hat der NABU Leipzig ein Infopapier „Defizite beim Schutz häufiger Vogelarten“ erstellt sowie eine „Checkliste für den Artenschutz
bei Fassaden-Modernisierungen“. Ziel ist es, bei Baumaßnahmen für einen besseren Klimaschutz, wie zum Beispiel Fassadendämmung, zugleich auch den Artenschutz zu beachten.
Die beiden Veröffentlichungen ergänzen somit eine dritte Broschüre zu Artenschutzmaßnahmen beim Gebäudeneubau, die der NABU Leipzig
bereits 2016 veröffentlichte.

Der NABU Leipzig wirbt für mehr Rücksichtnahme, fordert Ausgleich für verlorene Nistplätze und gibt gerne Tipps, wie man Spatzen und andere Tierarten in der Stadt unterstützen kann. Außerdem
bittet der NABU Leipzig die Bevölkerung um Mithilfe: Die Bürger werden aufgerufen, Spatzenbeobachtungen, Nistplätze oder von Spatzen benutzte Sträucher zu melden. Nur mit konkreten Informationen
darüber, können diese Sperlingslebensstätten geschützt werden. Solche Beobachtungen können ganzjährig an den NABU gemeldet werden, am besten per E-Mail
Darüber hinaus kann man sich auch am Gebäudebrüterprojekt des NABU Leipzig beteiligen. Um dem Verlust von Nistplätzen und
Lebensräumen wenigstens ein Stück weit vorzubeugen, erfasst der NABU Leipzig jedes Jahr Vogel-Nistplätze an Gebäuden. Die Daten werden regelmäßig an die Naturschutzbehörde und das Amt für
Bauordnung und Denkmalpflege geschickt. Bei Baumaßnahmen sollen die zuständigen Behörden ein Artenschutzgutachten beauftragen und bei Verlust der Nistplätze den Anbau von Ersatznistkästen
fordern. In einigen Stadtteilen gibt es vergleichsweise wenige nachgewiesene Nistplätze. Daher startet der NABU Leipzig einen Aufruf: Von Ende März bis Ende Juni sollen Vogelfreunde die Gebäude
im eigenen Stadtteil beobachten, ob Vögel in Nischen an der Fassade, unter Fensterbrettern, hinter Dachrinnen oder irgendwo am Dach einfliegen und vielleicht auch Nistmaterial eintragen. Auch
diese Beobachtungen kann man dann an den NABU melden per E-Mail
Bei der „Stunde der Wintervögel“ im Januar und bei der „Stunde der Gartenvögel“ im Mai sammelt der NABU deutschlandweit Beobachtungsdaten zu den Vogelarten im Siedlungsbereich. Über mehrere Jahre lässt sich daraus die Bestandsentwicklung erkennen. Beim Haus-, aber auch beim Feldsperling, sind hier deutliche Verluste zu verzeichnen. Es gibt vielerorts einen dramatischen Bestandsrückgang. Bei der „Stunde der Wintervögel“ 2026 wurden bundesweit 15 Prozent weniger Haussperlinge und 10 Prozent weniger Feldsperlinge gesichtet als im Vorjahr. Damit reihen sich auch häufige Arten, wie Amseln, Meisen, Finken und Spatzen in den zunehmenden Schwund der Vogelbestände ein.

Um Lebensräume für Haus- und Feldsperlinge attraktiver zu machen, verteilt der NABU Leipzig in diesem Jahr wieder Samenmischungen. Darin enthalten sind Samen von mehr als 40 heimischen Wildblumenarten. Mit der Pflanzenvielfalt fördert man Insekten, die zur Brutzeit für fast alle Vogelarten im Siedlungsraum wichtige Nahrungsgrundlage sind. Jeder kann die Mischung aussäen, damit einen Beitrag für den Artenschutz leisten und auf natürliche Weise Vögel füttern. Insekten sind für Singvögel besonders wichtige Nestlingsnahrung. Auch später im Jahr sind die Pflanzen wichtige Nahrung, wenn sich an den verblühten Stängeln Samen bilden, die von Finken und Sperlingen gefressen werden. Die Aussaat ist zwischen März und April und von September bis Oktober möglich. Beim SPATZiergang am 20. März wurden kleine Samentütchen verschenkt, sie sind darüber hinaus bei Veranstaltungen des NABU Leipzig erhältlich.