Es ist in der Geschichte des Naturschutzes schon öfter vorgekommen, dass Menschen auf Bäume klettern, um sie vor der Fällung zu schützen. Für den NABU Leipzig übernimmt jetzt aber Hightech die „Baumbesetzung“. Links: Installation des Überwachungsgerätes auf einem Parkbaum, Rechts: Überwachungsgerät (Symbolfoto des Herstellers)
Bäume sind ökologisch ausgesprochen wertvoll. Sie bieten Tieren Lebensraum, spielen eine wichtige Rolle für das Klima, versorgen uns mit Sauerstoff, dämmen den Lärm in der Stadt und ihr Anblick
trägt zum Wohlbefinden der Menschen bei. Leider werden viele Bäume trotzdem rücksichtslos gefällt. Dabei sind diese wertvollen Lebewesen eigentlich gesetzlich geschützt. Für das Fällen von Bäumen
benötigt man eine Erlaubnis der Baumschutzbehörde. Wenn sich Lebensstätten geschützter Arten, wie zum Beispiel Spechthöhlen oder Fledermausquartiere, in dem Baum befinden, benötigt man außerdem
eine Genehmigung der Naturschutzbehörde, und die Lebensstätten müssen ersetzt werden. Und vom 1. März bis zum 30. September gibt es eine gesetzliche Baumschutzzeit. Da dürfen sie ohne
Ausnahmegenehmigung gar nicht gefällt werden. All das schützt die Bäume in Leipzig leider nicht. Fast täglich erreichen den NABU Hilferufe von Anwohnen, deren geliebte Bäume auch jetzt, in der
Gehölzschutzzeit, gerodet werden. Ob es dafür die nötigen Genehmigungen gibt, ist meistens unklar. Und seltsamerweise finden solche Fällungen oft spät am Freitag oder früh am Montag statt, wenn
die Behörden nicht leicht erreichbar sind.
Der NABU ermittelt vor Ort, berät Anwohner und meldet Fällungen an die Behörden. In seiner ehrenamtlichen Arbeit ist der NABU aber nicht in der Lage, allen der vielen, vielen Meldungen
nachzugehen. In den meisten Fällen kommt die Information auch zu spät, oder es fehlen die Daten, die nötig wären, um den Baum zu retten.
Gegen beide Probleme soll nun „Hightech“ helfen. Der NABU Leipzig hat aus der Forschung und aus dem Baumschutz bekannte Sensoren so angepasst, dass sie als Helfer gegen die Fällungen eingesetzt
werden können. Die Geräte registrieren Daten zur Gesundheit des Baumes, beispielsweise zur Wasserversorgung. Sie sind aber auch in der Lage Baumfällungen zu registrieren, und zwar anhand der
dafür typischen Erschütterungen. Auch wenn die Geräte unrechtmäßig entfernt werden, wird ein Alarm ausgelöst.
Die Daten werden über das Mobilfunknetz an den NABU gemeldet und von Software analysiert. Wenn der Baum gefällt wird, oder die Umweltdaten Grund zur Sorge geben, erhalten die Naturschützer eine
Warnmeldung und können für den Schutz des Baumes aktiv werden. Die Geräte wurden in der kalten Jahreszeit an verschiedenen Bäumen im Stadtgebiet installiert, zum 1. April, pünktlich zur
beginnenden Vegetationsphase, kann der Regelbetrieb beginnen.