Der Star unter den Vögeln

Der Vogel des Jahres 2018 ist Gesangs- und Flugkünstler

Der Naturschutzbund NABU und der Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) haben den Star (Sturnus vulgaris) zum „Vogel des Jahres 2018“ gewählt.

Pressemitteilung

Bei einem Vortragsabend am 1. November 2017 wird der NABU Leipzig den Vogel des Jahres 2018 und geplante Mitmachaktionen vorstellen. Außerdem wird über die Aktionen berichtet, die zum Vogel des Jahres 2017 in Leipzig stattfanden. Alle Vogel- und Naturfreunde sind herzlich dazu eingeladen. Die Veranstaltung ist öffentlich und die Teilnahme kostenfrei.

1. November 2017, 19 bis 21 Uhr, Naturkunde­museum Leipzig, Lortzingstraße 3

Foto: NABU/Georg Dorff
Foto: NABU/Georg Dorff

Es gibt jährlich 3 bis 4,5 Millionen Staren-Brutpaare in Deutschland, und der Star gilt als Allerweltsvogel, doch vor 20 Jahren gab es noch eine Million Brutpaare mehr als heute. Das ist innerhalb kurzer Zeit ein dramatischer Verlust. Ein solcher Bestandsrückgang wird bei verschiedenen, eigentlich noch häufigen Vogelarten beobachtet, der Star ist nur ein trauriges Beispiel für diesen Verlust in der Vogelwelt und damit ist er Botschafter des Vogelschutzes im Jahr 2018.
Gründe für den Bestandsrückgang sind Verlust von Nahrungsquellen und von Nistmöglichkeiten. Mit Maßnahmen des praktischen Naturschutzes setzt sich der NABU dafür ein, den Lebensraum des Staren und damit auch vieler anderer Arten zu erhalten.

Hilfe für den Star

 

Lebensraumverlust und Nahrungsmangel

Der Star ernährt sich im Frühjahr von Kleintieren aus dem Boden, im Sommer und im Herbst kommen auch Früchte und Beeren hinzu. Umweltveränderungen, Naturzerstörung und insbesondere die Industrialisierung der Landwirtschaft haben dazu geführt, dass die Stare bei der Nahrungssuche immer mehr Probleme haben. Weiden, Wiesen und Felder sind verschwunden oder werden intensiv genutzt, der Star findet nicht mehr genug Würmer und Insekten. Nutztiere werden weniger im Freien, sondern im abgeschirmten Großstall gehalten, es fehlt der Mist, der früher Insekten angelockt hat. Insektenbekämpfungsmittel und andere Agrochemikalien vernichten zudem weitere Nahrungstiere. Beerentragende Hecken zwischen den Feldern sucht man oft vergebens.

Und auch geeignete Nistplätze werden immer seltener, weil Bäume mit Bruthöhlen entfernt werden.

Nahrung

Lebensraum

Stare bei der Nahrungssuche auf einem Acker in Nordsachsen. Fotos: Karsten Peterlein
Stare bei der Nahrungssuche auf einem Acker in Nordsachsen. Fotos: Karsten Peterlein
Stare bei der Nahrungssuche auf einer Streuobstwiese bei Wöllmen.
Stare bei der Nahrungssuche auf einer Streuobstwiese bei Wöllmen.

Anpassungsfähiger Kulturfolger

Singender Star in der Stadt. Foto: NABU/Marco Sommerfeld
Singender Star in der Stadt. Foto: NABU/Marco Sommerfeld

Aufgrund dieser Lebensraumverluste in der Agrarlandschaft, ist der anpassungsfähige Star auch zunehmend in unseren Städten heimisch geworden. Hier nutzt er nicht nur Baumhöhlen, sondern auch Nistkästen oder Hohlräume an Dächern und Fassaden für den Nestbau. Parkanlagen, Friedhöfe und Kleingärten liefern ihm Nahrung. Doch auch hier droht Lebensraumverlust durch Bauvorhaben, Gebäudesanierungen und Baumfällungen sowie Nahrungsmangel durch Einsatz von Insektengiften, Flächenversiegelung, Beseitigung von städtischem Grün, von Hecken und Grünflächen.
Der Schutz dieser innerstädtischen Lebensräume ist deshalb ein wichtiges Anliegen des NABU Leipzig. Der Naturschutzbund dokumentiert den dramatischen Flächenverlust und setzt sich für den Schutz der Stadtnatur ein.

