Vogeltod durch Klebepaste

Bitte melden Sie Opfer dem NABU!

An diesem Wohnhaus im Leipziger Zentrum wurde die gefährliche Klebepaste aufgetragen. Foto: NABU Leipzig
An diesem Wohnhaus im Leipziger Zentrum wurde die gefährliche Klebepaste aufgetragen. Foto: NABU Leipzig

Obwohl sich viele Menschen als Natur- und Tierfreund bezeichnen, gibt es doch immer wieder Konflikte, wenn sich Mensch und Tier in der Stadt nahe kommen. Das gilt beispielsweise, wenn sich Vögel in Gebäuden einnisten oder hier schlafen. Ihre Hinterlassenschaften sorgen dann oft für Ärger, wenn zum Beispiel Vogelkot die Fassade verschmutzt. Es gibt Möglichkeiten, das zu verhindern, ohne den Vögeln zu schaden. Der NABU bietet hierfür immer wieder Rat und Tat an, beobachtet aber, dass Betroffene stattdessen zu gefährlichen Mitteln greifen. So wird seit einiger Zeit eine Vogelabwehrpaste verwendet – mit verheerenden Folgen.

 

Die Paste sieht aus wie farbloses Silikon und sie wird inzwischen bundesweit von Schädlingsbekämpfern eingesetzt. Sie wird auf Geländer, Dachrinnen oder andere Stellen aufgetragen, an denen sich Vögel niederlassen. Diese Abwehrpaste ist klebrig, das soll verhindern, dass Vögel landen. Doch diese vermeintlich harmlose Idee geht nicht auf: Die Paste ist ein tödlicher Kleber. Der NABU fordert deshalb alle auf, diese Vogelabwehrpaste auf keinen Fall zu verwenden!

 

Diese Kohlemeise ist an einem Leipziger Gebäude an der Abwehrpaste kleben geblieben und qualvoll verendet, weil sie sich nicht mehr befreien konnte. Foto: NABU Leipzig
Diese Kohlemeise ist an einem Leipziger Gebäude an der Abwehrpaste kleben geblieben und qualvoll verendet, weil sie sich nicht mehr befreien konnte. Foto: NABU Leipzig
Auch in anderen deutschen Städten sind Vögel der Klebepaste zum Opfer gefallen. Diese verklebte Kohlmeise wurde in Heilbronn gefunden. Foto: Landratsamt Heilbronn
Auch in anderen deutschen Städten sind Vögel der Klebepaste zum Opfer gefallen. Diese verklebte Kohlmeise wurde in Heilbronn gefunden. Foto: Landratsamt Heilbronn

 

Vögel, die auf der Paste landen verkleben sich die Krallen. Bei der Gefiederpflege verteilen sie den Klebstoff in ihrem Gefieder, wodurch sie flugunfähig werden. Wenn sie nicht rechtzeitig gefunden und gesäubert werden, endet das für die Tiere tödlich. Auch in Leipzig wurden bereits verklebte Vögel gefunden, aber auch in anderen deutschen Städten. Der NABU Leipzig konnte zehn verklebte Tauben mühevoll reinigen und ihnen damit das Leben retten. Ein Turmfalke, eine Kohlmeise, ein Mauersegler sowie 18 Tauben sind hingegen verendet oder mussten eingeschläfert werden. Wenn kleinere Vögel auf der Paste landen, können sie sich nur schwer befreien und sterben qualvoll. So bleiben zum Beispiel auch Schwalben an der Paste hängen, ebenso sterben an dem Kleber zahllose Insekten.

 

In der Klebepaste sieht man den Krallenabdruck des Turmfalken. Er verklebte sich das Gefieder und starb. Foto: NABU Leipzig
In der Klebepaste sieht man den Krallenabdruck des Turmfalken. Er verklebte sich das Gefieder und starb. Foto: NABU Leipzig
Diese verklebte Taube wurde auf dem Augustusplatz gefunden. Mehrere Reinigungsbehandlungen waren nötig, um ihr das Leben zu retten. Foto: Carola Bodsch
Diese verklebte Taube wurde auf dem Augustusplatz gefunden. Mehrere Reinigungsbehandlungen waren nötig, um ihr das Leben zu retten. Foto: Carola Bodsch

 

Hersteller der Vogelabwehrpaste vermarkten sie als harmlos, doch das ist sie nicht. Nach Auffassung des NABU Leipzig ist die Verwendung rechtswidrig, denn Klebefallen sind ungesetzlich! Laut Tierschutzgesetz ist es verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Schmerzen, Leiden oder Schäden für Wirbeltiere verbunden ist. Auch das Bundesnaturschutzgesetz verbietet den Einsatz von Klebstoffen sowie das Schädigen oder Töten von Vögeln.

