Ein Tag auf den Spuren der Fledermäuse

Teilnehmer des BatCity-Kurses lernen Fledermausschutz in Theorie und Praxis kennen

Am 13. Mai 2017 traf sich das Leipziger BatCity-Team erneut. Nach dem Einführungsseminar am 1. April stand nun die Praxis auf der Tagesordnung.

Der Seminartag begann im Viertel an der Diderotstraße, wo man Positiv- und Negativbeispiele für die Sanierung von Plattenbauten direkt nebeneinander sehen kann. Fotos: René Sievert

 

Startpunkt war das Leipziger Stadtviertel an der Diderotstraße/Yorkstraße. Hier stehen unterschiedlich ausgestaltete Plattenbauten. Eine Schule ist gar nicht saniert; sie bietet zahlreichen Fledermäusen, aber auch anderen gebäudebewohnenden Tierarten, gute Einschlupfmöglichkeiten. Da solche Plattenbauten in den letzten Jahrzehnten in Leipzig, aber auch im übrigen ehemaligen DDR-Gebiet umfangreich saniert wurden, sind Fledermausquartiere in sehr großer Zahl verloren gegangen, denn oftmals wird versäumt, Ausgleich zu schaffen. Andreas Woiton, Fledermausexperte des NABU Sachsen, erklärte, dass es keine Verpflichtung gibt potenzielle Quartiere zu ersetzen, nur bei einem tatsächlichen Fledermausnachweis ist dies vorgeschrieben; der Nachweis aber fehlt in vielen Fällen. Genau hier sollen die Fledermausschützer, die im Projekt BatCity Leipzig ausgebildet werden in Zukunft helfen. Die Suche nach Fledermausquartieren ist eine wichtige Aufgabe, die der NABU Leipzig mit dieser neuen Unterstützung angehen will.

Fotos: Karsten Peterlein

 

Neben der unsanierten Plattenbauschule sind zahlreiche sanierte Wohnhäuser in dem Viertel zu finden. Bei einigen wurde auf vorbildliche Weise der Artenschutz integriert: Kästen und Einflugmöglichkeiten für Fledermäuse, Mauersegler und Haussperlinge wurden unauffällig in die sanierte Fassade integriert. So ist Mensch und Tier geholfen.

Bei anderen Plattenbauten hat man darauf verzichtet, die Einschlupfmöglichkeiten unter dem Dach zu verschließen. Auch hier finden die gebäudebewohnenden Untermieter noch Wohnraum. An anderen sanierten Plattenbauten in dem Viertel sind jedoch alle Einschlupfmöglichkeiten beseitigt worden, hier wird man Haussperlinge, Mauersegler und Fledermäuse nicht mehr antreffen. An einem Haus gibt es sogar Abwehrmaßnahmen gegen Mehlschwalben, die vor der Sanierung ihre Nester an der Fassade hatten.

Die Artenschutzexperten des NABU Leipzig konnten den Seminarteilnehmern also anschaulich zeigen, wie man mit einfachen Mitteln etwas für die gebäudebewohnenden Tierarten tun kann, oder wie man ihnen achtlos und zum Teil rechtswidrig die Quartiere wegnimmt.

Begleitet wurde die Gruppe bei diesem Praxistag auch von Sebastian Kolberg, Fledermausexperte des NABU-Bundesverbands und BatCity-Projektkoordinator. Er freute sich über die Eindrücke aus der praktischen Naturschutzarbeit und konnte auch selbst den Teilnehmern viel Wissenswertes vermitteln.

An der Kirche Sommerfeld sind viele Artenschutzmaßnahmen berücksichtigt worden, und sie wurde mit der NABU-Plakette "Lebensraum Kirchturm ausgezeichnet. Fotos: René Sievert

 

Nach dem Rundgang im Plattenbauviertel steuerten die Teilnehmer mit vollbesetzten PKW den Stadtteil Sommerfeld an. Hier wurden sie von Pfarrer Johannes Ulbricht begrüßt, denn die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Engelsdorf-Sommerfeld-Hirschfeld ist Partner des NABU beim Artenschutz und wurde 2015 mit der NABU-Plakette „Lebensraum Kirchturm“ ausgezeichnet.

