Vom 8. bis 10. Mai 2026 sind wieder alle Vogelfreunde aufgerufen, eine Stunde lang Vögel zu zählen und dem NABU zu melden. Wer mitmacht, beteiligt sich an einem der größten Citizen-Science-Projekten Deutschlands. Außerdem macht es Spaß, Vögel kennenzulernen und zu zählen. Von einem ruhigen Platz im Garten, Park, auf dem Balkon oder vom Zimmerfenster aus wird von jeder Vogelart die höchste Anzahl notiert, die im Laufe einer Stunde gleichzeitig beobachtet werden konnte. Meldeschluss ist der 18. Mai 2026.
Die Stunde der Gartenvögel findet in diesem Jahr zum 22. Mal statt. Über die Jahre hinweg konnte der NABU bereits einen einzigartigen Datenbestand zu den Vogelarten im Siedlungsraum in ganz Deutschland sammeln. Das ist ein großer Schatz für den Naturschutz, denn an den festgestellten Bestandstrends kann man Naturschutzmaßnahmen ausrichten und so die Arten gezielt schützen.
Besonderes Interesse gilt in diesem Jahr den Finken. In den vergangenen Monaten wurden regional wiederholt tote Buchfinken, Gimpel und Stieglitze gemeldet. Da diese meist an Futterstellen
gefunden wurden, könnte es sein, dass sich wieder Trichomonaden ausbreiten, die besonders für Finken tödlich sein können.
Ebenfalls im Fokus stehen die Spatzen. Bei der „Stunde der Wintervögel“ im Januar wurden deutschlandweit bedeutend weniger Haus- und Feldsperlinge gezählt. Bei der „Stunde der Gartenvögel“ kann
überprüft werden, wie sich die Zahlen weiterentwickelt haben, ob sich der negative Trend fortsetzt.
Jedes Jahr zur „Stunde der Gartenvögel“ lädt der NABU Leipzig zu Veranstaltungen ein, um über die Aktion zu informieren, außerdem wird dabei die heimische Vogelwelt vorgestellt, man kann gemeinsam die Vögel beobachten, und es gibt auch weitere Informationen zur Arbeit des NABU Leipzig. 2026 sind zwei öffentliche Exkursionen geplant:

Am Freitag begann die „Stunde der Gartenvögel“ mit den ersten gemeldeten Beobachtungen aus ganz Deutschland. Aus diesen ersten Zahlen ließ sich noch sehr wenig ableiten. Auf den vorderen Plätzen
zeigte sich das auch vielen Jahren gewohnte Bild – Haussperling, Kohlmeise und Amsel liegen auf den vorderen Plätzen.
Die Zahlen bei Haussperling und Amsel waren in den Vorjahren gesunken, am ersten Tag der „Stunde der Gartenvögel“ sahen die NABU-Experten aber Grund zur Hoffnung, dass sich die Zahlen bei diesen
Arten wieder stabilisieren.
Besonders im Fokus stehen 2026 die Finken. Es gab Berichte über vermehrte Totfunde an Futterstellen. Bei der „Stunde der Gartenvögel“ sollte ermittelt werden, ob sich das in einer geringeren Zahl
von Beobachtungen widerspiegelt. Auch wenn die Zahlen an Tag 1 der Vogelzählung noch wenig aussagefähig waren, deutete nichts darauf hin, die Zahlen von Stieglitz, Grünfink, Girlitz und Co.
scheinen stabil zu sein.
An Tag 2 der Vogelzählung hatte sich deutschlandweit in der Spitzengruppe aus Haussperling, Kohlmeise und Amsel nichts verändert. Auch Blaumeise, Star, Elster und Feldsperling hielten ihre Plätze
vier bis sieben.
Wie üblich weichen die Ergebnisse in Leipzig und Umgebung vom gesamtdeutschen Bild etwas ab. In der Großstadt Leipzig macht sich das urbane Umfeld bemerkbar bei der Artenzusammensetzung, das
Umland dagegen ins ländlich geprägt, sodass hier Vögel aus dem Ländlichen Raum häufiger beobachtet werden als im deutschen Durchschnitt bei der „Stunde der Gartenvögel“.
So lag in Leipzig beispielsweise Samstagabend der Mauersegler auf Platz zwei hinter dem Haussperling. Er ist ein typischer Stadtbewohner, der an höheren Gebäuden seine Nistplätze meist direkt
unter dem Dach findet. Trotz der vorderen Platzierung bei der „Stunde der Gartenvögel“ verzeichnete der Mauersegler in Leipzig Samstagabend aber ein Minus von 14 Prozent. Das kann verschiedene
Ursachen haben, beispielsweise ist es auch vom Wetter abhängig, wie gut Mauersegler zu zählen sind. Aber auch bestandsbedrohende Probleme können die Ursache sein, wie Nahrungs- und
Nistplatzmangel.

