Unsichtbare Gefahr an Wartehäuschen der LVB

Vögel kollidieren mit den Glasscheiben, was man mit einfachen Maßnahmen verhindern könnte

Glasscheibe vor Sträuchern - für Vögel eine unsichtbare Gefahr. Foto: NABU Leipzig
Glasscheibe vor Sträuchern - für Vögel eine unsichtbare Gefahr. Foto: NABU Leipzig

Die Glasscheiben an Wartehäuschen sollen die Menschen vor der Witterung schützen, doch den Vogelschutz hat man dabei vergessen. Denn diese Scheiben sind für die Tiere unsichtbar. Immer wieder findet der NABU Leipzig deshalb tödlich verunglückte Vögel an den Haltestellen der LVB. Vögel können die Glasflächen nicht rechtzeitig als Hindernis erkennen, sie nehmen nur die dahinterliegende Landschaft wahr und kollidieren in voller Fluggeschwindigkeit mit der Scheibe, oft mit tödlichem Ausgang. Die Wildvogelhilfe Leipzig betreut jedes Jahr viele Anflugopfer, nur wenige überleben diese Unfälle. Dieses Tierleid wäre vermeidbar! Deswegen bietet der NABU Leipzig Beratung an. Die Bemühungen, die Scheiben mit wenigen Vogelsilhouetten zu bekleben, bringen leider nichts. Die Silhouetten wirken nicht abschreckend und sie sind in großem Abstand angebracht – die transparenten Freiräume dazwischen sind für die Vögeln weiterhin eine unsichtbare Gefahr. Wenn die Verkehrsbetriebe nichts dagegen unternehmen, wird es immer wieder Todesopfer geben. 

 

Nordplatz: Aufgeklebte Vogelsilhouetten sind leider wirkungslos und können tödliche Kollisionen nicht verhindern.
Nordplatz: Aufgeklebte Vogelsilhouetten sind leider wirkungslos und können tödliche Kollisionen nicht verhindern.
Hohenheida: Der Tod dieses Amselpärchens ist besonders tragisch - sie verunglückten zur Brutzeit, sodass auch ihre Jungen qualvoll starben. Fotos: NABU Leipzig
Hohenheida: Der Tod dieses Amselpärchens ist besonders tragisch - sie verunglückten zur Brutzeit, sodass auch ihre Jungen qualvoll starben. Fotos: NABU Leipzig

Der NABU Leipzig hat deshalb im Februar 2018 die LVB kontaktiert und Informationsmaterial übergeben. Als großes Unternehmen mit Haltestellen im ganzen Stadtgebiet könnten die Verkehrsbetriebe mit Verbesserungen im Sinne des Vogelschutzes Verantwortung übernehmen und künftig alle Haltestellen für die Vögel sicherer gestalten. Die beste Möglichkeit wäre, die Scheiben im Siebruckverfahren mit einem Muster zu bedrucken, das die Vögel als Hindernis erkennen  können. Als kurzfristige Maßnahme an solchen Haltestellen, wo besonders häufig Anflugunfälle zu beklagen sind, könnte man auch ein teiltransparentes graues Muster aufkleben.

 

Beispiele für Glasflächen, die zum Vogelschutz mit einem Muster bedruckt wurden. Fotos: NABU Leipzig

 

Tödlich verunglücktes Amselpaar an der Haltestelle "Fliederhof". Foto: NABU Leipzig
Tödlich verunglücktes Amselpaar an der Haltestelle "Fliederhof". Foto: NABU Leipzig

Das Sterben geht weiter

Leider gibt es abgesehen von einzelnen aufgeklebten Silhouetten keine weiteren Maßnahmen und auch kein vorbildgebendes Vogelschutzprojekt. Deshalb sind auch 2019 wieder Todesopfer zu beklagen. Dem NABU Leipzig sind an Haltestellen tödlich verunglückte Amseln, Singdrosseln, Stare und Grünspechte bekannt. Es handelt sich nicht um Einzelfälle, deshalb reichen Maßnahmen an einzelnen Wartehäuschen nicht aus!

 


Große Chance nicht versäumen: Leipzig bekommt neue Wartehäuschen

Ab Juli 2019 werden in Leipzig 900 Wartehäuschen ausgetauscht. Der NABU Leipzig möchte die Gelegenheit nutzen, um auf das drängende Problem erneut aufmerksam zu machen. Mit einem Musterdruck auf den Scheiben könnte man wirksam etwas gegen Vogelschlag unternehmen und den Tod vieler Tiere verhindern. Da jetzt ohnehin eine Neumöblierung stattfindet, wäre das ein guter Zeitpunkt. Neben dem umweltfreundlichen Nahverkehr würden dann auch Aspekte des Natur- und Artenschutzes berücksichtigt, was viele Leipziger freuen würde. Die Stadt Leipzig würde damit ihrer Selbstverpflichtung als „Kommune der biologischen Vielfalt“ gerecht und würde vorbildlich ein Zeichen für andere setzen.

 

Der NABU hat deshalb mit Schreiben an die Leipziger Verkehrsbetriebe und an die Stadtverwaltung noch einmal darum gebeten, den Tier- und Artenschutz bei der geplanten Modernisierung der Wartehäuschen zu berücksichtigen. Die LVB antworteten umgehend, leider nur mit dem Hinweis, dass sie für die Wartehäuschen an ihren Haltestellen nicht zuständig sind.

Pressemitteilung