Bat statt Bett beim StadtNaturErleben 2017

Veranstaltungen des NABU Leipzig zur Internationalen Fledermausnacht

Foto: René Sievert
Foto: René Sievert

Ende August sind die Fledermäuse in Paarungsstimmung, und sie futtern sich vor dem Winterschlaf Energiereserven an. An den lauen Abenden Ende des Monats kann man die fliegenden Säugetiere also bestens beobachten und mit Fledermausdetektoren belauschen, die ihre Ultraschalllaute für Menschen hörbar machen. Deshalb laden in zahlreichen Ländern Europas und darüber hinaus Naturschützer zur Internationalen Batnight ein. Mit dem Veranstaltungswochenende StadtNaturErleben hat sich in diesem Jahr auch der NABU Leipzig daran beteiligt.

Zum Auftakt gab es am Freitag, 25. August 2017, einen Vortrag im Naturkundemuseum und anschließend eine kleine Fledermausexkursion, am Samstag, 26. August 2017, fand ein Fledermausabend im Schloss Schönefeld statt und am Sonntag, 27. August 2017, konnten sich Fledermausfreunde bei einem Rundgang im Stünzer Park über den praktischen Fledermausschutz informieren.

Fledermausvortrag mit Andreas Woiton vom NABU-Naturschutzinstitut Leipzig. Fotos: Carola Bodsch

 

Zum Vortragsabend am Freitag kamen rund 30 Fledermausfreunde ins Naturkunde­museum. Andreas Woiton, Fledermausexperte des NABU Sachsen, informierte über die Fledermausarten und ihre Lebensweise. Alle Arten sind gesetzlich geschützt, aber dennoch ist ihr Überleben gefährdet. Hauptursache dafür ist der Verlust von geeigneten Lebensräumen und Unterschlupfmöglichkeiten sowie Nahrungsmangel, da auch die Lebensräume der Insekten immer weiter zerstört werden. In Leipzig sorgt der Bauboom für besonders große Probleme, weil Baumhöhlen, Ritzen und Fugen in Gebäuden mehr und mehr verschwinden. Das Bundesnaturschutzgesetz und das Tierschutzgesetz werden leider oftmals missachtet, so dass immer weniger Fledermäuse in der Stadt Leipzig zuhause sind, viele von ihnen sind außerdem unterernährt und unter den Jungtieren gibt es eine hohe Sterberate.

Nach dem Vortrag zeigte Wolfgang Kulick vom NABU Leipzig Fledermäuse, die sich in Pflege befinden, bevor sie wieder ausgewildert werden können. Dabei handelt es sich unter anderem um Opfer von Bauarbeiten oder von Hauskatzen, die mühsam gesundgepflegt werden müssen. Vor allem, um die anfallenden Futter- und Fahrkosten finanzieren zu können, bittet der NABU Leipzig alle Fledermausfreunde um Spenden (Stichwort "Fledermaus").

Zum Abschluss konnten bei einer kleinen Exkursion einige Fledermäuse am Elstermühlgraben unmittelbar neben dem Naturkundemuseum beobachtet werden. Fotos: René Sievert

 

Zum Abschluss des Eröffnungsabends folgte eine kleine Fledermausexkursion zum Elstermühlgraben unmittelbar neben dem Naturkundemuseum. Hier sind unter anderem Wasserfledermäuse bei der Jagd zu beobachten, die hier zum Teil auch ihre Quartiere unter Brücken haben.