Stare sind gesellig, sie brüten gerne dort, wo sich auch andere Paare angesiedelt haben, auch bei der Nahrungssuche sind sie gerne gemeinsam mit anderen unterwegs. Die Männchen führen eine Ehe mit nur einer Partnerin, oder sie haben mehrere gleichzeitig. Da Stare oft zweimal im Jahr brüten, nutzen zudem viele die Gelegenheit nach der ersten Brut den Partner zu wechseln.

Nachdem der Star im März seine Nisthöhle bezogen hat, brütet das Weibchen ab Anfang April allein.

Lebensweise

 

NABU-Aktionen für den Star von Leipzig

Jungstar in einer Baumhöhle an der Moritzbastei. Foto: Karsten Peterlein
Jungstar in einer Baumhöhle an der Moritzbastei. Foto: Karsten Peterlein

Auch 2018 sind wieder einige Mitmachaktionen rund um den Vogel des Jahres geplant. So wird der NABU Leipzig die Höhlenbaumkartierung fortsetzen. Start dieses Projekts war 2013, als der Grünspecht Vogel des Jahres 2014 wurde. Fortgesetzt wurde es im vorigen Jahr, wo der Schwerpunkt auf der Erfassung von Waldkauz-Nisthöhlen lag, der 2017 Vogel des Jahres war. 2018 wird sich der NABU nun auf Bäume mit Höhlen konzentrieren, die für den Star geeignet sind.

Die Bevölkerung ist wieder aufgerufen, den Vogel des Jahres zu melden. Wer einen Nistplatz entdeckt, schickt am besten eine E-Mail mit den Standortinformationen an den NABU Leipzig. Dabei sollte man das Datum der Beobachtung angeben sowie den Ort. Dafür kann man die nächstgelegene Hausadresse nehmen oder GPS-Koordinaten. Erfassen sollte man wenn möglich auch die Anzahl besetzter Nisthöhlen und die Art des Nistplatzes (Baumart, Gebäude, Fassade, Dach etc.). Ziel ist es, alte Höhlenbäume und Nistmöglichkeiten in Gebäuden für die Vögel zu erhalten.

Gerne kann man ebenfalls per E-Mail Fotos von Staren oder Staren-Nistplätzen an den NABU Leipzig schicken. Auf diese Art kann eine schöne Fotogalerie zum Vogel des Jahres entstehen.

Mit Nisthilfen kann man den Staren die Wohnungssuche erleichtern. Foto: Karsten Peterlein
Mit Nisthilfen kann man den Staren die Wohnungssuche erleichtern. Foto: Karsten Peterlein
Bauanleitung für einen Staren-Kasten.
Bauanleitung für einen Staren-Kasten.

Geplant sind zudem Aktionen des praktischen Artenschutzes, wie der Bau von Staren-Kästen. Solche Nisthilfen kann man auch im NABU-Naturschutzbüro (Corinthstraße 14) kaufen oder bestellen. Um den Star besser kennen zu lernen, kann man an Exkursionen des NABU teilnehmen. Vorgesehen sind unter anderem Vogelstimmenführungen und eine Starenbeobachtung zur Zeit des Vogelzugs, wenn alljährlich große Starenschwärme höchst beeindruckende Flugmanöver vollführen.

Starenschwärme

Die Schwarmbildung von Staren ist ein einzigartiges Naturschauspiel. Schon im frühen Sommer bilden sich direkt nach der ersten Brutzeit Trupps aus Jungvögeln und unverpaarten Staren. Je näher der Herbst rückt, desto größer werden die Schwärme. Foto: NABU/Andrew Parkinson/rspb-images.com

 

Auch die Beratung von Kleingärtnern zum naturnahen Gärtnern wird der NABU Leipzig fortsetzen. Dazu zählen die Initiativen „Gärtnern ohne Gift“ und „Gärtnern ohne Torf“. Neu gestartet wird die Initiative Kompost unter dem Motto „Gesunder Boden – gesunde Regenwürmer“, die für den Star eine wichtige Nahrung sind.

