Die Nacht der Fledermäuse

NABU Leipzig beteiligte sich an der 22. Internationalen Batnight

Foto: Beatrice Jeschke
Foto: Beatrice Jeschke

Zum 22. Mal fand in diesem Jahr die Internationale Batnight statt, um über Fledermäuse zu informieren und für ihren Schutz zu werben. In Deutschland organisiert der Naturschutzbund zu dieser Aktion verschiedene Veranstaltungen, woran sich auch der NABU Leipzig wieder beteiligte. Man konnte sich über die bedrohten Nachtlebewesen und über die Naturschutzprojekte des NABU informieren.

 

Batnight im Schloss

Andreas Woiton vom NABU-Naturschutzinstitut Leipzig informierte in einem Einführungsvortrag über die Fledermäuse und ihren Schutz. Dabei schilderte er den dramatischen Verlust in den vergangenen Jahrzehnten. Heute sind deutlich weniger Tiere zu beobachten. Fotos Beatrice Jeschke

 

Am 25. August 2018 hatte der NABU eine Fledermausnacht im Schloss Schönefeld organisiert. Zum Auftakt gab ein Vortrag interessante Informationen über die fliegenden Säugetiere, anschließend konnte man sich über die Pflege in Not geratener Fledermäuse in menschlicher Obhut informieren. Nach Einbruch der Dunkelheit wurde die Fledermausnacht im Freien fortgesetzt, hinter dem Schloss konnte man gemeinsam mit NABU-Experten Fledermäuse beobachten. Informiert wurde auch darüber, wie Fledermäuse für wissenschaftliche Zwecke gefangen und überwacht werden und wie man ihre eigentlich für Menschen unhörbaren Ultraschalllaute mit Fledermausdetektoren belauschen kann.  Mehr als 60 Fledermausfreunde, darunter viele Kinder, nahmen an der Veranstaltung teil.

Hinter dem Schloss wurde ein Stellnetz aufgebaut, um zu demonstrieren, wie Fledermäuse für wissenschaftliche Zwecke gefangen werden.

NABU-Mitarbeiter Wolfgang Kulick wurde von Kindern umringt und stelte Fledermäuse vor, die sich in menschlicher Pflege befinden. Fotos Beatrice Jeschke

 


Fledermäuse und Parthefrösche

Eine Woche später, am 31. August, lud die NABU-Ortsgruppe Plaußig-Portitz zur Fledermausnacht der Parthefrösche ein. 12 Kinder und ihre Eltern kamen.

Foto: Mario Vormbaum
Foto: Mario Vormbaum

Andreas Woiton vom NABU-Naturschutzinstitut Leipzig berichtete zunächst in seinem einführenden Vortrag von der Lebensweise und den Eigenheiten der nachtaktiven Säugetiere. Seit 25 Jahren haben es ihm die Fledertiere angetan und mit Begeisterung vermittelt er besonders gerne Kindern sein Wissen. So vermögen Fledermäuse als einzige Säugetiere aktiv bis zu 70 km/h zu fliegen und sind mit einem einzigartigen Echoortungssystem ausgestattet, welches ihnen gestattet, mit den Ohren zu „sehen“. Sie können ihren

Wasserfledermaus. Foto: NABU/Dietmar Nill
Wasserfledermaus. Foto: NABU/Dietmar Nill

Herzschlag von rund 180 Schlägen auf
1 Schlag pro Minute und ihre Körper­temperatur von 40°C während des Winterschlafs auf wenige Grad über Null reduzieren. Manche Arten legen auf ihrem Weg zum Winterquartier in natürliche frostfreie Höhlen zum Teil einhundert und mehr Kilometer zurück. Mit großem Staunen registrierten die Teilnehmer auch, dass Wasserfledermäuse bis zu 1.000 Mücken jede Nacht erbeuten und vertilgen.

Zwanzig Arten findet man derzeit in Sachsen, doch die Fledertiere haben es zunehmend schwer. Auf die in den Raum gestellte Frage, ob Fledermäuse gefährdet sind, wussten die Kinder die Antwort: Vom Menschen geht für die Fledermäuse die größte Gefahr aus, sei es durch Vernichtung ihrer Lebensräume bei Bau- und Sanierungsmaßnahmen oder durch die Beseitigung von höhlenreichen Baumbeständen, sei es durch den Betrieb von Windkraftanlagen oder aber auch durch den zunehmenden Rückgang von Insekten, sodass den heimischen Fledermäusen die Nahrungsquelle verloren geht.

Wolfgang Kulick zeigte den Kindern aus nächster Nähe Fledermäuse, die sich in menschlicher Pflege befinden. Fotos: Mario Vormbaum

 

Im Anschluss an den Vortrag konnten Groß und Klein auf Tuchfühlung gehen mit in Pflege befindlichen Fledermäusen, die von Wolfgang Kulick liebevoll betreut werden. Wolfgang Kulick ist Mitarbeiter des NABU Leipzig, der zugleich als Außenpflegestelle der Naturförderungsgesellschaft Ökologische Station Borna-Birkenhain e.V. hilfsbedürftige Fledermäuse pflegt. Bei den mitgebrachten Pfleglingen handelt es sich um verletzte oder hilflose Jungtiere, die in freier Natur keine Überlebungschance haben, da sie aufgrund ihrer Verletzung nicht mehr in der Lage sind zu jagen, oder weil sie es als Jungtier nicht von ihren Eltern gelernt haben. Geduldig wurden von den NABU-Mitarbeitern die vielen Fragen beantwortet.