Schloss Schönefeld. Foto: René Sievert
Schloss Schönefeld. Foto: René Sievert

Aufbau eines Fledermausfangnetzes am Schlossteich. Fotos: Carola Bodsch

 

Am Samstag trafen sich rund 50 Fledermausfreunde im Schloss Schönefeld zur Batnight. Andreas Woiton gab erneut eine kurze Einführung zum Thema, wobei er die heimischen Arten, ihre Lebensweise, ihre Probleme und Schutzmaßnahmen vorstellte. Zuvor hatte er zusammen mit Fledermausschützern des NABU Leipzig hinter dem Schloss einen Fangzaun und Detektortechnik aufgebaut. Nach dem Vortrag konnten sich

Fledermausvortrag im Schloss Schönefeld. Foto: Carola Bodsch
Fledermausvortrag im Schloss Schönefeld. Foto: Carola Bodsch

die Gäste bei den NABU-Mitstreitern über den praktischen Fledermausschutz und über die Pflege hilfsbedürftiger Fledermäuse informieren. Zudem konnte man sich mit Informationsmaterial versorgen, das im Saal ausgelegt war. Im hintere Teil des Saales gab es außerdem Speis und Trank speziell für Fledermausfans, nämlich Fledermäuse zum Essen und Fledermausblut zum Trinken. Dabei handelte es sich allerdings um Tiere aus Fruchtgummi und um eine leckere Mischung blutroter Fruchtsäfte mit Crush-Eis.

Nach dem Vortrag wurden die Zuhörer mit "Fledermausblut" bewirtet, ein leckerer roter Fruchtsaftmix. Fotos: René Sievert

 

Unterdessen meldeten die aufgestellten Fledermausdetektoren, die eine oder andere vorbeifliegende Fledermaus, die Sonne war versunken und die Mondsichel stand über dem Schlossteich. In dieser wunderbaren Atmosphäre vor dem erleuchteten Schloss versammelten sich dann die Gäste zur Fledermausbeobachtung. In dem für Demonstrationszwecke aufgestellten Fangnetz landeten ein Braunes Langohr und eine Mückenfledermaus, die man dann auch einmal aus der Nähe betrachten konnte, bevor sie schnell wieder freigelassen wurden. Auch Mitstreiter des NABU-Projekts „BatCity Leipzig“ nutzten diese Gelegenheit, um Erfahrungen zu sammeln.

Im Fangnetz landeten ein Braunes Langohr und eine Mückenfledermaus, die man dann auch einmal aus der Nähe betrachten konnte, bevor sie schnell wieder freigelassen wurden. Fotos: René Sievert

 

Treffpunkt für die Batnight war der Dorfplatz Stünz. Foto: René Sievert
Treffpunkt für die Batnight war der Dorfplatz Stünz. Foto: René Sievert

Am Sonntagabend stand abschließend der praktische Fledermausschutz im Fokus. Dazu waren ebenfalls noch einmal 25 Fledermausfreunde gekommen. Der NABU hat im Stadtgebiet und in Teilen des Auwalds Fledermauskästen installiert, die in der Regel schnell von den Tieren angenommen werden, was auch zeigt, wie wichtig solche Unterschlupfmöglichkeiten für die Fledermäuse sind. Besonders gerne werden nach den Beobachtungen des NABU Leipzig Holzbetonkästen angenommen. Im Stünzer Park wurden daher im Rahmen der Batnight vier Holzbetonkästen angebracht; der NABU Leipzig bedankt sich beim Amt für Stadtgrün und Gewässer der Stadt Leipzig für die Genehmigung dieser Artenschutzmaßnahme.

Aufhängen von Fledermauskästen im Stünzer Park. Fotos: Beatrice Jeschke

 

Bei dem Rundgang im Park gab es auch zahlreiche Informationen zu den Fledermausarten, die im Park leben oder ihn als Jagdrevier nutzen. Die Exkursionsteilnehmer konnten insbesondere über dem Parkteich mehrere Arten beobachten und mit dem Detektor belauschen. Dazu gehörten Große Abendsegler, Zwerg- und Wasserfledermäuse, deren Ultraschalllaute man sehr gut unterscheiden konnte. Weitere Fledermausrufe wurden mithilfe eines Laptops vorgestellt.