Foto: René Sievert
Foto: René Sievert

Pfarrer Ulbricht führte die Seminarteilnehmer zunächst einmal rund um die Kirche und zeigte die zahlreichen Einflugmöglichkeiten und Vogelnisthilfen. Daneben erzählte er Interessantes aus der Nachkriegsgeschichte des Gebäudes und gab auch viele Anekdoten aus dem praktischen Naturschutzrecht zum Besten. „Wer keinen Artenschutz am Gebäude macht, hat seine Ruhe; wer sich um die Mitgeschöpfe kümmert, hat hingegen viel Bürokratie zu ertragen, einiges Absurdes“, beklagte der Pfarrer. Gerne zeigt er jedoch die Kirchenbewohner auch den Christenlehrekindern und sorgt sich um jede einzelne Dohle im Kirchturm.

Foto: Karsten Peterlein
Foto: Karsten Peterlein

Nach dem Rundgang zeigte der Pfarrer einige Fotos von den Bewohnern seiner Kirche, zu denen zum Beispiel Turmfalke, Dohle und Haussperling gehören. Dann führte er die Seminarteilnehmer in den Kirchturm, wo man einigen Bewohnern direkt begegnen konnte.

In der Kirche gibt es auch viele Hilfsangebote für Fledermäuse, die aber bisher nicht genutzt werden. Nur mit Mühe konnte man ein paar einsame Kotkrümel finden. Dennoch sahen die Seminarteilnehmer hier schöne Beispiele für aktiven Artenschutz – das war das Ziel dieser Exkursion, die mit dem Besuch der Kirche Sommerfeld auch noch längst nicht zuende war. Anschließend ging es nämlich noch zur Kirche Hirschfeld, wo man weitere Beispiele für Artenschutzmaßnahmen kennenlernen konnte. Hier hatte Pfarrer Ulbricht auch schon einmal eine Fledermaus in der Kirche entdeckt. Tatsächlich fanden die BatCity-Teilnehmer hier mehr Kotkrümel, aber keine bewohnten Fledermausquartiere. In dem ländlichen Umfeld dieser Vororte von Leipzig haben die Tiere offenbar genug attraktive Alternativen. Spannend war die Fledermaussuche in dem alten Gemäuer und zwischen alten Holzbalken aber allemal.

In der Kirche Hirschfeld haben die Fledermausschützer nach Spuren und Quartieren gesucht, zumindest etwas Fledermauskot konnten sie finden. Fotos: René Sievert

Lebensraum Kirchturm: Die Kirchen Sommerfeld und Hirschfeld sind von Hausperlingen, Dohlen und Turmfalken bewohnt. Fotos: Beatrice Jeschke

 

Anschließend sollten eigentlich noch weitere Leipziger Kirchen angesteuert werden, doch diese Gemeinden waren nicht zur Zusammenarbeit bereit gewesen. Deshalb wurde nach dem Projekt „Lebensraum Kirchturm“ ein weiteres Erfolgsprojekt des NABU Leipzig vorgestellt: die Lebendigen Friedhöfe. Zu diesen zählt vor allem auch der Südfriedhof, der am Nachmittag ein weiteres BatCity-Exkursionsziel war. Auf dem parkartigen Gelände hat der NABU Leipzig einige Fledermauskästen installiert, und immer wieder kann man hier am Abend auch Fledermäuse beobachten. Zudem wurde im April 2016 vom NABU Leipzig ein 

Auf dem Südfriedhof wurden verschiedene Fledermauskästen untersucht, in einem konnten die Seminarteilnehmer tatsächlich ein schlafendes Tier entdecken. Fotos: René Sievert, Karsten Peterlein

 

Winterquartier für Fledermäuse auf dem Südfriedhof eingerichtet. Es ist nicht öffentlich zugänglich, die Seminarteilnehmer konnten jedoch hier einmal einen Blick hineinwerfen. Außerdem wurden einige der aufgehängten Fledermauskästen kontrolliert, wobei man auch ein schlafendes Tier entdecken und im Kasten von unten sehr gut sehen konnte. Ausreichend helle Taschenlampen gehörten ohnehin zum Rüstzeug der Fledermausschützer.

