Zählergebnisse zur „Stunde der Wintervögel“ kann man noch bis zum 19. Januar 2026 melden
Der NABU lädt wieder ein zur winterlichen Vogelzählung, bei der jeder mitmachen kann. Die „Stunde der Wintervögel“ findet 2026 vom 9. bis zum 11. Januar statt. Man nimmt sich eine Stunde Zeit, beobachtet die Tiere in der unmittelbaren Umgebung, notiert die Anzahl und die Vogelarten und meldet alles dem NABU. Dabei lernt man etwas über die heimische Vogelwelt und hilft beim Vogelschutz; denn die zahlreichen Daten aus ganz Deutschland liefern wertvolle Informationen über die Bestandsentwicklung bei Vogelarten im Siedlungsraum. Gerade diese Arten sind mehr und mehr bedroht – in Leipzig beispielsweise durch rücksichtslose Bauprojekte und den fortschreitenden Verlust der Stadtnatur.
Der NABU Leipzig bietet Führungen an, bei denen man sich zusammen mit anderen an der Aktion beteiligen und Informationen über die Vögel bekommen kann. Die Veranstaltungen dauern jeweils eine Stunde. Wer ein Fernglas oder ein Vogelbestimmungsbuch hat, kann es gerne mitbringen. Die Veranstaltungen sind für Kinder und Erwachsene geeignet, sie sind öffentlich, die Teilnahme kostenfrei.
Zudem ist jeder aufgefordert, selbst die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und dem NABU spätestens bis zum 19. Januar 2026 zu melden
Der NABU Leipzig wird über die Aktionen und Zwischenergebnisse am Ationswochenende berichten.
Auch Kinder können sich an der „Stunde der Wintervögel“ beteiligen, Vögel beobachten und zählen. Zusätzlich gibt es aber auch die „Schulstunde der Wintervögel“, um gemeinsam die heimische winterliche Vogelwelt zu entdecken. Die NAJU bietet dafür eine kindgerechte Zählkarte und ein Begleitheft an. Dieses liefert Informationen, Tipps und Aktionsideen rund um die Vogelbeobachtung mit Kindern und enthält eine Anleitung für eine Wintervogelrallye. mehr
Angesichts des Klimawandels gab es in den vergangenen Jahren oft recht mildes Wetter zur „Stunde der Wintervögel“ – in diesem Jahr aber kam der Wintersturm „Elli“ genau zum Beginn des Aktionswochenendes. Trotz Schnees und eisiger Kälte wurden dem NABU bereits am ersten Tag, am Freitag, zahlreiche Vogelbeobachtungen gemeldet. Die Zahl der Meldungen lag in manchen Regionen 50 Prozent über der Zahl des Vorjahres zu diesem Zeitpunkt – demgegenüber wurden aber leider auch 10 Prozent weniger Vögel gemeldet. Das ist aber nur eine erste Momentaufnahme. Bei widrigem Wetter suchen auch viele Vögel geschützte Orte auf und sind weniger zu sehen, andererseits locken Schnee und Kälte die Vögel aber auch in die menschlichen Siedlungen, wo es etwas wärmer ist, und wo es leicht zugängliche Nahrung oder sogar Futterstellen gibt.

Wie üblich, liegen die bekanntesten und häufigsten Wintervögel unserer Siedlungen auf den vorderen Plätzen: Haus- und Feldsperling, Kohl- und Blaumeise und Amsel werden am häufigsten beobachtet.
Spannend bei der Stunde der Wintervögel ist aber nicht, welche Art besonders häufig beobachtet wird, sondern wie sich bei allen häufigen Arten die Zahlen verglichen mit den Vorjahren verändern.
Bei vielen Vogelarten ist leider ein Rückgang zu beobachten. Gründe sind zum Beispiel rücksichtslose Flächenversiegelung, fortschreitender Lebensraumverlust, das Insektensterben, intensive
Landwirtschaft und Einsatz von Giften.
