Foto: René Sievert
Foto: René Sievert

Baum statt Bäumchen!

Große Bäume für Leben im Obstbaum

Ein Halbstamm auf einer Streuobstwiese - beste Voraussetzungen für Leben im Obstbaum. Foto: Ina Ebert
Ein Halbstamm auf einer Streuobstwiese - beste Voraussetzungen für Leben im Obstbaum. Foto: Ina Ebert

Natur- und Artenschutz findet in jedem Garten Platz. Naturnahe Gärten mit altem Baumbestand und Kleinstrukturen aus Hecken, Sträuchern, Totholz und Steinen machen den Garten zum idealen Lebensraum für Insekten, Amphibien, Vögel und Igel. Der Garten gewinnt dadurch an Bedeutung für das Biotopverbundsystem im dicht besiedelten Stadtraum und ist wertvoll für die Stadtnatur.

 

Lebensraum Baum 

 

Auch Kleingärten können Naturoasen sein, wertvoller Lebensraum in der Stadt. Häufig werden jedoch die Vorschriften zur kleingärtnerischen Nutzung als Hindernis gesehen. Im Rahmen der Gesetze gibt es aber durchaus viele Möglichkeiten, einen Naturgarten zu gestalten. 

 

Große Bäume – erlaubt und erwünscht 

 

Die leider verbreitete Meinung, es dürfen nur kleine Obstbäume, sogenanntes Zwergobst oder Viertelstämme bis Wuchshöhe von 2,50 Meter in Kleingärten gepflanzt werden, ist nicht richtig und hat dazu geführt, dass in vielen Gartenanlagen das Leben auf und in Ostbäumen auf rasantem Rückgang ist. Hochstämme können bis 10 Meter hoch werden und sind für kleine Gärten ungeeignet und tatsächlich nicht erlaubt. Halbstämme erreichen eine Höhe von etwa 5 Meter, sie sind laut Bundeskleingartengesetz erlaubt und aus Naturschutzsicht gewünscht. Obstbäume in mindestens 4 Meter Höhe sind Lebensraum für mehr Tierarten als ein Baum in halber Größe. Natürliche Bruthöhlen entstehen erst bei Bäumen eines gewissen Stammumfangs und Lebensalters. Im Frühling liefern die Blüten zahlreichen Insekten Nektar und Pollen. Ein großer Baum bietet mehr Insektennahrung und sichert somit das Überleben der Vogelbrut. Auch einen Vogelnistkasten hängt man beispielsweise im Kleingarten in mindestens 3 Meter Höhe auf, was an einem Halbstamm gut geht. Diese Höhe eines Obstbaumes ist überhaupt erst als Vogellebensraum geeignet, da Vögel erst von höheren Sitzwarten aus singen. Ein Halbstamm ist zudem Schattenspender und verbessert das Stadtklima. 

 

Der NABU Leipzig berät Kleingärtner gerne bei einem Vorort-Termin. Terminabsprache am besten per E-Mail.

 

Halbstamm-Obstbäume sind auch im Kleingarten erlaubt und aus Naturschutzsicht erwünscht. Foto: Karsten Peterlein
Halbstamm-Obstbäume sind auch im Kleingarten erlaubt und aus Naturschutzsicht erwünscht. Foto: Karsten Peterlein

Obstbaumbewohner

2019 lädt der NABU Leipzig zu einem Wettbewerb ein: „Leben im Obstbaum“.

Gesucht werden Leipzigs lebendigste Obstbäume.

Bewerben können sich Besitzer von Obstbäumen in Größe eines Halbstammes, welcher wegen seiner Blüten und Früchte nicht nur erfolgreiche Ernte verspricht, sondern auch Lebensquartier für allerlei Wildtiere ist.

Senden Sie ein oder mehrere Fotos mit kurzer Beschreibung, welche Lebewesen sich auf ihrem Baum tummeln per E-Mail. Die drei schönsten wählt der NABU aus.

Einsendeschluss ist der 30. September 2019.

Die Preisträger erhalten zur Auswahl einen Obstbaum-Halbstamm (Obstbaum des Jahres 2019) oder ein Fachbuch „Natur für jeden Garten“ von Reinhard Witt. 

 

 


Obstbaum des Jahres 2019

Der Kleine Herrenapfel ist die regionale Streuobstsorte des Jahres 2019 in Sachsen. Gekürt wurde sie vom Pomologenverein, Landesgruppe Sachsen, denn die Sorte ist vom Aussterben bedroht. In Sachsen sind lediglich einzelne Standorte mit alten Bäumen bei Glashütte, Zittau und Löbau bekannt. 

 

Experten beschreiben den Kleinen Herrenapfel als fest, saftig, klein, mild, gelb mit roten Bäckchen. Gekostet hat die seltene Frucht allerdings kaum jemand einmal. Dabei war der Kleine Herrenapfel früher häufig und weit verbreitet, vor allem in Mecklenburg. Es handelt sich um eine alte Sorte, die bereits im 18. Jahrhundert erwähnt wurde, aber vielleicht sogar wesentlich älter ist, die genaue Herkunft ist allerdings unbekannt. Der Baum kann ein hohes Lebensalter erreichen, was ihn für den Naturschutz wertvoll macht. 

 

Die Wahl zur Streuobstsorte des Jahres soll auf den seltenen Apfelbaum aufmerksam machen, damit sich der Kleine Herrenapfel weiter verbreitet. Auch der NABU Leipzig will dafür einen Beitrag leisten und in diesem Jahr auf einer Streuobstwiese einen dieser seltenen Bäume pflanzen. 

 

Im Frühling ist die Obstbaumblüte nicht nur ein schöner Anblick, sondern auch wertvolle Nahrung für Insekten. Foto: Beatrice Jeschke
Im Frühling ist die Obstbaumblüte nicht nur ein schöner Anblick, sondern auch wertvolle Nahrung für Insekten. Foto: Beatrice Jeschke