Fledermausexkursion im Stünzer Park. Fotos: René Sievert

 

Verkehrsprojekt bedroht Fledermauslebensraum

Bürger aus Stünz nutzten die Gelegenheit, um mit den NABU-Vertretern und den anderen Exkursionsteilnehmern über den Schutz Leipziger Grünflächen ins Gespräch zu kommen. Vor allem sorgen sie sich um die Zukunft des Parks der von einem großangelegten Verkehrsprojekt bedroht ist: Es gibt Pläne, eine breite Straße als Tangente für den Stadtverkehr durch den Park zu verlegen. Er würde damit seine Bedeutung für das Stadtklima, als Erholungsraum für Menschen und Lebensraum für Tiere verlieren. Der NABU lehnt die Verkehrsplanung als vollkommen verfehlt ab. Zusätzlicher Straßenverkehr wird die künftigen Mobilitätsprobleme der Stadt keinesfalls lösen. Hier sind umweltfreundliche und zukunftsweisende Lösungen dringend erforderlich. Außerdem wäre nach Ansicht des NABU Leipzig die Beeinträchtigung des Parks mit dem Naturschutzrecht unvereinbar.

Bei der Batnight konnte man an diesem stimmungsvollen Sommerabend viele Fledermäuse über dem Parkteich beobachten. Fotos: René Sievert

 

Der NABU Leipzig bedankt sich bei allen Gästen, Unterstützern und Partnern für die gelungenen Veranstaltungen der Batnight 2017, insbesondere beim NABU-Naturschutzinstitut Leipzig, beim Naturkundemuseum Leipzig und beim Verein Schloss Schönefeld. An Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltungen waren auch zwei Mitarbeiter beteiligt, die im Rahmen des Bundesprogramms „Soziale Teilhabe am Arbeitsmarkt“ vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert werden.

Braunes Langohr. Foto: NABU/Dietmar Nill
Braunes Langohr. Foto: NABU/Dietmar Nill

NABU bittet um Spenden für den Fledermausschutz

Der NABU Leipzig pflegt in Not geratene Fledermäuse, bis sie wieder ausgewildert werden können. Foto: Karsten Peterlein
Der NABU Leipzig pflegt in Not geratene Fledermäuse, bis sie wieder ausgewildert werden können. Foto: Karsten Peterlein
Auch Jungtiere gehören zu den Pfleglingen, sie müssen Fressen und Fliegen lernen. Foto: Wolfgang Kulick
Auch Jungtiere gehören zu den Pfleglingen, sie müssen Fressen und Fliegen lernen. Foto: Wolfgang Kulick
Die Pflegetiere werden mit nahrhaften Insekten gefüttert - eine kosten- und zeitintensive, ehrenamtliche Arbeit. Foto: Wolfgang Kulick
Die Pflegetiere werden mit nahrhaften Insekten gefüttert - eine kosten- und zeitintensive, ehrenamtliche Arbeit. Foto: Wolfgang Kulick

Gemeinsam mit der Ökologischen Station Borna-Birkenhain kümmert sich der NABU Leipzig auch im in Not geratene Fledermäuse, die vorrübergehend in menschlicher Obhut wieder fit gemacht werden für ein Leben in Freiheit. Das sind verletzte oder unterernährte Fledermäuse, verwaiste Jungtiere oder auch Tiere, die bei Bauarbeiten gerettet wurden.

Die ehrenamtliche Pflege dieser Tiere ist sehr arbeitsintensiv, vor allem die Fütterung nimmt viel Zeit in Anspruch, aber auch Flugtraining oder Körperpflege gehören dazu, zum Teil auch Lernprogramme für Jungtiere oder die Versorgung von Verletzungen. Das alles ist zudem mit hohen Kosten verbunden, die aus Spenden finanziert werden. Deshalb bittet der NABU herzlich alle Fledermausfreunde, diese Arbeit mit einer Spende zu unterstützen (Stichwort „Fledermaus“). Ebenso freut sich der NABU Leipzig, wenn Naturfreunde die Artenschutzaktionen und Arbeitseinsätze aktiv unterstützen – es gibt zahlreiche Mitmachmöglichkeiten, und das BatCity-Team freut sich über tatkräftige Verstärkung!

 

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