Am Sonnabend konnte sich der NABU weiterhin über eine rege Beteiligung freuen. Vor allem in den besonders verschneiten nördlichen Bundesländern zog es die Menschen zur Vogelzählung ins Freie, und
zugleich wurden auch mehr Vögel gemeldet. Auf den vorderen Plätzen lagen auch am Samstagabend weiterhin die häufigen, bekannten Arten, doch es zeichnete sich zwischen Haussperling und Kohlmeise
ein „Kopf-an-Kopf-Rennen“ um die Spitzenposition ab. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass sich der Negativtrend beim Haussperling, den der NABU seit Jahren beobachtet, fortsetzt.
Vielfach wurden typische Wintervögel gemeldet, wie Wintergoldhähnchen, Schwanzmeisen, Rot- und Singdrosseln. Außerdem wurden einige Mönchsgrasmücken gemeldet, die als Insektenfresser den Winter
normalerweise nicht bei uns verbringen, sowie auch ein wärmeliebender Wiedehopf.
Am Sonnabend lagen in Leipzig und auch im Umland so wie im deutschlandweiten Durchschnitt Haussperling, Kohlmeise und Blaumeise auf den ersten drei Plätzen. Deutschlandweit folgt die Amsel auf Platz 4, in Leipzig schafft sie es auf Platz 5 und liegt damit hinter der Ringeltaube, die sich im Stadtgebiet mehr und mehr zuhause fühlt. Im Winter sitzen oft mehrere Tauben zusammen. Die Amsel hingegen zählt zu den Problemvögeln der letzten Jahre. Sie leidet unter Krankheiten, wie dem Usutuvirus, und dem drastischen Verlust von Lebensräumen. Eine naturferne Gestaltung städtischer Grünflächen und rücksichtslose Beseitigung von Sträuchern führt zu Nahrungs- und Nistplatzmangel.

Samstagabend lag die Graugans erstaunlicherweise in Leipzig und auch im Umland auf Platz 6, also sehr weit vorne. Das ist damit zu erklären, dass man Graugänse oft in größeren Schwärmen sieht,
was sie natürlich zu einem so frühen Zeitpunkt bei der Stunde der Wintervögel weit nach vorne transportiert. Da man solche großen Schwärme nur selten sieht, könnte sich das im weiteren Verlauf
der Aktion noch ändern. Zudem besteht die Gefahr der Verwechslung mit nordischen Wintergästen wie Saat- und Blässgans. Auch diese Arten rasten in der kalten Jahreszeit in der Region Leipzig. Ihre Anzahl ist wahrscheinlich größer
als die der Graugans,
aber die Graugans ist wesentlich bekannter und graue Feldgänse werden hier möglicherweise falsch bestimmt.
Der Feldsperling hat in den vergangenen Jahren deutschlandweit sogar noch stärkere Verluste zu verzeichnen als der Haussperling. Bei der Stunde der Wintervögel lag er Samstagabend trotzdem auf
Platz 5, in Leipzig allerdings nur auf Platz 12 mit einem Minus von 13 Prozent. In der Großstadt ist der Feldsperling seltener zu sehen als im deutschen Durchschnitt, im ländlicher geprägten
Leipziger Umland erreicht der Feldsperling daher Platz 4, in Nordsachsen dabei dennoch mit einem Minus von 26 Prozent.

Der NABU Leipzig hatte am Samstagmorgen zur „Stunde der Wintervögel“ auf die Streuobstwiese in Gohlis eingeladen, die vom NABU seit einigen Jahren gepflegt wird. Insgesamt waren fünf
Vogelbeobachter gekommen, um die gefiederten Besucher der dick verschneiten Obstwiese zu zählen. Aufgrund der Witterung war schon die Anreise nicht ganz problemlos, und eine Stunde in der Kälte
auszuharren, war auch eine Herausforderung für Schuhe, Handschuhe und Mützen.
Allein schon der winterliche Anblick der Landschaft an der Nördlichen Rietzschke war ein Stück weit Entschädigung, und dann gab es auch einige interessante Beobachtungen. Die Sichtung eines
weiblichen Sperbers beispielsweise führte zum Ausruf „einen Sperber habe ich noch nie gesehen“. Beeindruckend war auch der große Schwarm Kraniche, der ebenso wie ein Schwarm Saatgänse über die
Wiese flog, mutmaßlich auf dem Weg zu Nahrungsflächen in der Region.

Der Höhepunkt war aber sicherlich die Misteldrossel, die sich mehrfach ausgerechnet neben der einzigen Mistel niederließ, die auf der Wiese zu finden ist.