 


Festgeklebte Federn und Insekten, die hier ebenfalls zu Tode kommen, sind Hinweise auf das Tierleid, das die Klebepaste verursacht. Fotos: NABU Leipzig

 

Der NABU Leipzig hat verschiedene Behörden auf das Problem hingewiesen. Das Veterinäramt teilte mit, dass alle Schädlingsbekämpfungsfirmen über den gefährlichen Kleber informiert werden und ihn nicht mehr verwenden dürfen. Etliche Gebäude in Leipzig sind aber schon mit dem Kleber ausgestattet. Der NABU sorgt sich deshalb um die Vogelwelt, denn viele flugunfähige Opfer werden verhungern, weil sie gar nicht gefunden werden.

 

Der NABU bittet die Bevölkerung um Hilfe:

Wer Stellen kennt, an denen die gefährliche Klebepaste bereits verwendet wurde oder wer Vögel mit verklebtem Gefieder beobachtet, informiert bitte die Wildvogelhilfe des NABU Leipzig telefonisch unter 01577 32 52 706 oder per E-Mail.

Das verklebte Gefieder geschädigter Tauben. Nach mehreren Reinigungsversuchen sind die Tiere noch immer flugunfähig. Teilweise müssen sie in der Wildvogelhilfe des NABU Leipzig gepflegt werden, bis betroffene Gefiederbereiche durchgemausert sind. Fotos: NABU Leipzig

 

Der Turmfalke ist durch Klebepaste flugunfähig vor einen LKW geraten und starb durch diesen Zusammenstoß. Foto: NABU Leipzig
Der Turmfalke ist durch Klebepaste flugunfähig vor einen LKW geraten und starb durch diesen Zusammenstoß. Foto: NABU Leipzig
Diese Kohlmeise ist ein weiteres Todesopfer der Klebepaste. Foto: Landratsamt Heilbronn
Diese Kohlmeise ist ein weiteres Todesopfer der Klebepaste. Foto: Landratsamt Heilbronn

Rechtlicher Hintergrund

Bundesartenschutzverordnung
§ 4 Verbotene Handlungen, Verfahren und Geräte
(1) Es ist verboten, in folgender Weise wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten und der nicht besonders geschützten Wirbeltierarten, die nicht dem Jagd- oder Fischereirecht unterliegen, nachzustellen, sie anzulocken, zu fangen oder zu töten:
1. mit Schlingen, Netzen, Fallen, Haken, Leim und sonstigen Klebstoffen,

Bundesnaturschutzgesetz
§ 44 Vorschriften für besonders geschützte und bestimmte andere Tier- und Pflanzenarten
(1) Es ist verboten,
1. wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören

Tierschutzgesetz
§ 13 (1) Es ist verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Schmerzen, Leiden oder Schäden für Wirbeltiere verbunden ist

Medienecho

Vogelabwehrpaste am Busbahnhof Merseburg

NABU erreicht Entfernung des tödlichen Klebers

Am 10. November 2017 erfuhr der NABU Leipzig aus einem Zeitungsartikel, dass durch eine Firma an verschiedenen Stelen am Busbahnhof Merseburg "Taubenabwehrpaste" aufgetragen wurde. Bei Kontrollen vor Ort stellte der Arbeitskreis Vogelschutz fest, dass bereits Vögel durch diese Paste verklebt wurden. Infolgedessen gab es auch Todesopfer. Die Beobachtungen wurden dokumentiert und am 13. November erstatte der NABU Leipzig in Absprache mit dem NABU-Regionalverband Merseburg-Querfurt Anzeige bei der Polizei in Merseburg. Diese Anzeige wurde auch als offener Brief an Vertreter der Stadt und an Medien verschickt, die zum Teil ausführlich darüber berichteten.

Fotos: NABU Leipzig

 

Der NABU forderte die Stadtverwaltung Merseburg auf, die Taubenabwehrpaste unverzüglich zu entfernen sowie die ebenfalls verwendeten illegalen Vogelfallen sofort abzubauen. Bereits geschädigte Tiere müssen versorgt, gefangene Tiere nach Versorgung wieder freigelassen werden. Außerdem hat der NABU Leipzig Alternativen zu nicht tierschutzgerechten, ineffektiven Vergrämungsformen vorgeschlagen, wie Schrägflächen, auf denen kein Vogel mehr sitzen können und auf denen kein Nistmaterial hält. Nachhaltig lassen sich Kotverschmutzungen durch die Ansiedlung der Tauben in betreuten Taubenschlägen mit Eiaustausch lösen.
Der NABU Leipzig hat der Stadtverwaltung Merseburg Gespräche angeboten, um eine tierschutzgerechte Lösung zu diskutieren.

Dieses Angebot hat die Stadtverwaltung aufgegriffen. An den folgenden Tagen wurde die Klebepaste am Busbahnhof wieder entfernt, bei einem Vororttermin mit dem NABU Leipzig wurden Alternativen besprochen. Ausführlich berichtete die Mitteldeutsche Zeitung mehrfach über die weitere Entwicklung in diesem Fall. Der NABU-Bundesverband hat das Thema ebenfalls aufgegriffen und informierte über Facebook und im Internet über die illegale Klebepaste. Es besteht die Hoffnung, dass sie bundesweit nicht mehr zum Einsatz kommt. Ihre Verwendung ist bereits rechtswidrig, vielleicht gelingt es, auch die Herstellung zu untersagen.

 

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