Leipziger Insektenvielfalt

Die verborgene Welt der Sechsbeiner

Spannende Entdeckungen für Groß und Klein bei der NABU-Exkursion in die Welt der Insekten. Fotos: Beatrice Jeschke

 

Sie krabbeln, summen, flattern, hüpfen, sie sind wunderschön oder auch erschreckend, sehr nützlich oder auch gefährlich, sehr widerstandsfähig, aber auch zerbrechlich, sie sind Verwandlungskünstler und Rekordhalter und es sind vor allem sehr, sehr viele verschiedene Arten: Rund zwei Drittel der weltweit bekannten Tierarten sind Insekten.

Ihre unterschiedliche Lebensweise, Formenvielfalt und auch Schönheit ist beeindruckend. Einen kleinen Einblick in diese oft verborgene Welt der Krabbeltiere gab der NABU Leipzig am 23. Juli 2017bei der Exkursion „Leipziger Insektenvielfalt“. Der Leipziger Insektenkundler Marcus Held hat die kleinen oder großen Sechsbeiner vorgestellt, die am Plagwitzer Bahnhof zuhause sind.

Es gab großes Interesse bei den Naturfreunden, rund 40 Teilnehmer kamen zu dem Ausflug in die Insektenwelt, bei dem besonders die Heuschrecken im Mittelpunkt standen. Ödlandschrecke, Büffelzikade und Grünes Heupferd gehörten zu den „Sehenswürdigkeiten“.

Überraschend ist die farbliche Vielfalt, mit welcher die Blauflügelige Ödlandschrecke (Oedipoda caerulescens) auftritt und bei der  Exkursion zu sehen war. Schwer zu fotografieren war die Büffelzikade (Stictocephala bisoni). Zu den Langfühlerschrecken, die bei der Exkursion zu sehen waren gehören das Grüne Heupferd (Tettigonia viridissima) und die Westliche Beißschrecke (Platycleis albopunctata), die farblich sehr gut an die Umgebung angepasst ist. Fotos: Detlef Bischoff

 

Dramatischer Insektenschwund

Insekten sind ein wichtiger Teil des Ökosystems, zum Beispiel als Blütenbestäuber oder bei der Bodenbildung, sie sind auch unverzichtbar als Nahrung für viele andere Tierarten. Wissenschaftler haben festgestellt, dass in Deutschland die Zahl der Insekten dramatisch abgenommen hat, viele Arten sind davon betroffen, insbesondere Bienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen sowie Ameisen. Das ist ein Alarmsignal für den Zustand der Natur. Intensive Landwirtschaft, Flächenversiegelung und der Einsatz von Insektengiften haben vielen Tieren die natürliche Lebensgrundlage entzogen. Das bleibt auch für die Menschen nicht ohne Folgen. Vor allem aber macht es sich bereits bei Vögeln und Fledermäusen bemerkbar. Sie verlieren selbst immer mehr Unterschlupfmöglichkeiten und leiden durch das Insektensterben zudem auch noch unter Nahrungsmangel.

Hosenbiene. Foto:  NABU/Hans-Jürgen Sessner
Hosenbiene. Foto: NABU/Hans-Jürgen Sessner
Die Goldene Acht ist Schmetterling des Jahres 2017. Foto:  NABU/Erich Hans-Dieter Knopf
Die Goldene Acht ist Schmetterling des Jahres 2017. Foto: NABU/Erich Hans-Dieter Knopf

In Deutschland gibt es mehr als 500 Wildbienenarten. Sie sind vom Insektenschwund besonders stark betroffen. Ihr Aussterben wäre ein Drama, weil sie als Bestäuber für viele Pflanzenarten eine wichtige Rolle spielen, letzlich auch bei der Bestäubung vieler Nutzpflanzen des Menschen.

Schmetterlingsarten sind ebenfalls besonders bedroht. Auch sie sind auf Blütenpflanzen angewiesen, die in der Agrarlandschaft immer seltener werden. Selbst in vielen Gärten wachsen nur exotische Zuchtformen, die ihnen keinen Nektar als Nahrung bieten. Daneben benötigen die Schmetterlinge Futterpflanzen für die Larven. Allerdings wachsen auch diese Futterpflanzen immer seltener, fallen der Lebensraumvernichtung, einer veränderten Bewirtschaftung oder auch der „Unkrautbekämpfung“ zum Opfer.

 


Lebensraum zum Summen, Flattern, Zirpen

Der Schutz der Insekten ist ein wichtiges Anliegen des NABU. Entscheidend dabei ist der Erhalt geeigneter Lebensräume – und dabei kann jeder helfen. Blühende Wiesen statt kurzgemähter Rasen, wilde Ecken statt aufgeräumte Gärten, Verzicht auf Insektengifte – es gibt viele Möglichkeiten, wie jeder einen kleinen Beitrag zum Lebensraum- und Insektenschutz leisten kann. Auch bei der Pflege von Parkflächen und Grünanlagen in Leipzig könnte noch sehr viel mehr dafür getan werden, sie als Lebensräume in der Stadt zu erhalten: Das Laub liegen lassen, hohe Stauden und Blütenpflanzen stehen lassen, anstatt sie ständig kurz zu mähen, heimische Sträucher mit Blüten und Früchten anpflanzen, anstatt Gebüsch einem verfehlten Ordnungssinn oder dem Bauboom zu opfern und vieles mehr. Das wichtigste ist jedoch ein Umdenken in der Landwirtschaft, wofür sich der NABU gerade im Jahr der Bundestagswahl und auch auf EU-Ebene einsetzt. Die intensive Landwirtschaft mit monotoner Flächenbewirtschaftung, Bodenzerstörung und Gifteinsatz gefährdet die Artenvielfalt und die gesunde Umwelt.

Mit verschiedenen Aktionen versucht der NABU Leipzig auch praktisch etwas für den Insektenschutz und gegen den Lebensraumverlust zu tun. So hat der NABU Leipzig soeben ein Faltblatt mit Tipps für naturnahes Gärtnern veröffentlicht, außerdem setzt sich der NABU gegen den Verlust von Brach- und Grünflächen in der Stadt ein. Sachsenweit wirbt der NABU auch für eine Insektenfreundliche Wiesenpflege mit dem Projekt „Puppenstuben gesucht“, woran sich der NABU Leipzig unter anderem mit der Streuobstwiese in Knauthain beteiligt.

 

Zusätzlich zu der Insekten-Exkursion am 23. Juli bietet Marcus Held auch einen Vortrag zum Thema „Leipziger Insektenvielfalt“ an. Dazu lädt der NABU Leipzig am 6. September 2017, 19 bis 21 Uhr, ins Naturkundemuseum Leipzig ein.

 

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