Silvester-Feuerwerk ist ein Schockerlebnis für Tiere

NABU Leipzig bittet um Rücksichtnahme

Bunte Feuerräder, zischende Raketen und krachende Böller: Feuerwerk gehört für viele Menschen zu Silvester und anderen Festen dazu – doch mehr und mehr wird auch vielen Menschen bewusst, dass mit dieser Tradition zahlreiche negative Auswirkungen verbunden sind – auf Tierwelt, Umwelt und Gesundheit. Und nicht zuletzt handelt es sich auch um eine große Geldverschwendung. Feuerwerk bringt vor allem zu Silvester jedes Jahr starke Feinstaubbelastung und enorme Müllmengen mit sich, zudem hat es schädliche Auswirkungen auf Wildtiere. Der NABU fordert darum ein Verbot privater Silvesterknallerei und eine Beschränkung auf zentral organisierte Feuerwerke, vorzugsweise als Lichtshow. Mit dieser Forderung wandte sich der NABU-Bundesverband Ende November 2022 an die Öffentlichkeit. Seit 2014 hatte zuvor bereits der NABU Leipzig jedes Jahr für einen Verzicht auf Silvesterfeuerwerk geworben.

 

Zum Jahresende ruft der der NABU Leipzig auch 2025 wieder dazu auf, kein Silvesterfeuerwerk zu zünden!

 

Eichhörnchen und andere Tiere werden durch die Knallerei im Schlaf oder gar in der Winterruhe gestört, geraten in Panik, verbrauchen wertvolle Energie und können sich verletzen, einige werden direkt von Feuerwerkskörpern schwer verletzt. Foto: Dani Hönig
Eichhörnchen und andere Tiere werden durch die Knallerei im Schlaf oder gar in der Winterruhe gestört, geraten in Panik, verbrauchen wertvolle Energie und können sich verletzen, einige werden direkt von Feuerwerkskörpern schwer verletzt. Foto: Dani Hönig

Bei Tieren löst die ungewohnte nächtliche Silvesterknallerei Panik aus. Deshalb bittet der NABU Leipzig darum, Feuerwerk zumindest in allen Schutzgebieten sowie auf Grünflächen und in Gartenanlagen zu unterlassen. Es gibt in der großen Stadt genügend betonierte und asphaltierte, baumfreie Plätze – das letzte bisschen Grün sollte man als Rückzugsgebiet der Tierwelt respektieren und nicht zur Partymeile machen. Außerdem sollten sich alle bemühen, Grünflächen und Gewässer nicht in Abfallplätze zu verwandeln. Diese „Silvestertradition“ hat keine Existenzberechtigung.

Wenn auf allen Grünflächen geböllert wird, können beispielsweise Vögel nur in die Höhe flüchten. Dadurch verlieren sie viel Energie. Sie finden keinen Schlafplatz und fliegen bis zur Erschöpfung umher. Für viele Vögel, aber auch andere Tiere hat der Silvester-„Spaß“ der Menschen schlimme Folgen. Im Rosental sowie im Clara-Zetkin- und im Johannapark gibt es im Winter große Schlafgemeinschaften von Vögeln. Neujahr werden dort leider jedes Jahr tote und verletzte Tiere gefunden – Opfer menschlicher Rücksichtslosigkeit. Verbrennungen, Schockzustände, geschädigte Hörorgane und andere Verletzungen werden bei Tieren nach Silvester festgestellt.

 

Solche Hinweisschilder hat der NABU Leipzig in verschiedenen Parkanlagen in der Stadt aufgehängt. Hier sollte man auf Silvester-Lärm verzichten. Foto: Karsten Peterlein
Solche Hinweisschilder hat der NABU Leipzig in verschiedenen Parkanlagen in der Stadt aufgehängt. Hier sollte man auf Silvester-Lärm verzichten. Foto: Karsten Peterlein

Um auf die Probleme hinzuweisen und die Menschen zu informieren, hat der NABU Leipzig auch in diesem Jahr wieder in verschiedenen Parkanlagen Hinweisschilder aufgehängt.

Die Appelle der vergangenen Jahre waren nicht ohne Erfolg – längst hat ein Umdenken der Menschen eingesetzt. Seit 2021 ergaben Umfragen immer wieder, dass rund 60 Prozent der Deutschen privates Feuerwerk ablehnen. Eine Umfrage von 2023 ergab, dass nur 37 Prozent der Befragten wollen, dass weiterhin allen Volljährigen das Silvesterfeuerwerk erlaubt bleibt. Eine andere Studie hat 2023 ergeben, dass lediglich 8 Prozent der Befragten vorhaben, selbst Silvesterfeuerwerk zu zünden, weitere 9 Prozent wollen das „wahrscheinlich“ machen, 11 Prozent „vielleicht“ – es handelt sich also um eine Minderheit von zusammen rund 28 Prozent.