In Leipzig lag Samstagabend außerdem der Star auf Platz drei, die Amsel auf vier, erst danach kam die Kohlmeise. Im Umland lag der Star sogar auf Platz zwei, denn er profitiert von einer
ländlichen Umgebung mit Viehhaltung und Wiesen. Ebenso platzierte sich hier der Feldsperling weiter vorne als im deutschen Durchschnitt, auch diese Art ist eher im ländlichen Umfeld zuhause.
Trotzdem war zumindest Samstagabend beim Feldsperling im Leipziger Umlad verglichen zum Vorjahr ein deutliches Minus zu beobachten, im Kreis Leipzig von minus 51 und in Nordsachsen von minus 19
Prozent. Und auch in der Stadt Leipzig wies die Art Samstagabend ein Minus von 20 Prozent auf.
Die Zahlen beim Haussperling hatten sich Samstagabend deutschlandweit stabilisiert, Grund zur Entwarnung ist das aber wohl noch nicht. In Leipzig gab es nur ein geringes Plus verglichen mit dem
Vorjahr und in der „Spatzenhauptstadt“ Berlin sogar weiterhin ein Minus von 27 Prozent.

Der NABU Leipzig hatte am Samstag zur gemeinsamen öffentlichen Zählung eingeladen, zur „Stunde der Gartenvögel“ in der Kleingartenanlage „Fortschritt“. Schon seit einigen Jahren gibt es eine gute
Zusammenarbeit des NABU mit dem Kleingartenverein. Im Rahmen des Projektes „mein Biotop“ wurden schon mehrere biodiversitätsfördernde Maßnahmen umgesetzt. So wurden ein Sandarium und ein
Totholzhaufen angelegt, eine Nisthilfe für Insekten gebaut, eine Blühwiese eingesät und Sträucher gepflanzt. Auch ein Wildobstlehrpfad ist entstanden.
Bei der Vogelzählung wurden hier 19 Vögel aus 10 Arten erfasst. Die Teilnehmenden konnten junge Blaumeisen und Stare in ihren Höhlen hören. Die Altvögel suchten fleißig Nahrung, fütterten ihren
Nachwuchs und hielten das Nest sauber. Gartenrotschwanz- und Amselmännchen sangen um die Wette. In einer Linde war ein Rabenkrähennest zu sehen. Überraschend tauchte erst eine weibliche, dann
eine männlich Stockente auf der Wiese auf, die völlig ohne Scheu zwischen den arbeitenden Gärtner*innen herumspazierten. Auf dem Dach der Vereinsgaststätte konnte man 5 Haussperlinge beobachten.
Zum Schluss gab sich noch ein Grünspecht die Ehre.

Die zweite Zählrunde des NABU Leipzig fand am Sonntag, dem 10. Mai, im Botanischen Garten der Universität statt. Dank seiner außergewöhnlichen Vielfalt an Pflanzen bietet das Gelände ideale Lebensbedingungen für zahlreiche heimische Vogelarten. Entsprechend hoch waren die Erwartungen der Teilnehmenden und sie wurden nicht enttäuscht: Trotz trüber Wetterlage konnten insgesamt 30 Vögel aus 14 Arten beobachtet werden. Schon zu Beginn erklang aus allen Richtungen der Gesang von Amsel, Grünfink, Mönchsgrasmücke und Zilpzalp. Während die Erwachsenen versuchten, die Vögel in den Baumkronen mittels Fernglases ausfindig zu machen, machten die Kinder ihrerseits spannende Entdeckungen am Boden: Im neu angelegten Teich konnten mehrere Teichmolche beobachtet werden.
Genauer hinzusehen, lohnte sich auch später, als aus einer Gruppe Palmen ein leises Piepsen zu hören war, das zunächst keinem Vogel zugeordnet werden konnte. Erst als ein Amselmännchen darunter nach Nahrung suchte und schließlich im dichten Blattwerk verschwand, wurde das Rätsel gelöst: In der Krone saß ein Amsel-Ästling und wartete geduldig auf Futter. Auch andere Vogeleltern waren emsig unterwegs. Kohl- und Blaumeisen hatten Nistkästen bezogen und konnten bei der Nahrungssuche für ihren Nachwuchs beobachtet werden.
Beim Blick in den Himmel konnten noch weitere Arten der Zählliste hinzugefügt werden. Während ein Trupp Mauersegler in rasantem Tempo seine halsbrecherischen Flugmanöver zeigte, zogen hoch über dem Garten zwei Mäusebussarde ihre Kreise. Gemächlich glitt zudem ein Graureiher über das Gelände hinweg.
Wer Schwierigkeiten hatte, all die Vögel im dichten Grün der Vegetation oder trüben Grau des Himmels zu entdecken, konnte sie sich zum Abschluss ganz in Ruhe auf der neu angebrachten Tafel zur Leipziger Vogelwelt ansehen.

