Jedes Jahr im Mai zieht eine Schar Naturschutzmacher*innen in die Luppeaue bei Schkeuditz. An den Papitzer Lachen pflegt der NABU Leipzig dort im Naturschutzgebiet seit vielen Jahren Wiesenflächen. Sie sind Landlebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten, die in dem Feuchtgebiet zuhause sind. Nur durch die Mahd kann man die Flächen vor Verbuschung schützen und die Wiesen langfristig erhalten. Außerdem verbessert sich durch die ökologisch orientierte Mahd die Vegetation auf den Wiesen, insbesondere wird der Große Wiesenknopf speziell gefördert – eine Pflanze, die wiederum für das Überleben des Wiesenknopf-Ameisenbläulings essenziell ist. Der kleine Schmetterling legt nur an ihr seine Eier ab.
Die Mahd erfolgt insektenfreundlich. das heißt, es wird nur ein Teil der Fläche gemäht, während der Rest stehen bleibt und weiterhin der Tierwelt als Rückzugsgebiet dienen kann. Im Frühling erfolgt die Mahd mit Handsensen, bei der zweiten Mahd im Herbst kommen Motorsensen zum Einsatz. Mit Holzrechen wird das Mahdgut zusammengeharkt, dann mit Heugabeln auf Segeltuchplanen verladen und zum Rand der Fläche transportiert, wo das Material kompostiert wird. So werden Nährstoffe von der Wiesenfläche geholt, was die an diese Standorte angepasste Artenvielfalt fördert.
Fotos: Beatrice Jeschke, René Sievert
Die Frühlingsmahd war für den 16. und 17. Mai 2026 geplant. Am Sonnabend versammelten sich 13 Naturschutzmacher*innen. Für den 17. hatten sich leider nicht genug Freiwillige gemeldet, weshalb das Team versuchte, alle Arbeiten an einem Tag zu schaffen, was glücklicherweise gelang. Danach waren alle erschöpft, aber glücklich angesichts des Erfolges.
Transport der Arbeitsgeräte zum Einsatzort im Naturschutzgebiet. Fotos: Ulrike Weller
Wie immer mussten als erstes die Arbeitsgeräte einige hundert Meter durch unwegsames Gelände und Unterholz zum Einsatzort gebracht werden – bergauf, bergab, über Stock und Stein, unter umgestürzten Baumstämmen hindurch oder oben drüber. Endlich an der ersten Wiese angekommen gab es eine kurze Einweisung, danach begannen zügig die Arbeiten. Bis zur Mittagspause war diese Wiese fertig gemäht. Eine Zusatzaufgabe war dieses Mal noch, auf der Wiese ein Loch zuzuschütten, dass dort für Wissenschaftliche Untersuchungen vor einigen Jahren gegraben wurde, aber inzwischen nicht mehr benötigt wird.
Natur in der Luppeaue. Fotos: René Sievert, Beatrice Jeschke
In der Pause versammelten sich alle an einer auf dem Boden ausgebreiteten Kunststoffplane, die als Tischtuch diente. Unter anderem kamen Gemüse, Aufstriche, selbstgebackenes Brot und selbstgebackener veganer Rhabarberkuchen auf den „Tisch“. Dazu gab es Apfelsaft vom NABU Erzgebirge und viele interessante Gespräche.
Nach der Pause teilte sich der Arbeitstrupp auf. Eine kleine Gruppe kümmerte sich nachmittags um die Wiese am Dammweg und die größere Gruppe um die östlichste Wiese. Alle drei befinden sich auf den Grundstücken, die der NABU dank Spendengeldern an den Papitzer Lachen erwerben konnte, um sie naturschutzgerecht zu pflegen und zu erhalten.
Kleines Fünffleck-Widderchen (links) und die Larve eines Eulenfalters – grüne Schmetterlingsraupen fanden die Schutzhüllen der Sensenblätter anziehend. Fotos: Beatrice Jeschke, René Sievert
Der Arbeitseinsatz ist stets auch ein schönes Naturerlebnis. Das Frühlingswetter war genau richtig. Begleitet wurden die Arbeiten von den permanenten Rufen der Rotbauchunken und vom Quaken der
Grünfrösche. Drosselrohrsänger, Rohrschwirl, Nachtigall, Pirol, Zilpzalp und viele weitere Vögel waren zu hören, darunter auch Zwergtaucher und Blessrallen. Höckerschwäne schwammen auf den
Gewässern, am Himmel zogen Rotmilan und Bussarde ihre Kreise sowie zahllose Mauersegler und Schwalben auf Insektenjagd. Auch mehrere Kraniche flogen vorüber, ließen später noch ihre Rufe hören.
Der Kuckuck war nicht nur zu hören, sondern man konnte ihn auch fliegen sehen, während auf der Wiese die Kuckucks-Lichtnelken in der Frühlingssonne leuchteten. Mehr Kuckuck geht nicht.
Gebänderte Prachtlibelle, Blutzikade, Weißstorch. Fotos: Beatrice Jechke, Ulrike Weller
Zufälligerweise mähte nicht nur der NABU an diesem Tag seine Wiesen, sondern auch ein Landwirt. Diese Aktion lockte Weißstörche an, die auf den gemähten Flächen aufgescheuchte kleine Tiere
erbeuten.
Auf der östlichsten Wiese saßen mehrere Gebänderte Prachtlibellen relativ träge, an den Halmen hier und da Blutzikaden. Zum Schutz der Sensenblätter stecken diese in zugeschnittenen B-Schläuchen.
Die herumliegenden Schutzhüllen hatten offenbar eine Anziehungskraft auf grüne Schmetterlingsraupen, die sich daran fotografieren ließen.

Bei der Mahd im Herbst war von einer Motorsense ein Tankdeckel abgefallen. Wie gründlich das Mahdgut dieses Mal zusammengeharkt wurde, sieht man daran, dass der verlorene Deckel dabei jetzt im
Frühling wieder aufgefunden wurde. Im Gebiet wurde außerdem einiger Müll gefunden und gleich eingesammelt. Obwohl es schon anstrengend genug ist, die Arbeitsgeräte zu transportieren, wurde der
eingesammelte Müll auf dem Heimweg auch mitgenommen.
Am Ende wurde noch der Rest des Rhabarberkuchens verspeist, bevor sich alle verabschiedeten. Vielen Dank an alle fleißigen Unterstützer!
Die nächste Mahd des NABU Leipzig ist schon wenige Tage später auf dem Biotop
Winzerweg geplant, und die Herbstmahd an den Papitzer Lachen soll am 17.
und 18.
Oktober stattfinden. Helfer sind dabei wieder herzlich willkommen.
Videos und Fotos:: Ulrike Weller, Beatrice Jeschke, René Sievert Musik: HoliznaCC0: Spring At Last (Free Music Archive) [CC0]