 

2025 haben sich in einer Umfrage von RTL/ntv 60 Prozent dafür ausgesprochen, dass Silvester von Privatpersonen keine Raketen und Kracher gezündet werden dürfen. Eine Minderheit von 37 Prozent lehnte ein solches Verbot ab, nur 16 Prozent der Befragten planen einen Kauf von Silvesterfeuerwerk.

 

Zugleich gab es 2022 und 2023 einen Rekordverkauf von Silvesterfeuerwerk: Rund 180 Millionen Euro gaben die Deutschen dafür jeweils aus. 2023 waren die Beständ fast ausverkauft, daher hat der Handel Medienberichten zufolge für 2024 größere Mengen bestellt. Bei massiv gestiegenen Preisen erzielten sie einen weiteren Rekordumsatz von 197 Millionen Euro. Es handelt sich beim Feuerwerk aber leider um „Spaß“ auf Kosten der Mitmenschen und der Umwelt, zudem führt das Feuerwerk auch jedes Jahr zu zahlreichen Verletzten.

Dabei beschränkt sich das Problem nicht nur auf Silvester – leider gibt es über das ganze Jahr immer wieder private Feuerwerke – leichtfertig genehmigt oder illegal. Der NABU fordert deshalb auch ein grundsätzliches Verbot von Feuerwerken in der Brutzeit von März bis August, für das nur durch die Einschätzung von Fachgutachtern Ausnahmen erteilt werden dürfen. Feuerwerk in der Brutzeit kann den Bruterfolg beeinträchtigen, beispielsweise durch Nestaufgabe. Es gilt außerdem Abstände von mindestens 2.000 Metern zu Schutzgebieten und von 4.000 Metern zu Kranich- und Gänseschlafplätzen einzuhalten. Auch in der Nähe bekannter Fledermausquartiere darf es kein Feuerwerk geben.

Als Alternative zur privaten Silvesterknallerei schlägt der NABU vor, dass zentrale Feuerwerke organisiert werden, vorzugsweise als Lichtshow. Die Konzentration auf bestimmte Orte reduziert Müll und Lärm – so kann das neue Jahr rücksichtsvoller sowie umwelt- und naturfreundlicher begrüßt werden.

 

Der NABU-Regionalverband Leipzig wünscht allen ein gesundes neues Jahr!

  

Aushang     Pressemitteilung

 

 

Verletzungen, Gift, Lärm, Müll, Brände

Jede Silvesterrakete, die nicht gezündet wird, ist ein Gewinn für die Umwelt! Das Feuerwerk sorgt nicht nur für Lärm, sondern auch für Unmengen Abfall. Die Feuerwerkskörper bestehen zu zwei Dritteln aus Kunststoff. Eine Studie der Hochschule Pforzheim hat ergeben, dass durch Silvesterfeuerwerk in Deutschland jährlich 3.500 Tonnen Kunststoffmüll entstehen – das meiste davon liegt hinterher herum und vergiftet die Natur.

 

Eine weitere Gefahr für Umwelt und Gesundheit ist die extreme Feinstaubbelastung durch das Feuerwerk. Nach Angaben des Umweltbundesamts werden jedes Jahr mehr als 2.050 Tonnen Feinstaub durch Feuerwerk sinnlos freigesetzt, der größte Teil davon in der Silvesternacht. Diese Menge entspricht ca. einem Prozent der gesamt freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland. 

  

Foto: nickgesell/pixabay.com

Die konkrete Situation vor Ort ist vor allem von den Windverhältnissen abhängig, jedoch wird der von der Weltgesundheitsorganisation festgelegte Feinstaub-Grenzwert von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft in der Silvesternacht im Durchschnitt um das zwanzigfache überschritten. Feinstaub wirkt sich negativ auf die Gesundheit aus und führt zu einer erhöhten Sterblichkeit. Bereits eine kurzfristige (Stunden oder Tage andauernde), hohe Feinstaubbelastung kann laut Umweltbundesamt zu Bluthochdruck, Herzrhythmus­störungen sowie Krankenhauseinweisungen führen.

 

Alljährlich werden nicht nur Tiere, sondern auch Menschen durch das Feuerwerk verletzt. Nach Angaben der Krankenkassen werden in den Notaufnahmen am Neujahrstag dreimal so viele Menschen behandelt, wie an anderen Tagen. Ärzte sprechen dabei von unnormalen Verletzungen wie Verbrennungen oder abgetrennten Fingern. Nach Angaben des Deutschen Ärzteblatts erleiden jährlich rund 8.000 Menschen zu Silvester durch Feuerwerkskörper Verletzungen des Innenohrs; rund ein Drittel behält bleibende Schäden.

