Faszinierende Welt der Fledermäuse

Wenn es Nacht wird in Leipzig, gleiten Fledermäuse leise durch Hinterhöfe, Straßenzüge und Parks. Von vielen unbemerkt gibt es die Säugetiere doch reichlich in der Stadt, denn die vielen Wasserläufe, Seen, Tümpel und alten Parkanlagen Leipzigs bieten ihnen gute Lebensbedingungen. Vor allem der Auwald als grünes Herz Leipzigs schenkt ihnen Wohnraum und Futter. Fledermäuse sind faszinierende Wesen. Wer sich mit ihnen beschäftigt, lernt die Welt auf eine andere Weise kennen. Denn die kleinen Nachtwesen sehen mit den Ohren. Während ihres Fluges stoßen sie ständig Rufe aus, die so hoch sind, dass wir Menschen sie nicht hören können. Diese Ultraschallrufe werden von allen Strukturen und Hindernissen in der Flugbahn der Tiere reflektiert. Aus den gehörten Echos wissen die fliegenden Säugetiere, wie ihre Umgebung aussieht und wo eine Mücke oder ein Käfer zu fangen ist. Dabei sind Fledermäuse keineswegs blind, aber zur schnellen Insektenjagd in dunklen Nächten taugen ihre kleinen Augen wenig. Zum Wechsel zwischen den Lebensräumen im Sommer und den Winterschlaf-Quartieren unternehmen einige Fledermäuse weite Wanderungen. Ähnlich Zugvögeln fliegen sie im Herbst nach Süden und kehren im Frühling zurück.

 

Leipziger Artenvielfalt

Flughunde (Megachiroptera) und Fledermäuse (Microchiroptera) bilden die rund 1.100 Arten umfassende Säugetierordnung der Fledertiere (Chiroptera). Sie leben in fast allen Regionen der Erde, erreichen jedoch in den Tropen und Subtropen die größte Artenzahl. In Mitteleuropa kommen rund 30 Fledermausarten vor. Davon wurden bisher 25 in Deutschland und 20 in Sachsen nachgewiesen. lm Leipziger Raum sind Vorkommen der Wasserfledermaus (Myotis daubentonii), der Rauhhautfledermaus (Pipistrellus nathusii), des Großen Abendseglers (Nyctalus noctula), der Breitflügelfledermaus (Eptesicus serotinus) und des Braunen Langohres (Plecotus auritus) nachgewiesen. Leipzig hat mit seinen zahlreichen Stadtparks und dem Rosental sowie den vielen Kleingartenanlagen einen hohen Grünflächenanteil. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass sich diese Arten auch im Stadtgebiet von Leipzig heimisch fühlen.

 

Foto: NABU/Dietmar Nill
Foto: NABU/Dietmar Nill

Die Wasserfledermaus ist in ihren Lebensraumansprüchen sehr anpassungsfähig. Die Mehrzahl der Tiere jagt über Gewässern oder in Gewässernähe, einzelne Tiere können auch in Wäldern, Parks oder auf Streuobstwiesen beobachtet werden. Die Quartiere liegen entweder in gewässerbegleitenden Gehölzstreifen, in Auwäldern oder in Siedlungen. Die Wasserfledermaus bevorzugt für ihre Wochenstuben vor allem Baumhöhlen und Fledermauskästen, nutzt jedoch auch Gewölbespalten. lhre Winterquartiere findet sie in Felshöhlen, Stollen, Kellern und Brücken. Wasserfledermäuse jagen in schnellem und wendigem Flug direkt über der Wasseroberflache (5 - 40 cm Höhe). Der Bestand dieser Art hat seit den 1950er Jahren stark zugenommen und ist nirgendwo gefährdet. Der Hauptgrund für die Zunahme dürfte die Gewässer-Eutrophierung und eine damit einhergehende Zunahme des Nahrungsangebotes gewesen sein.

 

Foto: NABU/Eckhard Grimmberger
Foto: NABU/Eckhard Grimmberger

Die Rauhhautfledermaus ist in Ostsachsen häufig und kommt nur vereinzelt in Westsachsen vor. Diese Art bevorzugt wald- und gewässerreiche Landschaften in den Niederungen sowie Parklandschaften. Als Quartiere nutzt diese Art hauptsächlich Rindenspalten und Baumhöhlen, aber auch Fledermaus- und Vogelkästen. Wochenstuben wurden in Holzverkleidungen von Scheunen, Häusern und Holzkirchen nachgewiesen. Als Winterquartier werden meist Baumhöhlen, Holzstapel oder Spalten an Gebäuden genutzt, ebenso Felswände. Während der Jagd fliegen die Tiere sehr schnell entlang von geradlinigen Strukturen in unterschiedlichen Höhen (3 bis 20 Meter), über Gewässern jedoch tief.