Auf der Suche nach Fledermäusen im Plaußiger Wäldchen. Foto: Mario Vormbaum
Auf der Suche nach Fledermäusen im Plaußiger Wäldchen. Foto: Mario Vormbaum

Mit Beginn der Abenddämmerung machte sich die Gruppe auf ins Plaußiger Wäldchen, um dort auch in freier Wildbahn lebende Fledermäuse zu beobachten. Ziel war der MiMo-Teich, der mit seiner Lage im Wald ein geeignetes Habitat für verschiedene Fledermaus­arten darstellt.
Zur genaueren Artenbestimmung wurde von den Fledermausexperten ein Netzfang vorbereitet, indem ein Netz quer zur vermuteten Einflugschneise in den Wald aufgestellt wurde. Ins Netz ging diesmal keine Fledermaus, aber immerhin konnte im Schein der Taschenlampe eine dicht über der Wasseroberfläche des MiMo-Teichs im Plaußiger Wäldchen jagende Wasserfledermaus beobachtet werden. Zugleich machte ein Bat-Detektor die Ultraschallrufe der Fledermaus hörbar, mit denen sie sich orientiert und ihre Jagdbeute ortet. Anhand der Frequenzbereiche und der Rufsequenzen lassen sich verschiedene Fledermausarten unterscheiden. So konnten neben der Wasserfledermaus noch zwei weitere Fledermausrufe von Ferne ausgemacht werden, die vermutlich dem Großen Abendsegler und der Mückenfledermaus zuzuordnen waren.
Gegen 22 Uhr traten die jungen Fledermausfreunde mit ihren Eltern den Rückweg durch den stockfinsteren Wald an, lediglich ein paar Grillen zirpten und Mäuschen raschelten ob des nächtlichen Besuchs.

In der Vortragsreihe „Der Natur zuliebe“ hatte der NABU Leipzig dann schließlich noch am 5. September 2018 zu einem weiteren Fledermausvortrag eingeladen. Unter dem Titel „Von Zwergen und Nymphen – Vielfalt und Lebensraum heimischer Fledermäuse“ fand er im Naturkundemuseum Leipzig statt, wo Marco Roßner und Sarah Malaske vom Fachbüro „hochfrequent“ die heimischen Arten und Möglichkeiten für ihren Schutz vorstellten.

 

Hilfe für die Schönen der Nacht

Die verschiedenen Fledermausarten in Leipzig sind einerseits in der Stadt zuhause, andererseits im Auwald. Diese Konstellation ermöglicht eine große Artenvielfalt, die Fledermäuse haben jedoch mit zahlreichen menschgemachten Problemen zu kämpfen, sodass ihr Überleben gefährdet ist. Dazu zählen die Zerstörung ihrer Lebensräume, Verlust von Unterschlupfmöglichkeiten durch Baumfällungen und Gebäudesanierungen, Nahrungsmangel durch Naturzerstörung, Klimawandel und Insektensterben.

Hauptursache für die Gefährdung der heimischen Fledermausarten ist der Verlust von geeigneten Lebensräumen. Alte Baumbestände mit Unterschlupfmöglichkeiten sind selten und werden oft der „Verkehrssicherung“ oder Bauprojekten geopfert. Ritzen, Fugen und Spalten in Gebäuden gehen durch Modernisierung von Fassaden und Dächern verloren. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz muss in solchen Fällen eine Genehmigung vorliegen und es muss Ersatz durch künstliche Quartiere geschaffen werden – beides wird leider oftmals ignoriert. Auf diese Weise sind in der wachsenden Stadt Leipzig bereits zahllose Fledermausquartiere verloren gegangen. Oftmals passiert das besonders grausam: Die Tiere werden bei Bauarbeiten in ihren Quartieren einfach eingemauert und sterben qualvoll.

Zudem sorgt die großflächige Landschaftszerstörung auch dafür, dass es immer weniger Insekten gibt, sodass die Fledermäuse nicht nur unter Wohnungsnot leiden, sondern auch an Nahrungsmangel.

Um auf die Probleme aufmerksam zu machen und aktiv den Fledermäusen zu helfen, hat der NABU Leipzig seine Bemühungen im Fledermausschutz in den vergangenen Jahren verstärkt.

 

NABU bittet um Spenden für den Fledermausschutz

Gemeinsam mit der Ökologischen Station Borna-Birkenhain kümmert sich der NABU Leipzig auch um in Not geratene Fledermäuse, die vorrübergehend in menschlicher Obhut wieder fit gemacht werden für ein Leben in Freiheit. Das sind verletzte oder unterernährte Fledermäuse, verwaiste Jungtiere oder auch Tiere, die bei Bauarbeiten gerettet wurden.

Die ehrenamtliche Pflege dieser Tiere ist sehr arbeitsintensiv, vor allem die Fütterung nimmt viel Zeit in Anspruch, aber auch Flugtraining oder Körperpflege gehören dazu. Das ist mit hohen Kosten verbunden, die aus Spenden finanziert werden. Deshalb bittet der NABU herzlich alle Fledermausfreunde, diese Arbeit mit einer Spende zu unterstützen (IBAN DE88 8605 5592 1100 9119 59, Stichwort „Fledermaus“). Ebenso freut sich der NABU Leipzig, wenn Naturfreunde die Artenschutzaktionen und Arbeitseinsätze aktiv unterstützen – es gibt zahlreiche Mitmachmöglichkeiten.

 

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Lustige Stofftiere, waschbar bis 40°C. Die Einnahmen werden für den Arbeitskreis Vogelschutz verwendet. Jedes Kuscheltier ist ein handgefertigtes Unikat aus Stoffresten und für 3 Euro erhältlich im NABU-Naturschutzbüro.