„Aggressive“ Krähen

Greifen die Vögel manchmal Menschen an?

Immer wieder gibt es im Frühjahr Meldungen über Angriffe von Krähen auf ahnungslose Passanten. Warum verhalten sich die Tiere so?

Rabenkrähe auf einer Birke. Foto: NABU/Claus Hektor
Rabenkrähe auf einer Birke. Foto: NABU/Claus Hektor

Wenn Vogeljunge ihre Nester verlassen, werden sie häufig noch eine Zeit lang aiuch außerhalb des Nests von ihren Eltern versorgt und beschützt. Auch junge Rabenkrähen werden bei ihren ersten Schritten und Flügelschlägen noch von den Altvögeln betreut. Wenn sie Passanten als Bedrohung für die Jungvögel wahrnehmen, kann es zu Angriffen kommen. Das sorgt in jedem Jahr für einige Aufregung, regelmäßig fühlen sich Menschen an Gruselfilme erinnert und befürchten, von den Vögeln ernsthaft verletzt zu werden. Von „aggressiven Krähen“ ist dann oft die Rede, wenn die „Rabeneltern“ doch in Wahrheit nur ihre Jungen oder ihre Nester beschützen wollen. Dieses Verhalten zeigen allerdings viele Singvögel, Angriffsflüge einer ausgewachsenen Krähe nimmt man jedoch anders wahr, als ähnliche Aktionen von Spatz oder Rotschwanz.

 

Nach dem Nestbau legen die Krähen Eier, aus denen nach rund 20 Tagen die Jungvögel schlüpfen. Erst nach einem weiteren Monat verlassen die jungen Krähen das Nest, so dass ihre sogenannte Ästlingsphase beginnt. Als Ästlinge werden Jungvögel bezeichnet, die nach ihrer Aufzucht das Nest verlassen haben und noch unsicher ihre ersten Kletter- und Flugversuche unternehmen. Während dieser Zeit kommt es nicht selten vor, dass Junge auf dem Boden, im Gebüsch oder auch auf Wegen landen, dabei jedoch in Rufkontakt mit ihren Eltern stehen und weiterhin gefüttert werden.

Rabenkrähe hat eine Nuss gefunden. Foto: NABU/Claus Hektor
Rabenkrähe hat eine Nuss gefunden. Foto: NABU/Claus Hektor

In der Regel erklimmen die Jungvögel nach einer Weile auf dem Boden wieder Bäume, weil sie dort besser vor Fressfeinden geschützt sind. Nähern sich allerdings Menschen den Jungkrähen, kann es passieren, dass dies ein Altvogel als Bedrohung seines Nachwuchses sieht und Angriffsflüge startet, um die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, seinen Nachwuchs zu verteidigen und ihm die Flucht zu ermöglichen.

 

Aus diesem Grund sollten hilflos erscheinende Jungvögel am Boden zunächst aus einiger Entfernung beobachtet werden. Erst wenn sich über einen längeren Zeitraum (durchaus zwei bis drei Stunden) offenbar kein Altvogel mehr für den Nachwuchs interessiert, sollten Experten benachrichtigt werden, beispielsweise die Wildvogelhilfe des NABU Leipzig.

 

Das Verhalten der Kräheneltern ist keine ernsthafte Bedrohung für Menschen. Man sollte wenn möglich einen Umweg in Kauf nehmen und zu Jungvögeln und Nistplätzen Abstand halten. Das Phänomen beschränkt sich auf wenige Wochen im Jahr, so dass man als Mensch in der Regel den Konflikten leicht aus dem Weg gehen kann.

Keinesfalls sollte man gegen die Krähen vorgehen. Die Vögel und ihre Nester sind gesetzlich geschützt.

 

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