Besuch im Fledermauswinterquartier, das der NABU Leipzig auf dem Südfriedhof in bisher ungenutzten Hohlräumen unter Treppenstufen eingerichtet hatte. Fotos: René Sievert

 

Das letzte Ziel des Tages war die Auwaldstation Leipzig. Hier versammelten sich die Seminarteilnehmer unter dem Freidach im Innenhof zu einem leckeren Abendbrot. Getränke, Baguette, Aufstrich und andere Leckerbissen hatten sie mitgebracht, zudem gab es Veganes und Fleischliches vom Holzkohlegrill. Dabei entpuppte sich NABU-Fledermausexperte Sebastian Kolberg auch noch als Grillmeister.

Gemeinsames Abendessen im Innenhof der Auwaldstation Leipzig. Foto: Karsten Peterlein
Gemeinsames Abendessen im Innenhof der Auwaldstation Leipzig. Foto: Karsten Peterlein

Doch die Pause währte nicht lange, denn es galt noch vor dem Dunkelwerden die Fang- und Detektortechnik aufzubauen. Um 20.30 Uhr begann dann eine öffentliche Fledermausexkursion im Schlosspark Lützschena. Sie fand zum Tag der Artenvielfalt statt, der am selben Tag vom Projekt „Lebendige Luppe“ organisiert worden war, und der mit dieser Abendexkursion endete. Diese Veranstaltung der Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit ermöglichte somit den BatCity-Teilnehmern auch einen ganz praktischen Einblick in diese Tätigkeitsfelder des Fledermausschutzes.

Und die Fledermäuse ließen sich nicht lange bitten: Bereits vor dem Dunkelwerden waren einige Zwergfledermäuse unterwegs, vermutlich getrieben vom Hunger, denn die Witterung der vorangegangenen Wochen war ausgesprochen fledermaus-unfreundlich. Pünktlich mit der beginnenden Dämmerung kamen auch die Großen Abendsegler hervor. Sie waren mit bloßem Auge oder mit dem Fernglas gut zu beobachten, aber auch mit Fledermausdetektoren gut zu registrieren.

Um den nächtlichen Fledermausfang zu demonstrieren, wurde ein Stellnetz aufgebaut. Foto: Beatrice Jeschke
Um den nächtlichen Fledermausfang zu demonstrieren, wurde ein Stellnetz aufgebaut. Foto: Beatrice Jeschke

Mit der fortschreitenden Dämmerung kamen weitere Fledermausarten hinzu, parallel gab es von den Fledermausexperten Andreas Woiton und Sebastian Kolberg viel Wissenswertes über diese interessanten Tiere, zu Gefährdungsursachen und zur Arbeit des NABU.

22.30 Uhr endete die Führung offiziell und die BatCity-Leute waren wieder unter sich, aber keineswegs allein. Denn einige Fledermäuse konnten mit dem Stellnetz gefangen und untersucht werden – eine einzigartige Erfahrung für die Seminarteilnehmer.

Zum Ende wurden noch bei Gewitter und Starkregen die weiteren Pläne diskutiert und schon am nächsten Tag wurden mit einem extra eingerichteten E-Mailverteiler die ersten Informationen zum Fledermausschutz in der BatCity Leipzig verschickt.

Abendliche Fledermausexkursion an der Auwaldstation und im Schlosspark Lützschena. Fotos: Karsten Peterlein

 

Der NABU Leipzig bedankt sich bei den Seminarteilnehmern, bei Pfarrer Ulbricht, bei der Friedhofsverwaltung, beim Team der Lebendigen Luppe und bei den Mitarbeitern der Auwaldstation für die Zusammenarbeit.

Vom Licht angelockt, ließ sich am Ende des Tages noch ein Maikäfer fotografieren. Foto: René Sievert
Vom Licht angelockt, ließ sich am Ende des Tages noch ein Maikäfer fotografieren. Foto: René Sievert

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