 

Termine für die Mitmachaktionen zum Vogel des Jahres 2018 werden vom NABU Leipzig rechtzeitig bekannt gegeben.

 

Flugakrobat und Sänger

Abbildung: NABU/Fred Fuchs
Abbildung: NABU/Fred Fuchs

Der Star ist unter den Vögeln tatsächlich ein Star, ist Flug- und Imitationskünstler, denn er baut in seinen Balzgesang allerlei Umgebungsgeräusche ein, die er zum Teil perfekt nachahmen kann. So sind dann plötzlich Handy-Klingeltöne, Froschquaken, Hundebellen oder die Laute anderer Vögel zu hören.

Bewundert wird der Star auch für seinen Formationsflug. Auf dem Herbstzug sind die Stare in Schwärmen unterwegs, die spektakuläre Flugmanöver vollführen können – an vielen Rastplätzen ist das ein einzigartiges Naturschauspiel.

Abends fallen die Starenschwärme an ihren Schlafplätzen ein. Das sind große Schilfgebiete oder Baumgruppen. Hier sind etwa eine Stunde vor Sonnenuntergang imposante Schwarmwolken aus tausenden Staren am Himmel zu sehen, bevor sie schlagartig nach unten sinken.

Starenschwarm an einem Schlafplatz im Schilf im Wildenhainer Bruch. Foto: Karsten Peterlein
Starenschwarm an einem Schlafplatz im Schilf im Wildenhainer Bruch. Foto: Karsten Peterlein

Abhängig von seinem Lebensort ist der Star Kurzstreckenzieher, Teilzieher oder Standvogel. Mitteleuropäische Stare ziehen zum Großteil bis in den südlichen Mittelmeerraum und nach Nordafrika. Die maximale Zugstrecke liegt bei etwa 2.000 Kilometern. Manche Stare verzichten auf lange Reisen und überwintern vor allem im Südwesten Deutschlands.

Im Herbst sind auch am sächsischen Himmel die imposanten Schwarmwolken aus vielen tausend Staren am Himmel zu sehen, bevor sie während des Zuges an einem Schlafplatz Rast machen. So wurden zum Beispiel etwa 6.000 Stare im Gebiet der Leipziger Gartenanlage An den Theklafeldern und 10.000 Stare auf einem Maisstoppelfeld bei Wurzen gezählt.

 

Synchronflug mit Schwarmintelligenz

Ein Star orientiert sich innerhalb des Schwarms die ganze Zeit an bis zu sieben Vögeln in seiner Umgebung. Zu diesen Vögeln versucht er im Flug die immer gleiche Position einzuhalten. Dadurch kommt es zu synchronen, wellenförmigen Bewegungen des ganzen Schwarms. Die einzelnen Stare sind dadurch vor Angreifern aus der Luft besser geschützt: Greifvögel haben es schwer, einen einzelnen Vogel zu fixieren.

Aber wie viele Vögel bilden einen solchen Schwarm? Wenn man es genau wissen will, kann man den Schwarm fotografieren und die einzelnen Vögel auszählen:

Zählung der Vögel in einem Starenschwarm. Foto: Karsten Peterlein

 

Der Star – eine schillernde Persönlichkeit

Auch optisch kann der Star beeindrucken, der nur auf den ersten Blick schlicht und schwarz erscheint. Im Frühjahr besticht das Starenmännchen durch sein metallisch glänzendes Gefieder, das in allen Regenbogenfarben schillert. Helle Punkte verzieren das Prachtkleid des Weibchens.

Aussehen und Stimme

Foto: NABU/Frank Hecker
Foto: NABU/Frank Hecker

Europaweit gibt es etwa 23 bis 56 Millionen Stare, rund 10 Prozent davon leben in Deutschland. Als Brutvogel ist er in ganz Sachsen vertreten, es gibt rund 100.000 bis 200.000 Brutpaare im Freistaat. Verbreitungsschwerpunkte sind dabei dichter besiedelte Landesteile, wie die Ballungsräume Leipzig, Chemnitz-Zwickau, Freiberg oder das Obere Elbtal.