 

Foto: NABU/Eckhard Grimmberger
Foto: NABU/Eckhard Grimmberger

Der Große Abendsegler ist eine dritte in Leipzig vorkommende Art. Er wird auch Gemeiner Abendsegler oder nur Abendsegler genannt. Zu den von dieser Fledermausart bevorzugten Habitaten zählen Auwälder, Buchen- und Eichenwälder und auch Lebensräume in Großstädten. Sommerquartiere sind oft Baumhöhlen, Baumspalten, aber auch Fledermaus- und Vogelkästen, wenn sie in baumreichen Gebieten aufgehängt wurden. Zur Überwinterung werden vor allem Baumquartiere, außerdem spaltenreiche Felswände und oberirdische Teile von Gebäuden aufgesucht. Die Jagdflüge dieser Art können eine Geschwindigkeit von 50 km/h erreichen. Dabei wird meist in Höhen über 10 Meter gejagt. Auf Wiesen, über Gewässern und an Straßenlampen kann der Jagdflug auch wenige Meter über dem Boden erfolgen. Aufgrund von Schutzmaßnahmen haben sich die Populationen des Großen Abendseglers in den letzten Jahren wieder leicht erholt.

 

Foto: NABU/Eckhard Grimmberger
Foto: NABU/Eckhard Grimmberger

Die Breitflügelfledermaus zählt neben dem Großen Abendsegler zu den größten in Leipzig lebenden Fledermausarten. Hauptsächlich ist diese Art in Obstgärten, Parkanlagen, an Waldrändern und in Siedlungsbereichen anzutreffen. Ihre Quartiere bezieht die Breitflügelfledermaus fast ausschließlich in oder an Gebäuden, selten in Fledermauskästen. Jagdflüge dieser Art erfolgen in langen gleichmäßigen Bahnen, aus denen beim Orten der Beute ausgebrochen wird. Auch ein Absammeln der Beute direkt vom Boden und von den Blättern der Bäume wurde beobachtet. Die Breitflügelfledermaus zählt in Sachsen zu den häufigsten Fledermausarten. Ihre Bestände sind auch deutschlandweit stabil.

 

Foto: NABU/Eckhard Grimmberger
Foto: NABU/Eckhard Grimmberger

Das Braune Langohr ist eine typische Waldfledermausart. Dabei liegen die Hauptjagdgebiete in Nadelmischwäldern, Fichtenforsten und Buchenwäldern, aber auch an isolierten Bäumen in Gärten und Parks. An Bäumen werden sowohl Spalten hinter abstehender Rinde als auch Spechthöhlen besiedelt. In Dachräumen findet man diese Tiere zwischen Ziegeln, in Zapflöchern oder hinter Verkleidungen. Nist- und Fiedermauskästen werden von dieser Art gern angenommen. Die Nahrung wird sowohl in der Luft gefangen als auch direkt von der Vegetation abgesammelt.

 

Schützt die nächtlichen Jäger!

Neben dem Verkehrstod ist der Quartierverlust die Hauptursache des Bestandsrückganges der heimischen Fledermausarten. Die intensive Forstwirtschaft wie auch Verkehrssicherungsmaßnahmen bringen es mit sich, dass immer wieder höhlenreiche Altbäume gefällt und damit die Schlaf- und Ruhestätten von Wasserfledermäusen und dem Braunen Langohr zerstört werden. Gebäudebewohnende Arten wie die Breitflügelfledermaus verlieren ihre Hangplätze durch Verschließen der Ein- und Ausflugwege bei der Sanierung von Gebäuden oder Brücken. Die hoch fliegenden Fledermausarten wie zum Beispiel die Rauhhautfledermaus und der Große Abendsegler gehören zu den häufigsten Opfern von Windkraftanlagen. Aus den genannten Gründen sind der Quartierschutz sowie die Neuschaffung von Quartieren in und um Leipzig - zum Beispiel durch Fledermauskästen oder Neuanpflanzung von Bäumen - die effektivsten Schutzmaßnahmen für unsere heimischen Fledermausarten. Aber auch die Öffentlichkeitsarbeit, das heißt die Vermittlung von Wissen über die Fledermäuse und ihren Schutz, kann zum Fledermausschutz wesentlich beitragen. Bei Sanierungs- und Baumfällungsarbeiten ist eine sachkundige Begleitung unbedingt notwendig, damit die Aufenthaltsorte der Tiere nicht verloren gehen beziehungsweise Ersatzquartiere geschaffen werden.