Auch zwei Grünfinken
sorgten für Freude, weil diese Vogelart in den letzten Jahren auch seltener zu sehen ist als früher. Eine Infektionskrankheit hatte den Bestand dezimiert.
Blaumeise, Kohlmeise und Amsel kamen auch auf die Zählliste. Mehrfach wurden Rabenkrähen beobachtet, als höchste Anzahl, die gleichzeitig zu sehen war, wurden vier aufgeschrieben. Ringeltauben
wurden vermisst, da man sie hier eigentlich immer sieht, ganz zum Schluss der Zählstunde flogen aber noch drei über die Wiese und auch eine Elster war dann zwar nicht zu sehen, aber zu
hören.
Mehrfach konnte sehr schön ein Eichelhäher beobachtet werden, der vor allem die angrenzenden Hecken durchstöberte. Ein Buntspecht war erst zu hören,
wie er auf Nahrungssuche an einem Baum hämmerte, nach einigem Suchen war er auch zu sehen. Beatrice Jeschke vom NABU Leipzig zeigte den Vogelfreunden dann in einem großen Obstbaum auch noch die
Höhle, die Buntspechte im Vorjahr als Brutplatz genutzt hatten. Alte große Obstbäume auf der Wiese sind wertvoll für die Biologische Vielfalt.
Im Schnee hinterließen die Vogelbeobachter deutliche Spuren auf der Wiese, aber auch einige Tierspuren waren zu sehen. Unter anderem konnte man verfolgen, wie ein größerer Vogel durch den Schnee
geschritten war und am Ende der Fährte dann viele Fußabdrücke hinterließ, rund um ein Loch, das er offensichtlich tief durch den Schnee in den Boden gepickt hatte. Vielleicht war es ein
Grünspecht auf der Suche nach Insekten oder der Eichelhäher.
Die Wildvogelhilfe des NABU Leipzig konnte 2025 ein neues Quartier in Mockau beziehen, zur Auswilderung aber wird ein Garten genutzt. Hier sind nicht nur die Volieren für die Pflegetiere, sondern
in dem naturnah gestalteten Gelände sind auch Versteckmöglichkeiten, und Vögel finden hier auf natürliche Weise Nahrung. Zusätzlich gibt es aber auch Futterstellen. Hier kann demonstriert werden,
welches Vogelfutter artgerecht angeboten werden kann, gerade bei Frost und Schnee sind die Leckerbissen aber auch eine
Überlebenshilfe für die Vögel.

Neben einer vielfältigen Körnermischung werden auch Fettfutter und getrocknete Beeren angeboten. Fettknödel kommen ohne Netz in geeignete Fettknödelhalter. Auf die Plastiknetze für Meisenknödel
sollte verzichtet werden, da sich Vögel mit ihren Beinen in diesem Abfall verfangen können.
Haussperlinge, Kohl- und Blaumeisen zählen zu den häufigsten Gästen an den Futterstellen. In dem naturnahen Garten finden sich auf kleiner Fläche aber stets verschiedene Vogelarten ein. Dichte
Hecken, Obstbäume, Samenstände in der Krautschicht und Totholzhaufen bieten Nahrung und beispielsweise dem winzigen Zaunkönig auch ein frostsicheres Versteck. Diese Biotopelemente wurden nach den Ideen des
Ratgeber-Projekts mein-biotop.de des NABU Leipzig gestaltet.
Bei der „Stunde der Wintervögel“ wurden am Sonnabend im Wildvogel-Garten 3 Blaumeisen, 2 Kleiber, 4 Ringeltauben, 1 Zaunkönig, 2 Rotkehlchen, 1 Buntspecht, 8 Kohlmeisen, 4 Amseln, 5
Wacholderdrosseln, 26 Haussperlinge, 6 Schwanzmeisen, 7 Saatkrähen, 1 Eichelhäher und 1 Heckenbraunelle gezählt.

Auch am Sonntag lieferten sich Haussperling und Kohlmeise weiterhin ein „Kopf-an-Kopf-Rennen“ um Platz 1 bei dieser „Stunde der Wintervögel“. Deutschlandweit hatte nach wie vor der Haussperling
den Schnabel vorn, in Sachsen aber hatte zumindest Sonntagabend die Kohlmeise die Führung übernommen.