Stare sind auch in unseren Ortschaften zuhause, in Städten wie Leipzig werden sie auch zunehmend zum Gebäudebrüter. Allerdings führen Sanierungsarbeiten oder Baumfällungen auch immer wieder dazu, dass Stare in Not geraten und menschliche Hilfe benötigen. Ihre Niststätten werden zerstört, oftmals sind Jungvögel noch in den Nestern und können dann von den Eltern nicht mehr versorgt werden. Das ist ein Verstoß gegen das Bundesnaturschutzgesetz und gegen das Tierschutzgesetz, passiert aber häufig in Leipzig, die Dunkelziffer ist sicherlich noch wesentlich höher.

Derart hilfsbedürftige Stare werden regelmäßig von der Wildvogelhilfe des NABU Leipzig betreut.

 

Stare in Not

Verkehrsopfer Star: Dieser Vogel wurde in Kleinpösna überfahren. Foto: Karsten Peterlein
Verkehrsopfer Star: Dieser Vogel wurde in Kleinpösna überfahren. Foto: Karsten Peterlein
Bauschaumopfer Star: Er hatte im Dachboden einen Nistplatz und wurde bei Bauarbeiten eingeschlossen. Foto: Karsten Peterlein
Bauschaumopfer Star: Er hatte im Dachboden einen Nistplatz und wurde bei Bauarbeiten eingeschlossen. Foto: Karsten Peterlein
Bei Dacharbeiten wurde ein Starennest freigelegt, nur dieser Jungstar wurde gerettet, seine Geschwister haben den Frevel nicht überlebt. Foto: Karsten Peterlein
Bei Dacharbeiten wurde ein Starennest freigelegt, nur dieser Jungstar wurde gerettet, seine Geschwister haben den Frevel nicht überlebt. Foto: Karsten Peterlein
Nachdem junge Stare aus der Wildvogelhilfe Leipzig in die Freiheit entlassen wurden, werden sie noch einige Tage gefüttert, so wie es auch ihre Eltern machen. Foto: Beatrice Jeschke
Nachdem junge Stare aus der Wildvogelhilfe Leipzig in die Freiheit entlassen wurden, werden sie noch einige Tage gefüttert, so wie es auch ihre Eltern machen. Foto: Beatrice Jeschke

Vortragsabend zum Vogel des Jahres

Bei einem Vortragsabend am 1. November 2017 wird der NABU Leipzig den Vogel des Jahres 2018 und geplante Mitmachaktionen vorstellen. Außerdem wird über die Aktionen berichtet, die zum Vogel des Jahres 2017 in Leipzig stattfanden. Alle Vogel- und Naturfreunde sind herzlich dazu eingeladen. Die Veranstaltung ist öffentlich und die Teilnahme kostenfrei.

1. November 2017, 19 bis 21 Uhr, Naturkunde­museum Leipzig, Lortzingstraße 3

Suchen

Bild der Woche

von Kathrin Florczyk
von Kathrin Florczyk

Für Mensch und Natur

Foto: NABU/Marcus Gloger
Foto: NABU/S. Zibolsky
Foto: NABU/F. Fender

Naturschutz online


Foto: NABU/Rolf Jürgens

Newsletter

Gemeinsam aktiv

Logo von www.tierische-logos.de

Für Biotop- und Artenschutz

Foto: Karsten Peterlein
Lustige Stofftiere, waschbar bis 40°C. Die Einnahmen werden für den Arbeitskreis Vogelschutz verwendet. Jedes Kuscheltier ist ein handgefertigtes Unikat aus Stoffresten und für 3 Euro erhältlich im NABU-Naturschutzbüro.
0,7 l  Bio-zertifizierter Apfelsaft von Streuobstwiesen • Direktsaft ohne Zuckerzusatz • 100 % Fruchtgehalt • 1,10 € + 0,25 € Pfand

Zur Jahreszeit