Traditionell wird bei der „Stunde der Gartenvögel“ auch nach dem jeweiligen „Vogel des Jahres“ Ausschau gehalten, Erfolgsaussichten bestehen hier besonders, wenn es sich um eine Vogelart im Siedlungsbereich handelt. Das ist in diesem Jahr nicht der Fall, denn „Amtsinhaber“ ist das Rebhuhn als „Vogel des Jahres 2026“. Deutschlandweit landeten dennoch bis Samstagabend immerhin 16 Rebhühner in der Statistik. Die Art lag damit auf Platz 113 von 175 Arten. Aus Sachsen wurde kein Rebhuhn gemeldet, es war am Samstag aber trotzdem Thema bei einer Veranstaltung des NABU Leipzig, denn die Auwaldstation hatte traditionsgemäß den NABU Leipzig eingeladen, den „Vogel des Jahres“ vorzustellen. Wie immer gab es einen Vortrag im „Kaminzimmer“ und anschließend eine vogelkundliche Exkursion. Dabei das sehr seltene Rebhuhn zu beobachten, war nicht zu erwarten, der „Vogel des Jahres“ hat seine letzten Lebensräume anderswo.

Im Umfeld der Auwaldstation findet man viele verschiedene Lebensräume in der Auenlandschaft: Fließgewässer, Teiche, Wald, den Schlosspark, die Siedlungsflächen von Lützschena und
landwirtschaftlich genutztes Offenland. Auch Privatgärten, Wiesen und Tierhaltung sowie alte Gemäuer bereichern die Vielfalt. Bei der vogelkundlichen Exkursion wurden dementsprechend mehr als 25
Arten beobachtet. Die Teilnehmer*innen waren überrascht von der Vielfalt und freuten sich, zu einigen Arten Neues zu lernen. Eine Rabenkrähe lieferte sich einen Luftkampf mit einem Mäusebussard;
Amselmännchen jagten sich gegenseitig durchs Unterholz; Nachtigall, Pirol und Kuckuck lieferten sich einen Gesangswettbewerb. Zilpzalp, Teichrohrsänger und Mönchsgrasmücke waren ebenfalls zu
hören. Sehr gut konnte man auch Mauersegler, Mehl- und Rauchschwalben gleichzeitig bei der Insektenjagd beobachten und dabei die Unterschiede der drei Arten.
Für die „Stunde der Gartenvögel“ wurde bei dieser Veranstaltung zwar geworben, aber die beobachteten Vögel wurden nicht gemeldet, da es sich bei dem Spaziergang nicht um eine Zählung handeln
sollte. Allerdings hatte der NABU Leipzig bereits am Freitag die Gelegenheit genutzt und im Lützschenaer Schlosspark eine Stunde lang die Vögel gezählt. 66 Vögel aus 23 Arten kamen dabei
zusammen.