Deutschlandweit lagen Blaumeise, Amsel und Feldsperling hinter dem Spitzenduo. Diese Arten fanden sich auch in Sachsen auf den vorderen Plätzen, aber mit Feldsperling auf Platz 4 und Amsel erst
auf Platz 5. Das könnte widerspiegeln, dass es Feldsperlinge im ländlichen Raum Sachsens noch häufiger gibt als im deutschen Durchschnitt und dass die Amselbestände in Sachsen sich noch nicht
wieder so weit erholt haben von den Verlusten der Vorjahre. Sonntagabend verzeichnete die Amsel deutschlandweit verglichen mit dem Vorjahr ein Plus von 15 Prozent, in Sachsen nur von 5 Prozent.
Bei den Spatzen setzt sich insgesamt anscheinend der Negativtrend fort: Deutschlandweit verzeichnet der Haussperling ein Minus von 16 Prozent, in Sachsen von 19; der Feldsperling deutschlandweit
ein Minus von 11 und in Sachsen von 20 Prozent.
Angesichts der winterlichen Verhältnisse sind viele Gewässer zugefroren, deshalb wurden 2026 weniger Wasservögel gemeldet als in weniger strengen Wintern der Vorjahre. Demgegenüber wurden aber
viele Kraniche gesichtet, die nun offenbar vor der Kälte fliehen und südlicher gelegene Winterquartiere
aufsuchen.
Das Rebhuhn wurde deutschlandweit bedeutend häufiger gemeldet als in anderen Jahren. Dass die Art 2026 Vogel des Jahres ist, sorgte vielleicht für mehr Aufmerksamkeit und entsprechend mehr
Meldungen. Die Art ist in Deutschland sehr stark gefährdet, seit den Achtzigerjahren gibt es ein Bestandsminus von mehr als 94 Prozent. Nur in Folge aufwändiger Schutzmaßnahmen gibt es
mancherorts auch wieder zunehmende Bestände. Aus Sachsen gab es bis Sonntagabend keine Rebhuhnmeldungen. Die Art gehört auch nicht zu den Bewohnern unserer Siedlungen und steht deshalb bei der
Stunde der Wintervögel nicht im Fokus.
Ringeltauben und Rabenkrähen wurden in Leipzig häufiger beobachtet als im deutschen Durchschnitt. Sonntagabend belegten sie in Leipzig bei der „Stunde der Wintervögel“ die Plätze 4 und 5. Fotos: Beatrice Jeschke
In Leipzig unterscheidet sich die Reihenfolge auf den vorderen Plätzen am Sonntagabend vom deutschen Durchschnitt und auch von den Zahlen aus dem Umland. So lag hinter Haussperling, Kohlmeise und Blaumeise die Ringeltaube auf Platz 4 (deutschlandweit Platz 9) gefolgt von der Rabenkrähe (deutschlandweit Platz 12). Auf Platz 6 lag in Leipzig die Amsel; der Feldsperling, deutschlandweit auf Platz 5, schafft es in Leipzig nur auf Platz 12. Typisch für die Großstadt ist auch die Straßentaube – in Leipzig auf Platz 9, deutschlandweit auf 16. Kraniche auf dem Weg in wärmere Gefilde wurden auch über Leipzig zahlreich gesichtet; so schafften sie es Sonntagabend auf Platz 10 (deutschlandweit Platz 23).

Der NABU Leipzig hatte am Sonntagvormittag zur „Stunde der Wintervögel“ nach Plaußig eingeladen. Das Gemeindehaus dort wurde im vorigen Jahr fertig saniert, seitdem hat auch der NABU Leipzig hier
wieder eine „Außenstelle“, außerdem können Räume und Gelände für Veranstaltungen genutzt werden. Der tief verschneite Garten hinter dem Haus war ein idealer Ort für die Beobachtung der
winterlichen Vogelwelt im Siedlungsraum. Anschließend konnten sich alle im Versammlungsraum bei Heißgetränken aufwärmen. Beatrice Jeschke und René Sievert vom NABU Leipzig konnten 6 Vogelfreunde,
darunter ein Kind, begrüßen. Die Vogelzählaktion wurde noch im Warmen kurz vorgestellt, dann ging es raus in die Kälte. Schon in den ersten Minuten kamen Ringeltauben, Elstern, Kormoran,
Rabenkrähe und Turmfalke auf die Zählliste.
