Das Leipziger Windröschen

Leipziger Auwaldpflanze des Jahres 2020

Auwaldart 2020: das Leipziger Windröschen. Foto: Ralf Mäkert
Auwaldart 2020: das Leipziger Windröschen. Foto: Ralf Mäkert

Eigentlich ist der Tag des Leipziger Auwaldes am 16. April ein seit 1995 festgesetzter Termin, um den Leipziger Naturinteressierten eine besonders bemerkenswerte Art des Auwaldes als Auwaldtier oder Auwaldpflanze des Jahres zu präsentieren. Leider musste die Veranstaltung in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie zum ersten Mal abgesagt werden. Dennoch wurde die Leipziger Auwaldart des Jahres 2020 bekannt gegeben: das Leipziger Windröschen (Anemone x lipsiensis). Zur Begründung erläuterte Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal: „Das Leipziger Windröschen ist unsere Auwaldart 2020, weil sie vor allem in und um Leipzig vorkommt, damit etwas lokal Besonderes ist und die Vielfalt unseres Leipziger Auenökosystems besonders hervorhebt.“

 

Die „Eltern“ des Leipziger Windröschens sind das Gelbe Windröschen (A. ranunculoides) und das weißblühende Buschwindröschen (A. nemorosa). Fotos: René Sievert

 

Das blassgelb blühende Leipziger Windröschen blüht gerade jetzt, im Frühjahr. Anemone x lipsiensis entsteht als Hybrid (Wildbastard) unter speziellen genetischen Bedingungen aus dem Gelben Windröschen (Anemone ranunculoides) und dem weit verbreiteten weißblühenden Buschwindröschen (Anemone nemorosa). Weil durch die Hybridisierung die Fähigkeit zur geschlechtlichen Vermehrung verloren geht, vermehrt sich das Leipziger Windröschen, soweit man weiß, nur ungeschlechtlich über Wurzelsprosse. Entdeckt wurde es in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts im Leipziger Auwald. Sein Vorkommen in Deutschland ist auf wenige Orte beschränkt, an denen es zur Hybridisierung kam, weshalb das Leipziger Windröschen als gefährdet einzuschätzen ist. Obwohl es sich nicht um eine Art handelt, sondern um einen Hybriden, ist die Pflanze schützenswert.

 

Bärlauch, Hohler Lerchensporn und Wald-Goldstern. Fotos: Kirstin Hesse

 

Am Waldboden sind die Windröschen nicht allein. Wer in den letzten Wochen und Tagen für einen Spaziergang im Wald war, konnte sich an den vielen Frühblühern erfreuen. Neben dem teilweise sehr dominanten Bärlauch, zeigen sich auch Arten, wie der Hohle Lerchensporn, die Schlüsselblume und der Waldgoldstern.

 

Die Blüten von Anemone coronaria können sehr unterschiedlich gefärbt sein: rot, blau oder violett, aber auch rosa oder weiß. Foto: Hans Schwarting/naturgucker.de
Die Blüten von Anemone coronaria können sehr unterschiedlich gefärbt sein: rot, blau oder violett, aber auch rosa oder weiß. Foto: Hans Schwarting/naturgucker.de

Corona-Windröschen?

 

Windröschen gehören zu den Hahnenfußgewächsen, weltweit zählen rund 150 Arten zur Gattung Anemone, darunter auch Anemone coronaria. Das ist aber nicht das „Corona-Windröschen“, sondern die Kronen-Anemone. Sie wächst im Mittelmeerraum auf Felsfluren, Wiesen und Brachen, aber auch auf Weinbergen und in Olivenhainen. Blütenfarbe, Blattschnitt, Blütengröße und sogar die Blühzeit sind sehr variabel, sie reicht von Dezember bis Mai. A. coronaria wird auch als „Garten-Anemone“ in zahlreichen Variationen und Blütenfarben kultiviert.