 

Beschränkungen für privates Feuerwerk

Einige Städte in Deutschland haben auch 2025 wieder in unterschiedlichem Ausmaß Beschränkungen für privates Silvesterfeuerwerk erlassen, darunter Aachen, Augsburg, Bamberg, Berlin, Bochum, Braunschweig, Bremen, Duisburg, Düsseldorf, Erfurt, Frankfurt, Goslar, Göttingen, Hamburg, Hameln, Hannover, Heilbronn, Hof, Ingolstadt, Kassel, Köln, Lübeck, Lüneburg, Marburg, München, Münster, Nürnberg, Regensburg, Schwerin, Stuttgart, Tübingen, Würzburg. In Dresden darf aus Naturschutzgründen in den verschiedenen Gebieten nicht geböllert werden; dazu gehören die Elbwiesen, die Elbtalhänge und die Dresdner Heide. In Leipzig hingegen sind entsprechende Bemühungen bisher gescheitert. Im Stadtrat gab es im November keine Mehrheit für ein Böllerverbot in der Innenstadt.

 

Schutzzonen für Wildtiere ausweisen

Die Leipziger Umweltverbände Ökolöwe, BUND Leipzig und NABU Leipzig haben daraufhin einen gemeinsamen Offenen Brief an die Stadtverwaltung geschrieben, darin fordern sie, die rechtlich bereits bestehenden Handlungsspiel­räume auszuschöpfen, statt auf Änderungen im Bundesrecht zu warten. Wildtiere müssen in ihren Lebensräumen wirksam geschützt werden! Das ist im Bundesnaturschutzgesetz bereits geregelt. Es verbietet, besonders geschützte Arten mutwillig zu beunruhigen. Ebenso dürfen europäische Vogelarten während der Überwinterung nicht erheblich gestört werden. Feuerwerk schreckt Vögel auf, die dann mit Gebäuden kollidieren oder an den Folgen des Schocks versterben. Jedes Jahr werden nach Silvester dutzende verletzte und tote Vögel, aus dem Winterschlaf gerissene Igel und traumatisierte Kleinsäuger gefunden.

 

Die Verbände fordern, dass die Stadt auf Basis des Sächsischen Naturschutzgesetzes Grünflächen und


Lebensräume geschützter Arten als Ruhezonen ausweist, in denen um den Jahreswechsel kein Feuerwerk abgebrannt werden darf. Gleichzeitig soll die Stadt geeignete alternative Flächen benennen, auf denen gefahrlos gefeiert werden kann. Weiterlesen

 

Pressemitteilung     Offener Brief 

 

Silvester-Party-Opfer

Foto: NABU Leipzig
Foto: NABU Leipzig

Eine Ringeltaube, eine Saatkrähe, eine Rabenkrähe, ein Haussperling und dieser Wiesenpieper (Foto) sind von der Wildvogelhilfe des NABU Leipzig in der Silvesternacht 2017 in Leipzig verletzt geborgen worden. Andere, häufig Kleinvögel, werden nicht rechtzeitg gefunden um zu helfen, sondern erliegen ihren Verletzungen. Der Wiesenpieper hatte Glück im Unglück weil er gefunden wurde. Mit seiner Schnabelverletzung nach Frontalaufprall könnte er nicht mehr fressen und würde verhungern. Der Unterschnabel ist an der Spitze gebrochen und der Oberschnabel deformiert. Das lässt sich in einem längeren Behandlungsprozess aber wieder richten.

 

Auch am Neujahrstag 2023 registrierte die Wildvogelhilfe Leipzig Tote und Schwerverletzte. Tot geborgen wurden ein Mäusebussard, ein Eisvogel, eine Amsel, eine Rabenkrähe, ein Grünspecht und ein Star. Verletzt aufgenommen wurden zwei Haussperlinge, eine Ringeltaube und zwei Igel.

 

Silvesteropfer 2023. Fotos: NABU Leipzig

 

Auf der Flucht vor Silvesterfeuerwerk hatte sich ein weiblicher Höckerschwan in einer Baumkrone verfangen und beim Absturz verletzt. Video: NABU Leipzig

Am 1. Januar 2024 konnten Spaziergänger beobachten, wie sich ein Höckerschwan auf der Flucht vor Feuerwerk in einer Baumkrone verfangen hatte. Er stürzte ab und landete regungslos am Boden. Die Wildvogelhilfe des NABU Leipzig wurde benachrichtigt, und ehrenamtliche Tierretter machten sich sofort auf den Weg, um den Vogel zu bergen. Am nächsten Tag wurde der geschwächte Vogel zum Tierarzt gebracht. Beim Röntgen wurden keine Knochenbrüche gefunden, aber der weibliche Höckerschwan konnte seine Beine nur eingeschränkt benutzen. Mit Schmerzmittel versorgt, blieb der Schwan zwei Tage in der Wildvogelhilfe, um zur Ruhe zu kommen.