Eine strukturreiche Landschaft mit Streuobstwiesen, Hecken, Alleen, Feldgehölzen, Bächen, Tümpeln und Gräben bietet sowohl Fledermäusen als auch vielen anderen Lebewesen Raum.

  • Streuobstwiesen, Hecken, Alleen, Gräben und Tümpel erhalten
  • Alte Bäume stehen lassen
  • Alte Gebäude erhalten
  • Höhlen, Keller und auch Bunker stehen lassen
  • Auf Holzschutzmittel verzichten
  • Kein Insektenvernichtungsgift benutzen
  • Bei Um- und Neubauten vorsichtig sein

 

Platz für Untermieter

Fledermäuse sind, vor allem was das Klima angeht, sehr anspruchsvolle Mieter. Wer ihnen Obdach bieten möchte, sollte ein paar Regeln beachten:

  • Unterm Dach: Verschlossene und unbenutzte Dachböden bieten sich als Quartier an, wenn sie taubensicher vergitterte Einfluglöcher haben.
  • In der Wand: Hinter Wandverkleidungen können mithilfe von speziellen Brettern und Steinen Fledermaushöhlen entstehen.
  • Im Keller: Sehr gut geeignet sind auch alte Eiskeller, deren Öffnungen mit Gittern verschlossen werden.
  • Im Garten: Oder man hängt einfach im Garten oder Park Fledermauskästen auf. Das Holz sollte unbehandelt und aufgerauht sein, damit die Füße Halt finden. Den Kasten in drei bis fünf Metern Höhe festmachen. Alte Bäume mit Spechthöhlen am besten stehen lassen, dort wohnen die Fledermäuse gerne.
  • Fledermausgarten: Ein Beet voller nachtblühender Pflanzen (Nachtkerze, weiße und rote Lichtnelke, Nachtviole, Stechapfel, Wegwarte, zweiblättrige Waldhyazinthe, Echtes Seifenkraut, Waldgeißblatt, Türkenbundlilie, Wildrose, Schmetterlingsflieder) lockt Insekten an, auf die sich die Fledermäuse stürzen können.

 

Situation der Fledermäuse in Leipzig und Umgebung

Breitflügelfledermaus am Hangplatz. Foto: NABU/Dietmar Nill
Breitflügelfledermaus am Hangplatz. Foto: NABU/Dietmar Nill

Die in Leipzig am häufigsten gefundene Art ist die Breitflügelfledermaus. Sie bildet Fortpflanzungskolonien (Wochenstuben) in und an Gebäuden insbesondere in Connewitz. Einzelfunde dieser Art wurden in allen Stadtbezirken registriert. Wochenstuben der Breitflügelfledermaus sind auch aus vielen Dörfern im Kreis Delitzsch bekannt.

Eine weitere Art, die sich im Stadtgebiet fortpflanzt, ist die Wasserfledermaus. Von ihr ist eine Wochenstube bekannt, die sich im übertunnelten Elstermühlgraben unter der Jahnallee befindet.

Das Große Mausohr bildete bis 1961 eine Wochenstube unter dem Dach der Thomaskirche, ist seitdem aber verschwunden. Nur im Umland von Leipzig gibt es noch größere Wochenstuben dieser Art.

Vom Grauen Langohr wurden nur Einzelfunde registriert. Dies gilt auch für das Braune Langohr, wobei diese Art häufiger in Fledermauskästen im Auwald angetroffen wird. Es ist anzunehmen, dass hier auch kleine Wochenstuben existieren. In Fledermauskästen, die im Auwald an verschiedenen Orten hängen, konnten auch Rauhhautfledermäuse und Große Abendsegler nachgewiesen werden. Vereinzelte Nachweise liegen von der Zweifarbfledermaus und von der Zwergfledermaus vor. Die Mopsfledermaus wurde in den letzten Jahren im Stadtgebiet nicht nachgewiesen, Netzfänge gibt es aber aus der Umgebung von Leipzig.

 

Helfen Sie beim Fledermausschutz!

Entdeckte Fledermaus-Totfunde sowie Hinweise auf Fledermausquartiere (Sommer wie Winter) melden Sie bitte dem NABU Leipzig: Kontakt

 

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