Die kleine Gruppe bewegte sich dann weiter in den Garten hinaus, wobei René Sievert auch einige Maßnahmen aus dem Projekt mein-biotop.de vorstellte. Vor dem Gemeindehaus gibt es dazu eine Demonstrationsfläche, die aber an diesem Tag unter Schnee verborgen blieb. Elemente wie Nisthilfen,
Sträucher und Totholzhaufen aber, konnte man auch im hinteren Garten sehen, auch die Vogelwelt profitiert von solchen Angeboten.

Im Verlauf der Zählstunde erhöhte sich die Zahl der Elstern auf 5, und dieser Vogeltrupp umschwärmte mehrfach das Areal. In alle möglichen Richtungen waren auch Ringeltauben unterwegs, die
maximal gesichtete Anzahl von 22 kam am Ende auf die Liste. Lange Zeit flatterte eine Blaumeise umher, ließ sich beobachten und gab auch verschiedene Lautäußerungen zum Besten, daran konnte man gut die
Unterschiede zur Kohlmeise erklären, die in Sicht- und Hörweite ebenfalls unterwegs war. Auch Amsel und Grünfink sowie ein Eichelhäher
kamen auf die Zählliste.
Für ein großes Hallo sorgte ein Mäusebussard. Man konnte ihn zunächst im typischen Segelflug beobachten, er hatte dann aber plötzlich entschieden,
sich in der Nähe der Beobachter auf einem Obstbaum niederzulassen. Er flog dann rasch wieder davon, aber so nah hatten viele den Greifvogel noch nie gesehen.
Seinem Namen alle Ehre machend, turnte kurz hinter dem Gartenzaun ein Zaunkönig herum. Immer wieder verschwand er in den Lücken von Kompostbehältern, setzte sich oben drauf oder auch in die
Maschen des Zauns, gelegentlich ließ er Rufe hören oder schimpfte langanhaltend.
41 Vögel aus 13 Arten konnten im Verlauf der Stunde gezählt werden. Fotos: Beatrice Jeschke, René Sievert
Bereits vor der Zählstunde konnte man auf dem Turm der gegenüberstehenden Kirche einen Grünspecht beobachten. Lange Zeit war er intensiv damit beschäftigt, zwischen den Dachziegeln herumzustochern. Offenbar
gab es dort Nahrung zu finden, wahrscheinlich Insekten, die dort ein Winterquartier haben. Natürlich hofften alle, dass der Specht auch während der Zählung auftaucht, damit er auf die Liste kann,
doch er blieb verschwunden. Erst kurz vor dem Ende kam er wieder angeflattert, im für Spechte typischen wellenförmigen Flugstiel war er wieder auf dem Weg Richtung Kirche.
Die Gotteshäuser sind oft wertvoll für gebäudebewohnende Arten, darunter auch Turmfalken oder Dohlen, aber auch Schleiereulen, Fledermäuse oder bestimmte Insekten. Kirchen, die sich für die
Biologische Vielfalt besonders engagieren, werden vom NABU mit der Plakette „Lebensraum Kirchturm“
Ungewöhnliches Verhalten: Ein Grünspecht bei der Nahrungssuche auf dem Kirchturm in Plaußig. Video: Beatrice Jeschke
ausgezeichnet. Das Verhalten des Spechtes ist ein weiterer Beleg für den ökologischen Wert von Mauerritzen, Lücken und Höhlen, aber es ist nicht sehr typisch. Normalerweise stochern die Spechte nicht zwischen Dachziegeln, sondern im Erdboden herum. Dass der Specht ausgerechnet am Sonntag zum „Kirchgänger“ wurde, ist eine weitere Kuriosität dieser Beobachtung.
Am Sonntagabend sind alle Zahlen nur Momentaufnahmen. Zählergebnisse der „Stunde der Wintervögel“ kann man noch bis zum 19. Januar 2026 melden. Erst danach findet eine abschließende Auswertung statt.