 

Die ehrenamtlichen Vogelretter entschieden sich dann für eine schonende Therapie auf dem heimatlichen Teich des Schwans, auch um die Bindung zum Partnertier nicht zu gefährden. Bei Verletzungen an den Beinen ist die Gewichtsentlastung auf dem Wasser ideal, sodass sich Wasservögel draußen in der Regel schneller von ihrer Beeinträchtigung erholen als in einer Pflegestelle. Frau Schwan wurde vom Team in einem engen Raster überwacht und ihr Zustand besserte sich zur großen Freude innerhalb weniger Tage stetig.

 

Doch nach einer Woche bildete sich eine Eisdecke auf dem Teich, das Schwanenweibchen konnte aber noch nicht stabil stehen. Deshalb wurde der Vogel vom NABU gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Veterinäramtes wieder eingefangen. Erneut verbrachte der Schwan eine Nacht zur Stärkung in der Pflegestation des NABU Leipzig.

 


Am nächsten Tag wurde Frau Schwan zu ihrem Partner gebracht, der zwischenzeitlich auf dem benachbarten eisfreien Fluss verweilte. Das Weibchen zeigte eindrucksvoll, dass es hervorragend mit der der Strömung zurechtkam. Das war Grund zur Freude, und das Team der Wildvogelhilfe überwachte die Genesung des Tieres weiterhin, das seine Beine von Tag zu Tag immer besser nutzte.

 

Dieser Einsatz war sehr zeitaufwendig! Der NABU Leipzig bedankt sich sehr beim gesamten Team!

 

Tote und Schwerverletzte nach der Silvesternacht 2023: 1 Sperber ✝, 1 Rotkehlchen ✝, 1 Wintergoldhähnchen ✝, 1 Buntspecht ✝, 1 Ringeltaube ✝, 1 Amsel ✝, 1 Haussperling verletzt, 1 Amsel verletzt, 1 Höckerschwan verletzt. Die Dunkelziffer ist vermutlich hoch, denn Tiere die sich in Panik irgendwo verkriechen, werden selten gefunden. Ehrenamtliche des NABU Leipzig waren Neujahr den ganzen Tag im Einsatz. Fotos: NABU Leipzig

 

Ein Traumatisierter Haussperling lag in der Silvesternacht 2023 orientierungslos an einer Hauswand und kippt immer wieder auf den Rücken. Er wurde in die Pflegestation der Wildvogelhilfe des NABU Leipzig gebracht. Video: NABU Leipzig

Die Wildvogelhilfe Leipzig finanziert ihre Arbeit zur Tierrettung sowie Futter und Material ausschließlich aus Spenden

 

Bei Spenden bitte Verwendungszweck „Wildvogelhilfe“ angeben!

 

Wir freuen uns über jede Hilfe! Wer eine Spenden­bescheinigung benötigt, gibt bei einer Spende bitte seine Postadresse an. Herzlichen Dank allen Unterstützern!


 

Guter Vorsatz für das neue Jahr: Mehr Rücksicht auf Tier- und Umwelt – auf Silvesterfeuerwerk verzichten!

 

Kein Feuerwerk in der Brutzeit!

Foto: NABU/Jan Piecha
Foto: NABU/Jan Piecha

Die Frühlingszeit ist auch Zeit der ersten Ortsteil- und Sommerfeste in Leipziger Parks und Kleingartenanlagen. Neben vielen interessanten Angeboten krönen die Veranstalter diese Feste häufig mit Feuerwerken als besondere Attraktion. Vielen ist nicht bewusst, welch enormer Schaden für Umwelt, Menschen und Tiere damit verbunden sind. Der NABU Leipzig appelliert an alle: Feste kann man auch ohne Feuerwerk feiern!

 

Leider gibt es über das ganze Jahr immer wieder private Feuerwerke – leichtfertig genehmigt oder illegal. Der NABU fordert deshalb ein grundsätzliches Verbot von Feuerwerken in der Brutzeit von März bis August. Feuerwerk in der Brutzeit kann den Bruterfolg beeinträchtigen, beispielsweise durch Nestaufgabe. Zu Schutzgebieten muss bei Feuerwerken ein Abstand von mindestens zwei Kilometern eingehalten werden, auch in der Nähe bekannter Fledermausquartiere darf es kein Feuerwerk geben. Weiterlesen 

 

Panik im Schutzgebiet. Video: Jens Rosemann

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