Am Sonntagabend war die Spitzengruppe deutschlandweit unverändert: Haussperling vor Kohlmeise und Amsel, gefolgt von Star und Blaumeise.
Entwarnung gibt es wohl bei den Finken. Sie standen in diesem Jahr bei der „Stunde der Gartenvögel“ besonders im Fokus, weil vermehrt tote Finken an Futterstellen gefunden wurden. Es sollte sich
erweisen, ob sich das in sinkenden Beobachtungszahlen widerspiegeln würde. Das ist offenbar nicht der Fall.
Sorge machen hingegen die Spatzen. Samstagabend gab es Hoffnung auf eine Stabilisierung, doch einen Tag später gibt es deutschlandweit ein Minus von 8 Prozent beim Haussperling und von 10 Prozent
beim Feldsperling. In der „Spatzenhauptstadt“ Berlin sind es sogar minus 35 beim Haus- und minus 39 Prozent beim Feldsperling.
Sorge um die Spatzen macht sich auch der NABU Leipzig. Hier sind es Sonntagabend minus 7 Prozent beim Haus- und minus 15 Prozent beim Feldsperling. Seit vielen Jahren weist der NABU Leipzig immer
wieder auf die Probleme der gebäudebewohnenden Vogelarten hin. Dem Haussperling werden Jahr für Jahr die Lebensgrundlagen entzogen. Nistplätze werden „wegsaniert“, lebenswichtige Habitate im
Umfeld der Brutkolonien werden beseitigt – Hecken verschwinden, Sandböden werden zubetoniert, mit dem Stadtgrün verschwinden auch die Futterinsekten und samentragende Pflanzen, Hitze durch
Klimawandel kommt als Belastung noch hinzu, im Sommer fehlt den Spatzen vielfach auch ein Zugang zu Wasser. Warnungen und Appelle werden aber von Behörden und Gesetzgeber geflissentlich
ignoriert, das Artensterben geht weiter.
Es betrifft nicht nur die Gebäudebrüter, sondern zum Beispiel auch Vögel, die in den Hecken brüten, die mehr und mehr beseitigt werden. Noch vor kurzem war an vielen Stellen mitten in der Stadt
die Nachtigall zu hören, Sonntagabend hat auch sie ein Minus von 31 Prozent in Leipzig.
Jahr für Jahr liegt bei der „Stunde der Gartenvögel“ der Haussperling auf Platz eins. Obwohl seine Bestände sinken. Das liegt daran, dass die geselligen Vögel stets in größerer Anzahl
beisammensitzen. Deshalb kommen auch immer größere Zahlen auf die Zähllisten. Auf Platz zwei liegt üblicherweise die Kohlmeise, ein gut bekannter und häufig zu beobachtender Vogel.
In Leipzig zeigt sich Sonntagabend ein vom deutschen Durchschnitt abweichendes Bild. Platz eins hat überraschend der Mauersegler erobert. Auch er hat als Gebäudebrüter und insektenfressender
Zugvogel viele Probleme, aber in Leipzig ist er noch am Himmel zu sehen und jagt durch die Straßenzüge. Ähnlich wie beim Haussperling sind dabei meist mehrere Vögel gleichzeitig zu beobachten. So
hat er es geschafft, mindestens vorrübergehend, sogar den Haussperling zu überflügeln. Andererseits könnte das auch ein weiteres Indiz für den wirklich schlechten Zustand der Spatzenpopulation
sein.

Doch auch auf den folgenden Plätzen zeigt sich ein vom deutschen Durchschnitt abweichendes Bild. Die Kohlmeise belegt in Leipzig Sonntagabend erst Platz sechs. Vor ihr haben sich noch Star, Amsel
und Ringeltaube eingereiht. Die Ringeltaube, einst ein Vogel der Agrarlandschaft, hat sich in der Stadt an vielen Stellen angesiedelt und ist hier längs weit verbreitet, noch mehr gilt das für
den Star. Die Amseln hatten in den vergangenen Jahren unter einer Virusinfektion und Extremsommern zu leiden, ihre Beobachtungszahlen haben sich deutschlandweit und auch in Leipzig stabilisiert.
Ähnlich wie die Kohl- rangiert auch die Blaumeise in Leipzig deutlich weiter hinten, belegt hier nur Platz neun.
Auch im ländlich geprägten Leipziger Umland weicht das Bild Sonntagabend vom deutschen Durchschnitt ab. Hinter dem Haussperling liegt der Star weit vorne auf Platz zwei, auch der Feldsperling
liegt weiter vorne, nämlich auf Platz sechs. Trotzdem zeigt sich auch hier das „Sperlingsproblem“: Der Feldsperling verzeichnet Sonntagabend ein Minus von rund 30 Prozent.
Obwohl der Star sachsenweit ebenfalls ein Minus von 13 Prozent verzeichnet, liegt er sogar landesweit auf Platz zwei, in ganz Deutschland erst auf Platz vier. In Chemnitz schafft er es
Sonntagabend sogar auf Platz eins.
In Dresden hingegen ist so wie in Leipzig überraschenderweise ebenfalls der Mauersegler Sonntagabend auf Platz eins. Mit diesen Ergebnissen liegt er auch sachsenweit auf Platz fünf,
deutschlandweit nur auf Platz neun. Beim Mauersegler spielt aber jedes Jahr auch das Wetter eine Rolle, wie gut er zu beobachten ist. Die hohen Zahlen müssen deshalb nicht unbedingt etwas über
die tatsächliche Bestandsentwicklung verglichen zum Vorjahr aussagen.
Ohnehin sind alle Zahlen Sonntagabend nur Momentaufnahmen. Beobachtungen von der „Stunde der Gartenvögel“ kann man noch bis zum 18. Mai 2026 an den NABU melden. Erst danach können die Zahlen ausgewertet und abschließend
interpretiert werden.